Testbericht

4. Februar 2007
Haar/München, 5. Februar 2007 – Im Segment der oberen Mittelklasselimousinen halten hierzulande einheimische Hersteller das Heft fest in der Hand. Im Jahr 2006 verkaufte Peugeot insgesamt gerade einmal 920 Einheiten des 607. Damit ist er keine ernsthafte Gefahr für seine Mitbewerber. Im selben Zeitraum setzte BMW rund 50.000 5er, Mercedes 56.000 E-Klassen und Audi mehr als 64.000 A6-Modelle ab. Mit einem neuen Selbstzünder für den 607 möchte Peugeot den Mitstreitern zumindest ein paar Marktanteile streitig machen. Lückenschluss im Dieselprogramm Wir haben den 607 Hdi FAP 170 Bi-Turbo in der Topausstattung Platinum getestet. Das 2,2 Liter große Dieselaggregat schließt die bis dato zwischen dem 136 PS starken 2,0-Liter- und dem 204 PS starken 2,7-Liter-Diesel klaffende Lücke. Der serienmäßig mit einem Rußpartikelfilter ausgestattete Motor entstammt einer Kooperation von PSA Peugeot Citroën und Ford. Parallel-sequentielle Bi-Turbo-Aufladung Die Besonderheit des 2.2 HDi FAP Bi-Turbo ist, wie der Name schon zu erkennen gibt, die parallel-sequentielle Bi-Turbo-Aufladung. Das System kombiniert zwei identische, klein dimensionierte Garrett-Turbolader. Im unteren Drehzahlbereich wird einer der beiden Lader aktiv, der Zweite wird je nach Leistungsbedarf und Ladedruck zwischen 2.600 und 3.600 Umdrehungen in der Minute zugeschaltet. Auf diese Weise wird das gesamte Drehzahlspektrum optimal ausgenutzt – ein merkliches Turboloch gibt es nicht mehr. Der Dieseltreibstoff wird über ein Common-Rail-Einspritzsystem von Bosch in den Brennraum befördert. Subjektiv sportlicher als auf dem Datenblatt Mit 170 PS und 370 Newtonmeter Drehmoment spurtet der frontgetriebene 607 in 9,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Der Vortrieb endet bei 224 km/h. Da das volle Drehmoment ab 1.500 Umdrehungen in der Minute anliegt, steht auch schaltfaulen Fahrern über ein breites Drehzahlband stets genügend Leistung zur Verfügung. Selbst bei 170 km/h legt das Fahrzeug beim Tritt auf das Gaspedal noch einen beeindruckenden Vortrieb an den Tag. Das 2,2-Liter-Dieselaggregat ist ausschließlich in Kombination mit einer gut abgestimmten Sechsgang-Handschaltung erhältlich.

Schnell – aber nicht der Schnellste Der Peugeot ist schnell, aber mit 9,3 Sekunden von null auf Tempo 100 nicht der Schnellste: Der sieben PS schwächere BMW 520d braucht 0,7 Sekunden weniger für den obligatorischen Spurt. Lediglich in der Endgeschwindigkeit hat der Peugeot mit 224 km/h die Nase vorn, wenn auch dicht gefolgt vom 520d. Der A6 2.0 TDI benötigt eine ganze Sekunde länger für den für den 100-km/h-Sprint, ist aber auch 30 PS schwächer. Noch schwächer ist der E 200 CDI. Er liegt jedoch nur 0,6 Sekunden hinter dem Peugeot 607, und das mit 34 PS weniger. Die Fahrleistungen liegen also – mit Ausnahme des 520d – durchaus auf demselben Niveau. Der kultivierte Motor überzeugt Die Fahrwerte des 607 Bi-Turbo allein sind jedoch keine Besonderheit. Der kultivierte Motor überzeugt vor allem durch seine hohe Laufruhe – lediglich unterhalb von 1.400 Umdrehungen in der Minute macht er mit Vibrationen vehement auf sich aufmerksam. Subjektiv fühlt sich der 607 deutlich sportlicher an, als es die bloßen Zahlen vermuten lassen. Kein Spritsparwunder, aber angemessen Ein Spritsparwunder ist der 2,2-Liter-HDi-Motor nicht. Der von Peugeot für die Überlandfahrt angegebene Mittelwert von 5,2 Litern Diesel auf 100 Kilometer ließ sich in unserem Test beim besten Willen nicht erreichen. Wer mit der gebotenen Ruhe unterwegs ist, kann das über 1,7 Tonnen schwere Fahrzeug im Mittel mit 7,5 Litern auf 100 Kilometern bewegen. Im Alltag brauchte unser Löwe im Schnitt insgesamt 8,1 Liter – in Anbetracht der Fahrzeuggröße und der Fahrleistungen keine Sensation, aber angemessen. Viel Platz für Passagiere und Gepäck Der 607 bietet vor allem eines – Platz. Insbesondere das üppige Raumangebot in der ersten Reihe der fünfsitzigen Limousine kann überzeugen, wobei auch auf den Fondsitzplätzen genügend Kopf- und Beinfreiheit zur Verfügung steht. Der Kofferraum der Limousine bietet mit einem Volumen von 468 Litern ausreichend Stauraum.

Umfangreiche Serienausstattung Schon serienmäßig ist der Peugeot 607 umfangreich ausgestattet: So kann bereits die Einstiegsversion Premium mit Bedieneinheiten am Lenkrad, einem MP3-fähigen Radio, einem Bordcomputer, elektrischen Fensterhebern vorne und hinten, einer Frontscheibe aus Verbundglas, einem Regensensor, einer Einschaltautomatik des Abblendlichts und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen aufwarten. Gute Verarbeitung und hoher Komfort Innen trumpft der 607 vor allem mit Langstreckentauglichkeit und guter Verarbeitung auf. Die in der Top-Variante serienmäßigen Ledersitze und Lederapplikationen an Lenkrad, Schalthebel und in den Türverkleidungen verleihen dem Innenraum ein hochwertiges Ambiente. Die Sitze können schon in der Basisversion Premium mit elektrischen Verstellmöglichkeiten und einer manuellen Lordosenstütze aufwarten. Eine Sitzheizung ist in allen Ausstattungsvarianten optional zu ordern. In puncto Seitenhalt kommt das auf Reisekomfort abgestimmte Gesamtkonzept zum Tragen – für eine allzu sportliche Gangart sind die Sitze nicht ausgelegt. Eine ausziehbare Armauflage zwischen den vorderen Sitzplätzen erhöht den Komfort. Optisch ansprechendes Innenraumdesign Der Armaturenträger ist optisch ansprechend gestaltet. Die gut ablesbaren Rundinstrumente für Geschwindigkeits- und Drehzahlanzeige flankieren das serienmäßige Multifunktionsdisplay, dessen Angaben zusätzlich auch auf dem 7-Zoll-Display des optionalen Navigations-Systems in der Mittelkonsole angezeigt werden können. Unterhalb des Monitors ist die Mittelkonsole mit einer Vielzahl an Knöpfen bestückt, die aber keine Fragen über ihre jeweilige Funktion aufwerfen. Die wichtigsten Bedienelemente für das Radio sind zusätzlich, ebenso wie die der Geschwindigkeitsregelanlage, als separate Bedieneinheit serienmäßig links beziehungsweise rechts hinter dem Lenkrad angebracht. Dies sorgt für eine unkomplizierte Bedienbarkeit, auch während der Fahrt.

Komfortables Fahrwerk mit Reserven Das Fahrwerk ist komfortabel, aber nicht unsportlich ausgelegt. Es schluckt die gröbsten Schläge, vermittelt dem Fahrer dabei jedoch stets ein genaues Bild der aktuellen Fahrbahnbeschaffenheiten. Neben einem absolut überzeugenden Langstreckenkomfort bietet das Fahrwerk ausreichend Reserven für eine schnellere Gangart. Wenn es sein muss, krallt sich der Löwe in schnell gefahrenen Kurven fest in den Asphalt. Das hohe Gewicht und der geringe Seitenhalt der Sitze wollen Freude am schnellen Fahren jedoch nicht so recht aufkommen lassen.

Serienmäßiges Sicherheitskonzept Das serienmäßige Sicherheitskonzept des 607 umfasst neben ABS, ESP und ASR einen Notbremsassistenten mit einer automatischen Einschaltung der Warnblinkanlage und Reifendrucksensoren. Die passive Sicherheit soll durch acht Airbags, bestehend aus durchgehenden Vorhangairbags, Seitenairbags vorne und hinten und zweistufigen Fahrer- beziehungsweise Beifahrerairbags sowie einer Isofix-Kindersitzhalterung gewährleistet werden. Der 607 punktet mit seinem Preis Vor allem sein Preis ist der große Trumpf des Franzosen: Einen 607 HDi FAP 170 Bi-Turbo gibt es in der Einstiegsvariante Premium ab 34.850 Euro. Dabei kann bereits die Basisvariante mit einem CD-/MP3-Radio, elektrisch verstellbaren Sitzen, einer drehzahl-, beziehungsweise geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung, einer geteilt umklappbaren Rückbank und einem serienmäßig elektrisch öffnen- und schließenden Kofferraumdeckel aufwarten. Zum Vergleich: Der 30 PS schwächere Audi A6 2.0 TDI kostet gleich viel und kommt serienmäßig ohne ein MP3-kompatibles Radio und ohne eine umklappbare Rückbank daher. Einen BMW 520d gibt es nicht unter 36.828 Euro. Für einen Mercedes E 200 CDI werden mindesten 37.366 Euro fällig. Voll ausgestattet für 43.260 Euro Mit 43.260 Euro ist die von uns getestete Platinum-Variante immerhin knapp 3.000 Euro günstiger als ein vergleichbar ausgestatteter Audi A6 und rund 4.000 Euro günstiger als ein 520d von BMW. Die größte Differenz besteht mit rund 6.000 Euro zu einem gleichwertig ausgestatteten E 200 CDI von Mercedes.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6-Gang-Schaltung
Motor Bauart:Reihen-Dieselmotor, Common-Rail-Einspritzung, 2 Turbolader
Hubraum:2.179
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:125 kW (170 PS) bei UPM
Drehmoment:370 Nm bei 1.500 UPM
Preis
Neupreis: 39.250 €
Fazit
Sein bevorzugtes Jagdrevier findet der Löwe weniger im Großstadtdschungel, dafür aber auf Landstraßen und Autobahnen. Dort ist er in seinem Element. Dies liegt nicht zuletzt an seiner unübersichtlichen Karosserie und dem hohen Verbrauch im Stadtverkehr. Im Alltag besitzt er nicht die Präsenz eines 5er BMW oder einer E-Klasse von Mercedes, sondern wirkt eher unauffällig. Der Komfort liegt jedoch auf ähnlichem Niveau. <br/><br/>Das Peugeot-Flaggschiff überzeugt vor allem durch sein üppiges Platzangebot und die gute Verarbeitung im Innenraum. Das Bedienkonzept ist durchdacht und wirft keine Fragen auf. Der Verbrauch könnte etwas niedriger ausfallen, geht aber in Anbetracht der überzeugenden Fahrleistungen in Ordnung. <br/><br/> Der Peugeot 607 bietet sich all denjenigen an, die weniger Wert auf auffälliges Design und pure Sportlichkeit legen, denen solide Verarbeitung, hoher Komfort und Understatement zu einem günstigen Preis dafür aber um so wichtiger sind. Der Peugeot 607 bleibt die unauffällige Alternative für Individualisten.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2007-02-04

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