Testbericht

8. Januar 2009
Haar, 8. Januar 2009 - Seit 2005 ist die aktuelle Baureihe des Hyundai Sonata auf dem Markt. Im hart umkämpften Segment der Mittelklasse-Limousinen tut sich der Koreaner jedoch schwer: Im Jahr 2007 wurden davon nur 640 Neuwagen in Deutschland verkauft. Ein Facelift soll dem Sonata mehr Attraktivität verleihen. Wir sind die Topvariante gefahren, den 3.3 V6.

Biederer Auftritt Äußerlich kommt auch der neue Sonata relativ bieder daher. Ein Hingucker ist er nicht. Man würde den koreanischen Designern etwas mehr Mut wünschen - der kompakte i30 weist da den richtigen Weg. Die Veränderungen an der Karosserie des Sonata sind eher dezent: Vorne gibt's einen größeren, stärker akzentuierten Grill, modifizierte Scheinwerfer und größere Lufteinlässe unter dem Stoßfänger. Dazu kommen mehr Chromapplikationen. Hinten sind die Unterschiede nur bei genauem Hinschauen zu erkennen: leicht veränderte Heckleuchten und neue Stoßfänger.

Hinten Platz für drei Deutlich mehr hat sich im Innenraum getan. Neu gestaltet präsentiert sich das Armaturenbrett. Auch wenn immer noch Hartplastik dominiert, so ist das Cockpit nicht nur übersichtlicher und funktionaler, sondern auch um einiges schicker geworden. Vor allem die Mittelkonsole wirkt harmonischer. Die Bedienbarkeit der Klimaanlage wurde optimiert und die Audioanlage besser integriert. Das Platzangebot fällt großzügig aus. Mit 4,80 Meter Außenlänge misst der Koreaner immerhin dreieinhalb Zentimeter mehr als ein VW Passat und nur vier Zentimeter weniger als ein 5er-BMW. Das wird auch im Innenraum deutlich. Vorne könnten die Sitze etwas mehr Seitenhalt bieten, hinten gibt es ausreichend Raum für Kopf und Beine. In Erinnerung an eigene Kindheitstage als jüngstes von drei Geschwistern freut sich der Tester zudem darüber, dass die Rückbank des Sonata tatsächlich für drei Personen ausgelegt ist: Auch in der Mitte sitzt man passabel. In vielen Autos dient dieser Platz ja nur noch zum Auflegen der Armlehne.

Kein Gepäckraumöffner am Heck Mit 523 Litern fasst der Kofferraum des Sonata sogar drei Liter mehr als der einer BMW 5er Limousine. Die Rücksitzlehnen lassen sich asymmetrisch umlegen, die kleine Durchladeöffnung schränkt die Transportmöglichkeiten allerdings ein. Apropos Kofferraum: Ärgerlich ist, dass es zum Öffnen der Klappe keinen Knopf am Heck gibt. Der Fahrer benötigt also entweder den Schlüssel oder er muss den Schalter im Cockpit betätigen. Fürs Schließen des Deckels vermissen wir zudem einen Zuziehgriff.

Kraftvoller Vortrieb Überarbeitet wurde auch das 3,3-Liter-Benziner-Triebwerk. Der Sechszylinder leistet statt bisher 235 nun 250 PS. Damit lässt sich die 1.659 Kilogramm schwere Limousine durchaus kraftvoll über den Asphalt bewegen. Der Sonata beschleunigt gleichmäßig und ohne große Schwächen. 7,7 Sekunden gibt Hyundai für den Spurt auf Tempo 100 an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt - unverändert zum alten Modell - bei 230 km/h. Bei hohen Drehzahlen heult der Motor etwas laut auf. Außerdem treten bei höheren Geschwindigkeiten starke Windgeräusche auf.

Nur mit Automatik Der 3.3 V6 ist ausschließlich in Kombination mit einem fünfstufigen Automatikgetriebe erhältlich. Dieses verhindert leider, dass das Fahrerlebnis harmonischer ausfällt. Vom Fuß wird viel Gefühl verlangt: Gibt man nämlich zu viel Gas, bewegt sich der Koreaner ruckartig und etwas heftig von der Stelle. Neben dem D-Modus gibt es keine Möglichkeit, die Schaltcharakteristik zu verändern - beispielsweise durch einen Sportmodus. Wird der Gang manuell per Tiptronic gewechselt, muss eine erhebliche Schaltverzögerung in Kauf genommen werden. Aufgrund der beschriebenen Symptome ist sportliches Fahren daher nur bedingt möglich, sofern Sonata-Fahrer dies überhaupt wünschen.

Stärker europäischen Bedürfnissen angepasst Der Verbrauch liegt laut Hersteller bei durchschnittlich 9,9 Liter je 100 Kilometer. Wir bewegten uns bei unseren Ausfahrten bei realistischer erscheinenden Werten zwischen elf und zwölf Liter. Das Fahrwerk wurde durch modifizierte Stoßdämpfer, Federn und Stabilisatoren stärker europäischen Bedürfnissen angepasst, lässt Hyundai wissen. Die Abstimmung fällt ziemlich weich und damit meist komfortabel aus. Große Unebenheiten aber werden umso deutlicher an die Passagiere übertragen.

Tolles Preis-/Leistungsverhältnis Der Sonata ist in der Basisversion als Zweiliter-Benziner ab 24.290 Euro erhältlich. Unser Testwagen in der Topausstattung Premium kostet mindestens 32.290 Euro und folgt einer von vielen Asiaten bekannten erfreulichen Aufpreispolitik. So können lediglich ein Glasschiebdach und eine Metalliclackierung den Preis verteuern, alles andere gibt's inklusive: Dazu gehören eine Alarmanlage, Parksensoren hinten, ein USB- und ein iPod-Anschluss, eine Klimaautomatik sowie Ledergestühl. Gar nicht erhältlich sind jedoch ein Navigationssystem und Xenon-Scheinwerfer. Im Preis-/Leistungsverhältnis ist der Sonata in der Mittelklasse nahezu unschlagbar: Für einen Skoda Superb 3.6 FSI V6 4x4 sind mindestens 34.790 Euro fällig, der VW Passat 3.2 V6 FSI 4Motion - beide mit Sechsgang-DSG - schlägt sogar mit 37.250 Euro zu Buche.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Automatikgetriebe
Motor Bauart:Ottomotor in V-Form
Hubraum:3.342
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Leistung:184 kW (250 PS) bei UPM
Drehmoment:310 Nm bei 4.500 UPM
Preis
Neupreis: 32.290 € (Stand: Dezember 2008)
Fazit
Der überarbeitete Sonata ist ein wenig schicker geworden. Dennoch bleibt er bieder und behäbig. Das Platzangebot ist großzügig, der Komfort ordentlich. Der 3,3-Liter-Benziner leistet gute Arbeit, doch das damit kombinierte Automatikgetriebe müsste harmonischer arbeiten. Im Preis-/Leistungsverhältnis ist der Sonata 3.3 V6 fast unschlagbar - die Konkurrenten sind deutlich teurer. Allerdings wird auch der neue Sonata nur Kunden ansprechen, die auf Anmutung, Ambiente und Image keinen Wert legen. Für diese Käuferschicht ist der Koreaner sicher keine schlechte Wahl. Das 3,3-Liter-Triebwerk mit 250 PS dürfte in diesen Fällen dann allerdings überdimensioniert sein.
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-news, 2009-01-08

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