Testbericht

21. Juni 2006
Erlangen, 21. Juni 2006 – Kleinwagen waren bis vor kurzem in der Regel um die 3,80 Meter lang, die Kompaktklasse lag bei etwa 4,20 Metern. Neue Kleinwagen wie Fiat Grande Punto, Renault Clio oder Peugeot 207 sind nun jedoch in die Region jenseits von vier Metern vorgestoßen. In die gleiche Größenklasse gehört der neue Hyundai Accent: Er misst nur zwei Zentimeter mehr als etwa der Grande Punto. Dennoch positioniert Hyundai das Auto nicht im Kleinwagensegment, sondern zwischen den Klassen. Wir haben das Auto in der dreitürigen Basisversion für Sie gefahren. Motor: Ausreichend, aber nicht berauschend Als Motorisierung für den Accent stehen zwei Benziner und ein Diesel zur Auswahl. Mit 97 PS ist die getestete 1,4-Liter-Einstiegsvariante überraschend stark, denn beim Fiat Grande Punto beispielsweise geht’s schon bei 65 PS los. Der Accent-Basismotor ist aus dem Kleinwagen Getz bekannt und zwölf PS stärker als der Antrieb des alten Accent-Einstiegsmodells. Dementsprechend gut sind die Fahrleistungen: Der 1,4-Liter-Benziner beschleunigt den Accent in ansehnlichen 12,3 Sekunden auf Tempo 100. Spritzig fühlt sich das Auto dennoch nicht an. Und die Konkurrenz ist flotter: Der etwa gleich schwere Grande Punto 1.4 16V mit 95 PS braucht für den Spurt fast eine Sekunde weniger. Nach Herstellerangaben braucht der 97-PS-Accent 6,2 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Das geht in Ordnung, denn das erwähnte Punto-Modell benötigt laut Fiat nur 0,1 Liter weniger. Auch in puncto Höchstgeschwindigkeit liegt der Accent etwa gleichauf mit dem Fiat: Die Spitze wird bei 177 km/h erreicht; der Tacho unseres Testwagens zeigte sogar bis zu 190 km/h an.

Weiches Fahrwerk und ungenaue Lenkung Bei hohem Tempo fühlt man sich im Accent allerdings nicht sehr wohl. Ein Grund dafür ist, dass der Accent unter Last ab 4.000 U/min recht laut wird. Aber vor allem liegt es am weichen Fahrwerk: Es hinterlässt beispielsweise beim Spurwechsel auf der Autobahn einen schwammigen Eindruck. An der Lenkung fällt auf, dass sie beim Lenken aus der Mittellage heraus schwergängig ist; bei größerem Lenkeinschlag flutscht es dann plötzlich. Um das Problem zu beheben, will Hyundai die Einstellung bis zum Marktstart noch verbessern. Alle Accent werden mit Fünfgang-Schaltung ausgeliefert, deren Hebel ab und zu hakelt. Wer will, kann gegen 1.100 Euro Aufpreis eine Viergang-Automatik bestellen. Schöne Instrumente, aber fragwürdige Materialien Im Innenraum bietet der Accent GL auf den ersten Blick eine ordentliche Optik. Dezentes Grau und Schwarz dominieren. Die Instrumente werden von matt glänzenden Plastikringen eingefasst und sehen gut aus. Allerdings bieten die Sitze vor allem an den Beinen fast keinen Seitenhalt. Außerdem sind Materialien und Verarbeitung doch eher auf dem Niveau von älteren Kleinwagen. So wirkt das Hartplastik, das den unteren Bereich des Cockpits auskleidet, nicht besonders edel und ist schon beim ersten ungeschickten Handgriff verkratzt. Der Fond bietet genug Platz für drei Erwachsene. Für ein Auto von rund vier Metern Länge ist die Kniefreiheit durchaus okay. Die Kopffreiheit lässt allerdings etwas zu wünschen übrig.

Kofferraum auf Kleinwagenniveau Die Platzverhältnisse im Fond befinden sich auf Kleinwagenniveau. Dasselbe gilt für den Kofferraum: Er fasst mit 270 Litern sogar etwas weniger, als in den Grande Punto passen. Den Wert für dachhohe Beladung bei umgeklappten Fondsitzen hat Hyundai noch nicht ermittelt. Der Grande Punto liegt bei 1.020 Litern – der Accent dürfte etwa ebenso viel schaffen. Zum Umklappen der Fondsitze entnimmt man die Kopfstützen, legt dann zuerst die Sitzpolster und anschließend die Lehne um. So ergibt sich eine leidlich nutzbare, aber nicht ebene Ladefläche – eine Stufe stört beim Hineinschieben von Getränkekisten oder Ähnlichem. Hoher Einstiegspreis: 13.990 Euro Den Accent gibt es ab 13.990 Euro. Das hört sich recht üppig an für ein Auto, das in vielerlei Hinsicht eher ein Kleinwagen als ein Kompakter ist. Für ein Kleinwagen-Einstiegsmodell ist der Accent GL jedoch üppig ausgestattet. So bietet er Scheibenbremsen auch an der Hinterachse, sechs Airbags, elektrische Fensterheber vorne, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, eine Klimaanlage und Nebelscheinwerfer. Auch eine Zentralverriegelung ist Serie, allerdings ohne Fernbedienung. Für ESP muss – wie bei Kleinwagen üblich – Aufpreis bezahlt werden. Zum Preisvergleich: Den Fiat Grande Punto gibt es mit 95 PS ab 13.450 Euro. Dafür erhält man die Ausstattung Dynamic, die der Accent-Ausrüstung in etwa ebenbürtig ist. Der Hyundai liegt also preislich etwas über dem Fiat. Kompaktklassefahrzeuge im gleichen Preisbereich Angesichts des Basispreises ergibt selbst ein Preisvergleich mit einem Kompaktklassefahrzeug Sinn. Den Citroën C4 etwa gibt es als Dreitürer mit 109-PS-Motor in der Ausstattung VTR für 18.050 Euro. Zieht man den standardmäßig vom Händler gewährten Rabatt von stattlichen 3.500 Euro ab, landet man bei 14.550 Euro. Zusätzlich zur Accent-Ausrüstung sind beim C4 VTR ein ESP, ein Tempomat, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung sowie ein CD-Radio Serie. Ausstattungsbereinigt fährt man mit dem Citroën damit sogar günstiger als mit dem Accent ­– und man hat nicht nur ein größeres Fahrzeug, sondern auch noch einen stärkeren Motor. (sl)
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Otto-Reihenmotor, DOHC, Multipoint-Einspritzung
Hubraum:1.399
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:71 kW (97 PS) bei UPM
Drehmoment:125 Nm bei 4.700 UPM
Preis
Neupreis: 13.990 € (Stand: Juni 2006)
Fazit
Der neue Accent ist eher ein Kleinwagen als ein Golfklasse-Auto. Dafür sprechen die Außenabmessungen, aber auch die Platzverhältnisse im Fond sowie im Kofferraum. Durch den 97-PS-Motor und die vergleichsweise üppige Ausstattung ist die Basisversion 1.4 GL aber teurer als ein normales Einsteigermodell in der Kleinwagenklasse. Geld sparen kann man mit dem Accent also kaum. Selbst Kompaktwagen-Schnäppchen wie der Citroën C4 erscheinen günstiger. Der eher hohe Preis steht eher durchschnittlichen Fahrzeugeigenschaften gegenüber. Die Optik des Dreitürers hat sich nur im Heckbereich gegenüber dem alten Modell verbessert, vorne aber noch nicht. Im Innenraum lassen die Materialien zu wünschen übrig. Aber die Hauptschwäche des Accent sind das weiche Fahrwerk und die ungenaue Lenkung. Besserung in der Kompaktklasse ist jedoch in Sicht: Hyundai will auf dem Pariser Autosalon im Herbst 2006 die seriennahe Studie eines neuen Golf-Konkurrenten zeigen. Das intern unter dem Kürzel FD laufende Auto soll im Sommer 2007 auf den Markt kommen. Mit rund 4,30 Metern Länge wird das Fahrzeug besser ins Kompaktsegment passen als der kleine Accent, und auch Optik und Qualität sollen deutlich besser sein.
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-news, 2006-06-21

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