Testbericht

23. November 2005
Haar, 23. November 2005 – Kaum war er da, da war er auch schon weg. Die Rede ist von unserem aktuellen Testwagen in Form des Lexus GS 300. In nur zwei Wochen hat der elegante Japaner bei uns über 2.500 Kilometer zurückgelegt. Jeder wollte mit ihm fahren und alle fanden ihn ausgesprochen hübsch. Der abschließende Bericht soll zeigen, ob die Euphorie berechtigt war und der äußere Eindruck mit den inneren Werten des dynamischen Hecktrieblers übereinstimmt. Was für eine Schönheit „Gelungen“ und „die können ja doch schöne Autos bauen“ entfährt es unserem Team, als es den neuen Testprobanden unter die Lupe nimmt. Die Silhouette gefällt und erinnert ein wenig an den CLS von Mercedes. Die coupéhafte Linie mit der durchgehenden Schulter lässt den knapp 4,80 Meter langen GS gestreckt und schnittig erscheinen. Nichts erinnert mehr an den langweiligen und weniger attraktiven Vorgänger von 1993. An der Front des aktuellen Bindegliedes zwischen der IS- und der LS-Baureihe prangt voll Stolz das große Markenlogo. Vier Xenon-Scheinwerfer, zwei Nebellampen, zwei Luftöffnungen und das Maschendrahtgeflecht vor dem Kühler bewirken jedoch einen recht zerklüfteten Gesamteindruck. Ganz anders das Heck: Zwei Auspuffendrohre, klare Linien und der kleine Heckspoiler sind zu einem stimmigen und kompakten Gesamtpaket geschnürt.

Gut in der Basis, spitze im Luxus Lexus offeriert den GS in drei Ausstattungsvarianten: Als Serienmodell ohne Bezeichnung, in der Executive-Line und schließlich als Luxury-Line. Den Schritt von der Basis zur Executive-Line lässt sich die Nobelmarke von Toyota mit strammen 4.500 Euro bezahlen. Dafür erhält der Kunde unter anderem Ledersitze, eine Sitzheizung und Seitenairbags hinten. Wer noch einmal 5.900 Euro oben drauflegt, der bekommt das Luxury-Paket und darf sich neben einer fantastischen Audioanlage mit 14 Lautsprechern und CD-Wechsler auch über ein Navigationssystem und riesige 18-Zoll-Alus freuen. Wir kamen in den Genuss eben dieses luxuriösen Ausstattungspaktes. Japanisches all-inclusive im Innenraum Türen auf und Platz genommen. Empfangen von Ledersitzen, hochwertig wirkenden Holzdekoreinlagen und einer aufgeräumten Mittelkonsole fühlt man sich im GS auf Anhieb wohl. Fahrer- und Beifahrersitz lassen sich elektrisch in alle Himmelsrichtungen verstellen und verfügen außerdem über eine Memory-Funktion. Das Raumgefühl ist vorbildlich, alle Knöpfe sind gut erreichbar – wenn auch teilweise versteckt – und ihre Bedienung gibt keine Rätsel auf. Hier treibt kein iDrive oder MMI-System den Fahrer zur technischen Kapitulation. Im Gegenteil: Die Bedienung der Navigation erfolgt per Touchscreen und für jede Funktion findet sich ein klar beschrifteter Knopf.

Hier fragt keiner „Sind wir bald da?“ Auch in der zweiten Reihe gibt es genug Kopffreiheit. Nur Passagiere jenseits der 1,80 Meter müssen möglicherweise mit der leicht nach hinten abfallenden Dachlinie kämpfen. Der Sitzkomfort ist auch auf langen Strecken hervorragend und dank der insgesamt 14 Lautsprecher genießen auch die Gäste in der zweiten Reihe einen Musikgenuss der Extraklasse. Unter der schönen Haube Wer unter die wohlgeformte Motorhaube des schneidigen Japaners blickt, der wird bitter enttäuscht: Kunststoff, wohin das Auge reicht. Darunter verborgen lauert ein hochmoderner Dreiliter-V6 mit vier oben liegenden Nockenwellen und einer elektronisch geregelten Benzin-Direkteinspritzung. Das Aggregat leistet 249 PS und stemmt 310 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Als Alternativ-Antrieb bietet Lexus noch einen 4,3 Liter großen V8 in Form des GS 430 an. Der große Bruder des GS 300 bringt eine Leistung von 283 PS und 417 Newtonmeter Drehmoment auf die Straße. Doch genug der Zahlen. Jetzt kommt der Fahrtest.

In der Ruhe liegt die Kraft Dank des schlüssellosen Zugangsystems Keyless-Go kann der Zündschlüssel sowohl beim Öffnen der Türen als auch beim Starten des Motors in der Tasche bleiben. Ein Druck auf den Start-Stopp-Knopf genügt und dann folgt ... Stille! Läuft er schon? Ja, tut er. Aber sehr sehr leise. Absolut laufruhig und kaum wahrnehmbar verrichtet der V6 seinen Dienst. Und auch auf den ersten Metern der Testfahrt dringt kein Geräusch an unser Ohr. Selbst bei zügiger Autobahnfahrt jenseits der 200 ist vom seidig laufenden Herz unter all dem Kunststoff nichts zu hören. Dafür gesellen sich ab ca. 220 km/h deutlich vernehmbare Windgeräusche in den Innenraum. Die werden jedoch bis zur Höchstgeschwindigkeit von angegebenen 240 und angezeigten 260 km/h nicht lauter und so lässt es sich bei freier Autobahn richtig schnell reisen. Und wer nach durchstandenem Stau das Gaspedal gediegen auf das Bodenblech drückt, der bringt den 1,7-Tonner in sportlichen 7,2 Sekunden auf Tempo 100. Sänftenartiges Dahingleiten mit kleinem Manko Das Reisen im Lexus GS lässt sich leicht beschreiben: Es ist sänftenartig. Die Sechsgang-Automatik schaltet sehr weich und die Federung zeigt auch bei langen, schnellen Autobahnkurven keine Schwächen. Lediglich den großen 18-Zoll-Alus mit wenig Gummi ist es anzukreiden, dass kurze Stöße ziemlich ungefiltert ihren Weg ins Innere finden – doch das ist der Preis der sportlichen Optik. Auch die Lenkung bleibt nicht ohne Tadel: Ihre Servounterstützung erfolgt elektronisch und vermittelt nicht so viel Rückmeldung, wie es bei einer hydraulischen Unterstützung der Fall gewesen wäre. Nichts desto Trotz lässt sich der GS präzise steuern und spielerisch einparken. Wozu auch die Rückfahrkamera beiträgt, die auf dem Monitor im Cockpit ein farbiges Bild der Rückansicht zeigt.

Zahlen, Daten, Fakten Während sich der Fahrer um die Straße kümmert und die Durchzugskraft des V6 genießt, hat der Beifahrer Zeit, sich intensiv mit den Eckdaten des hübschen Japaners zu beschäftigen. So fällt auf, dass dessen Gepäckabteil mit 430 Litern doch ein gutes Stück kleiner als bei der Konkurrenz ausfällt. Mit stolzen 540 Litern bei der Mercedes-E-Klasse und immerhin 520 Litern beim Fünfer von BMW heben sich die deutschen Platzhirsche deutlich ab. Und auch der von Lexus angegebene Verbrauch von 9,8 Litern Super im Drittelmix liegt gut einen halben Liter über den Mercedes- und BMW-Modellen mit vergleichbarer Motorisierung – wobei der BMW nach dem teureren Super Plus verlangt. Der Preis: Das wohl wichtigste Kapitel Kommen wir zu den entscheidenden Fragen dieses Tests: Was kostet der Proband, was bekommt der Kunde für sein Geld und wo liegt die Konkurrenz? Inklusive des 10.400 Euro teuren Luxury-Pakets veranschlagt Lexus 50.900 Euro für den GS 300. Angesichts der nahezu vollständigen Ausstattung ein ordentlicher Preis. Ein vergleichbarer Fünfer von BMW schlägt mit gut 55.000 Euro zu Buche. Mercedes und Audi verlangen für die E-Klasse beziehungsweise den A6 jeweils knapp 54.000 Euro. (jk)
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Technische Daten
Antrieb:Hinterrad
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Benzin-V-Motor
Hubraum:2.995
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Leistung:183 kW (249 PS) bei UPM
Drehmoment:310 Nm bei 3.500 UPM
Preis
Neupreis: 40.500 € (Stand: November 2005)
Fazit
Das Beste zu Anfang: Der Lexus GS ist ein durchweg gelungenes Auto. Seine elegante Linie und die coupéhafte Form machen den schneidigen Japaner zu einem echten Hingucker. Riesige 18-Zoll-Alus, ein dezenter Heckspoiler und vier Xenonscheinwerfer unterstreichen diesen Eindruck noch und machen Schluss mit dem GS-Chic vergangener Tage. Im Inneren erwartet die Passagiere ausreichend Platz, der in der ersten Reihe fast verschwenderisch wirkt. Hünen von über 1,80 dürften im Fond mit der abfallenden Dachlinie zu kämpfen haben. Ledersitze, Holzeinlagen und die gute Verarbeitung lassen den Japaner seinen deutschen Konkurrenten nicht nachstehen. Nichts knarzt, quietscht oder klappert. Und selbst Musiklehrer oder Klavierstimmer dürften sich nicht an dem seidig und leise laufenden V6-Aggregat stören. Das Sahnehäubchen des GS 300 ist der Motor. Seidig hochdrehend und niemals störend, verrichtet er seine Arbeit und schiebt den 1,7-Tonner bei Bedarf auf beachtliche 260 Km/h. Der Verbrauch liegt zwar knapp über dem der Konkurrenz, doch auch bei langen und schnellen Autobahnfahrten genehmigt sich der GS den Super-Kraftstoff in angemessenem Maße. Die Sechsgang-Automatik passt gut zu Antrieb und Fahrwerksabstimmung und kann bei Bedarf von Hand geschaltet werden. Preislich positionieren die Lexus-Verantwortlichen den GS unterhalb der bekannten Platzhirsche von Mercedes, BMW und Audi. Angesichts der gebotenen Leistung stellt der luxuriöse Japaner mit einem Preisvorteil von bis zu 4.000 Euro eine echte Alternative dar. Vorausgesetzt, es wird kein Selbstzünder als Antriebsquelle gewünscht. Denn den kann die Nobelmarke von Toyota noch nicht anbieten. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen.

Quelle: auto-news, 2005-11-23

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