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Testbericht

automobil-magazin.de, 14. November 2011
Er ist je nach Ansicht der herzigste oder unvariabelste Kastenwagen auf dem Markt. Man erhält ihn entweder mit 1,6-Liter-Diesel oder 1,6-Liter-Benzinmotor. Frage ist, was besser passt?

So oder so. Was man sieht, erfreut das Auge. Knuffige Kotflügel, freundliche Front, bulliges Heck. Zum riesigen Verkaufserfolg brachte es der Soul noch nicht, aber er erhält permanent viel Zuspruch. Die Nachbarn schauen neugierig hinterher oder fragen nach. Familientransporter können ganz offensichtlich auch richtig hübsch sein. „Transporter“? Lichte Höhe, steile A-Säulen, viel Glas, aber dann …

In der ersten Sitzreihe ist viel Platz, in der zweiten ganz besonders, ganz hinten aber nicht – der Pferdefuß des Kia Soul von Geburt an: Nur dünne 222 Liter passen in den Kofferraum. Ein Portion, die fast schon der exakt einen halben Meter kürzere neue Picanto verdaut: Nur 3,60 Meter lang, aber 200 Liter passen hinein. Schön breit ist die Ladefläche des Soul zwar und auch schön tief zum bequemen Beladen, aber wird die Rückbank heruntergeklappt, ergibt sich keine ganz ebene Ladefläche. Dass die Rücksitzbank, wie man es in einem modernen Crossover ruhig erwarten darf, nicht variabel verschiebbar ist, macht es nicht besser.

Und das, obwohl im Soul „indoor“ vieles angenehm ist. Die steilen A-Säulen tun der Übersicht so gut wie auch dem Innenklima in heißen Sommern – steilere Scheiben, weniger direkte Sonneneinstrahlung. Sollte es trotzdem mal heiß werden – in Deutschland leider heute eher im Oktober als im Juli der Fall – sorgt die schnell und kräftig ansprechende manuelle Klimaanlage (Serie) für kühlen Kopf. Wenige Schalter und Steller schaffen schnell Vertrauen und Bediensicherheit. Allein den zwar griffgünstigen, aber vom Lenkrad verdeckten „Trip“-Schalter des Bordcomputers sucht man erst einmal. Die Zeiger – links der Drehzahlmesser, in der Mitte der Tacho, rechts Wassertemperatur und die Tankanzeige – tischen klassisch und klar ablesbar auf.

Die Ablagen im Innenraum geben dem Packen die Seele, die das Gepäckabteil versagt: das große, zweigeschossige Handschuhfach, tiefe Ablagen in den Türen, eine vor dem Schalthebel und zwei dahinter, zwei auf dem Armaturenbrett, vier Fächer zum Ablegen auf der Gepäckraumabdeckung und nochmals sechs Fächer in der Einlage unter dem Kofferraumboden, wenn kein Ersatzrad an Bord ist. Die Ablageoption vor dem Schalthebel kommt deshalb gut, weil der iPod direkt vor seinem Port (daneben an gleicher Stelle: AUX- und USB-Anschlüsse) unterkommt. Das, was der iPod in die Boxen pumpt, hat Verve: Die Bässe rollen „amerikanisch fett“, die Hochtöner strahlen gegen die Scheibe – gut fürs Ohr. Soul-Sound hat Soul.

Nicht so toll kommen schnelle Kurven. Ein provozierter Lastwechsel führt in dynamisch angegangenen Biegungen zu einer unruhigen Reaktion am Heck. Der Soul ist mit knapp 1,8 Metern zwar breit, aber auch etwas höher als normal (1,61 m). Mit dem Oberbau gerät er daher zuerst etwas in die Schräglage, dann geht es ins friedliche, aber deutliche Untersteuern über. Die defensiv-sichere Bremsabstimmung und die gesunde Gepflogenheit, dass viel Bremsleistung vorne abgeleistet wird, zeigt sich am Bremsstaub an den Vorderradfelgen. Und der Komfort? Vorsichtig straff, OK und angenehm im Alltag.

Fünf Gänge reichen dem Diesel, aber auch dem Benziner? Verdächtig macht den 1.6 schon im Stadtverkehr, dass arg früh der fünfte Gang in der Schaltgasse steht. Das ist hier gut so, aber man bemerkt auch schon, wie kurz getaktet der Otto ist. Auf der Autobahn ist das Drehzahl- und das Geräuschniveau im Vergleich zum Diesel hoch. Schon bei Richtgeschwindigkeit dominiert ein vierzylindriger Grundton, der aus den Wind- und Abrollgeräuschen deutlich hervorsticht. Gut am Gas hängt er zwar, aber er braucht auch viel davon. Die 126 PS stehen erst bei 6.300 Umdrehungen an. Beim Ausdrehen, untermalt von einem turbinenhaften Pfeifton, wird der Kia kernig. Herzhaftes Herunterschalten führt sogar zu Brummfrequenzen. Der Diesel gebärdet sich trotz seines an und für sich rustikaleren Selbstzünderprinzips da gesitteter. Das einzige, was man ihm vorwerfen kann, ist seine Schlafmützigkeit unterhalb von 1.500/min. Gegen seine Geschmeidigkeit hat der 1.6 mit Super im Tank allerdings keine Chance. Die 260 Newtonmeter Drehmoment liefert er schon bei 1.900 Umdrehungen an der Vorderachse ab. Der Benziner trägt mit 156 Nm deutlich weniger auf der Schippe, und das auch erst bei 4.200 Umdrehungen. Da hat der Selbstzünder schon längst nicht nur die Nm, sondern auch seine 128 PS im Kasten.

Und der Verbrauch? Der Soul 1.6 ist mit 7,7 l/100 km sparsam, der 1.6 CRDi mit 6,2 Litern sparsamer. Noch ein Argument für den Ölbrenner. Dazu kommt, dass der Dieselmotor dem Soul mit seiner lässigen Art einfach mehr von dem einhaucht, von dem sein Name so vollmundig kündet – Seele.

Was bleibt mit dem Otto damit an Vorteilen? Der Soul CRDi ist und bleibt ohne Frage im Alltag der weit durchzugstärkere, elastischere, drehzahlgelassenere und damit überzeugendere Motor. Das hat aber auch seinen Preis: Mindest 19.475 Euro zahlt man für den 1.6 CRDi, der erst mit der Ausstattungsvariante Vision durchstartet. Das Basismodell 1.6 startet schon bei 15.900 Euro. Für die Differenz kann man nicht nur lange tanken, sondern sehr lange. Der Benziner bietet aufgrund seines besseren Preis-Leistungs-Verhältnis somit doch viel Auto fürs Geld, der verdieselte Soul allerdings trotzdem mehr Auto fürs Geld. Damit ist der Benziner im Vergleich zwar keine schlechte Wahl, der Diesel aber die bessere.

(le)
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2011-11-14

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