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Testbericht

Joaquim Oliveira, 4. August 2014
Infiniti spielt in Europa eine winzige Nebenrolle. Die Luxusmarke des Renault-Nissan-Konzerns will jedoch zu einer echten Alternative für Fans von Audi, BMW und Mercedes werden. Da könnte eine Sportvariante wie der Q50 Eau Rouge genau der Richtige sein.

Beim Namen Eau Rouge läuft echten Motorsportfans ein wohliger Schauer über den Rücken. Das "rote Wasser" bezeichnet die spektakulärste Links-rechts-links-Kurvenkombination auf der Rennstrecke im belgischen Spa. Geht für Profis mit fast 320 km/h - mit Vollgas. Genau die rechten verbalen Dreingaben für die Sportversion des Infiniti Q50. Die asiatische Oberklasse-Limousine wurde mit dem Supersportler Nissan Skyline GT-R gekreuzt. Auf der britischen Rennstrecke von Millbrook zeigte das Vorserienmodell des Infiniti Q50 Eau Rouge, ob er das Zeug dazu hat, Mercedes C 63 AMG, Audi RS4 und BMW M4 ernsthaft Angst zu machen.

Der Zeitpunkt für eine Serienproduktion scheint günstig. Konzernmutter Renault-Nissan ist nicht unzufrieden, denn zum ersten Mal konnte der Edelableger Infiniti in der ersten Jahreshälfte mehr als 100.000 Fahrzeuge verkaufen. Da scheint es zu verschmerzen, dass Konzernlenker Johann de Nysschen als Cadillac-Chef zu General Motors wechselt. Bis 2018 will sich Infiniti deutlich breiter aufstellen und in bis zu 80 Prozent der Premiumsegmente gegen die internationale Konkurrenz antreten. Neue Triebwerke von Mercedes sollen für einen weiteren Technologieschub sorgen.

Infiniti hat sich durch die Verwendung von Karbon bemüht, den Power-Q50 so leicht wie möglich zu machen. So lange der Kraftprotz noch im Prototypenstatus unterwegs ist, kein leichtes Unterfangen. An den Stoßfängern, den Außenspiegeln, am Dach und an den seitlichen Schürzen wurde so nennenswert Gewicht eingespart. Ziel: der sportlichste Q50 soll nicht mehr wiegen als der Hybrid, der aktuell 1.826 Kilogramm auf die Waage bringt. Leicht ist anders, doch Technik und Komfortdetails fordern ihren Tribut Im Vergleich zum normalen Infiniti Q50 wurden allein Türen und Säulen übernommen. Die vordere und hintere Spurweite und die gesamte Breite der Karosserie wurden um zwei Zentimeter erweitert, damit der Q50 seine Leistung besser auf die Straße bekommt. Zudem gibt es neue Luftleitungen im Bereich des vorderen Stoßfängers für die Kühlung der Bremsen und Lufteinlässe in der Haube. Für eine verbesserte Aerodynamik und einen imposanten Auftritt sollen Luftleitwerk an der Heckklappe und die Angst einflößenden Endrohre sorgen.

Am Unterbau des Q50 Eau Rouge gibt es Hochleistungs-Stoßdämpfer, knapp zwei Zentimeter weniger Bodenfreiheit, Bremsen aus dem Hause Brembo und spezielle 20-Zoll-Räder mit Hochgeschwindigkeitsreifen. Der Antrieb des Infiniti Q50 Eau Rouge könnte beeindruckender kaum sein, arbeitet unter der mit zwei Lüftungsschlitzen bearbeiteten Motorhaube der bekannte V6-Doppelturbo aus dem Nissan Skyline GT-R. Kombiniert ist das 3,8 Liter große Kraftpaket mit 560 PS und 600 Nm Drehmoment mit der Siebenstufenautomatik des Q70-SUV. Das heißt: 300 km/h Spitze und 0 auf Tempo 100 in rund vier Sekunden. "Der Motor des GT-R verfügt über einen Turbolader auf jeder Zylinderbank und benötigt zwei Ölkühler, einen Luftaustauscher und einen Hochleistungskühler, die zusammen viel Platz einnehmen. Zuerst wollten wir die Transaxle-Konfiguration nutzen", erklärt Jerry Hardcastle, Leiter der Innovations- und High-Performances-Projekte bei Infiniti, "doch diese Option wurde aufgegeben, da die Platzverhältnisse auf der Rückbank auf keinen Fall beeinträchtigt werden durften."

Kurz bevor der Startknopf gedrückt wird, ein letzter Hinweis von Jerry Hardcastle zum Prototypenstand des Eau Rouge: "Achtung, die Lenkung ist nicht die definitive Lenkung und die Assistenz lässt noch sehr zu wünschen übrig". Gleich auf den ersten Geraden zeigt der Eau Rouge was er drauf hat. Keine Überraschung für alle, die bereits den GT-R wie ihre Westentasche kennen, aber trotzdem begeisternd. Jedoch braucht der V6-Motor Gesangsunterricht um seine Tönung aggressiver, mächtiger und bedrohlicher zu machen. Der Prototyp ist vor allem eines: laut. Einen überzeugenden Eindruck macht derweil die Fahrwerksabstimmung, denn selbst bei provozierten Lastwechseln ist der Infiniti Q50 nicht aus der Ruhe zu bringen. Die Lenkung hat bei dem Prototypen in der Tat noch den stärksten Nachholbedarf. Sie ist in jedem Geschwindigkeitsbereich zu schwergängig und so kommunikationsfreudig wie der junge nordkoreanische Präsident. Interessant, wie es den Ingenieuren gelingen wird, das ebenso innovative wie polarisierende Direktlenkungssystem aus dem Serien-Q50 sportlich zu übertragen.

Bleibt zu hoffen, dass der Infiniti Q50 Eau Rouge grünes Licht bekommt und für den Nobel-Ableger des Renault-Nissan-Konzerns die Ära einer eigenen Hochleistungs-Familie einläutet. Bis dahin gibt es einiges zu tun. Insbesondere an Lenkung und Stabilität der Hinterachse bei hohen Geschwindigkeiten soll im Windkanal und auf Teststrecken weiter gearbeitet werden. Der ranghöchste Infiniti-Testfahrer muss es ja wissen: Sebastian Vettel. Der wünscht sich übrigens für den Eau Rouge einen flachen Unterboden für mehr Abtrieb.

Quelle: Autoplenum, 2014-08-04

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