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Testbericht

Stefan Grundhoff, 11. November 2009
Die deutschen Hersteller haben den Hybrid-Trend mächtig verschlafen. Jetzt sollen BMW 7er und Mercedes S-Klasse das Feld von hinten aufrollen.

Die Zeit der sanften Träume ist vorbei. Die Amerikaner können sich trotz umfangreicher Bestrebungen nicht für Dieselfahrzeuge begeistern – schon gar nicht in der Luxusklasse. Hybridfahrzeuge dagegen sind in den USA längst etabliert. Endlich haben Mercedes und BMW ihre beiden Aushängeschilder mit Hybridtechnik auch US-startklar gemacht. Anders als bei den SUV X6 und ML kauften sich BMW und Mercedes nicht in laufende Entwicklungen ein, sondern entwickelten die Hybridmodule zusammen mit Continental selbst. Während aber der BMW Active Hybrid 7 auf Dynamik und Sportlichkeit setzt, will der Mercedes S 400 Hybrid vor allem sparsam sein. „Weltweit ist der 7er die dynamischste Art, einen Hybriden zu fahren“, meint Projektleiter Werner Bauer, „wir bieten Achtzylinder-Fahrgefühl, Zwölfzylinder-Leistung und einen Sechszylinder-Verbrauch.“ Während die Mercedes S-Klasse als Hybridversion bereits seit Monaten auf dem Markt ist, kommt der 7er BMW mit Hybridmodul erst im April kommenden Jahres. Beide Hersteller haben mit den neuen Modellen vorrangig den US-Markt im Blick. Der Gegner heißt zunächst Lexus. Doch auch die Hybridversionen des Porsche Panamera und des neuen Audi A8 stehen bereits auf den Startblöcken.

Sowohl S-Klasse als auch 7er verfügen über einen Benzinmotor, der von einem Hybridmodul mit Lithium-Ionen-Akku, 120-Volt-Bordnetz und 15 kW / 20 PS Leistung unterstützt wird. Der BMW Active Hybrid 7 bedient mit seinem 4,4 Liter großen, doppelt aufgeladenen Achtzylinder in erster Linie die Sportschau-Fraktion. Der aus dem 750i bekannte Turbo leistet dank des in der neuen Achtgang-Automatik integrierten Elektromoduls insgesamt 342 KW / 465 PS und zwischen 2.000 und 4.500 U/min ein gigantisches Drehmoment von 700 Nm. 0 auf 100 km/h in unter fünf Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von abgeregelten 250 km/h lassen kaum Träumereien an ein Sparmobil aufkommen. Der hybride 7er ist eine Fahrmaschine, die selbst Sportversionen Angst macht und am Thron des übermächtigen Schwestermodells 760i sägt. Bei aller Dynamik soll sich der über zwei Tonnen schwere Wagen laut Werksangabe mit 9,4 Litern Super auf 100 Kilometern zufrieden geben.

Einen ganz anderen Charakter hat die S-Klasse. Der Schwaben-Hybrid wird von einem 3,5 Liter großen Benzintriebwerk mit 205 kW / 279 PS angetrieben. Keine Direkteinspritzung, kein Turbo, dafür Laufruhe pur. Unterstützt wird der Sechszylinder von einem Elektromodul, das platzsparend zwischen Motor und Siebengang-Automatik untergebracht wurde. Der kleine E-Motor leistet 15 kW / 20 PS und liefert ein maximales Zusatzdrehmoment von 160 Nm. So steigt die Gesamtleistung des Benz auf 299 PS und 385 Nm. Der scheibenförmige Elektromotor unterstützt den Benzinmotor beim Anfahren, bei langsamer Fahrt und als Booster beim Beschleunigen. Zudem ersetzt er Anlasser und Lichtmaschine. Das Plus an Fahrdynamik ist dabei im Vergleich zum 7er BMW weit weniger spektakulär. Dafür ist der Benz genügsamer. Trotz verbesserter Fahrleistungen im Vergleich zum bekannten S 350 sank der Durchschnittsverbrauch von 10,1 Litern auf 7,9 Liter Super auf 100 Kilometer. „Die Hybridkomponenten an Bord wiegen gerade einmal 75 Kilogramm“, so Herbert Kohler, bei Mercedes verantwortlich für die Konzernforschung, „damit sind wir deutlich leichter und kompakter als die aktuelle Hybridkonkurrenz. Der Akku wiegt gerade einmal 28 Kilogramm.“

Bei der Frage, warum BMW als Trägertriebwerk für den Hybridantrieb den durstigen Achtzylinder und nicht wie Hauptkonkurrent Mercedes einen kleineren Sechszylinder gewählt hat, muss BMW-Mann Werner Bauer nicht lange überlegen: „Wir erwarten, dass 45 Prozent aller Active Hybrid 7 in die USA gehen. Die USA sind ein reiner Achtzylindermarkt. Das wird sich erst einmal nicht ändern. Auf Platz zwei bei der Hybridnachfrage erwarten wir Deutschland mit rund 20 Prozent.“ Ob die Hybridkunden diese Leistungsstärke spüren wollen, wird sich zeigen. Schließlich hätte der erwartete Normverbrauch eines doppelt aufgeladenen Sechszylinders mit knapp 350 PS wohl unter acht Litern Super auf 100 Kilometern gelegen. Genau diesen Wert stellt Mercedes für seinen S 400 Hybrid in Aussicht. Der Sechszylinder ist auf Sparsamkeit getrimmt, die man sich allerdings mit fehlender Fahrdynamik erkaufen muss.

Die asiatischen Luxuslimousinen mit Hybridtechnik bieten zwar ebenfalls dynamische Fahrleistungen, einen günstigen Verbrauch und sonnen sich im Saubermann-Image; doch die Nickel-Metallhybrid-Akkus sind schwer und kosten viel Kofferraumvolumen. Hier gibt es bei der S-Klasse keine Einschränkungen. Anders sieht es beim BMW-Hybriden aus. Der an sich üppig dimensionierte Laderaum wird von einem mit Teppich verkleideten Quader in Bierkastengröße verkleinert. Das sieht trotz des imageträchtigen Aufdrucks „Active Hybrid Power Unit“ seltsam aus und verringert das Ladevolumen auf zerklüftete 460 Liter. In dem Quader ist der rund 27 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Akkupack mit einer Betriebsspannung von 120 Volt untergebracht. Immerhin bleibt die Skidurchreiche in den Innenraum erhalten. Beim Anfahren im Active Hybrid 7 und Mercedes S 400 Hybrid gibt es übrigens die gleiche Enttäuschung: Der Druck auf den Starterknopf oder ein Dreh am Zündschlüssel rufen kein elektrifizierendes Surren hervor. Die Herren aus München und Stuttgart säuseln mit ihren acht bzw. sechs Brennkammern leise vor sich hin. Anders als die Vollhybridversionen von Lexus können BMW und Mercedes nämlich nicht rein elektrisch fahren.

Beim Stoppen geht der 4,4 Liter große Achtzylinder im BMW dank perfekt abgestimmter Start-Stopp-Automatik ohne jede Gefühlsregung aus, um beim Ampelstart innerhalb von 150 Millisekunden wieder voll auf der Höhe zu sein. Beim Mercedes geht dies ebenfalls sehr dezent, doch gerade im Stopp-und-Go-Verkehr der Innenstadt etwas nervöser als bei dem Bayern. In der überfüllten Innenstadt oder im Stau sparen S 400 und 7er besonders. Auf 100 Kilometer hochgerechnet können das in der City bis zu 30 Prozent sein. „Doch auch bei der Autobahnfahrt wird der Verbrennungsmotor entlastet“, so Uwe Hörnig, Entwicklungsleiter der S-Klasse, „das spart durchschnittlich rund einen Liter.“ So ähnlich das Hybridkonzept ist, so unterschiedlich sind die Charaktere von BMW und Mercedes. Der Active Hybrid 7 ist ein Kraftprotz, der es mit jedem aufnehmen kann. Bereits im normalen Fahrbetrieb ist man kraftvoll unterwegs.

Doch wenn man richtig Gas gibt, geben V8-Doppelturbo und Elektromotor gemeinsam alles. Die kaum schwerere S-Klasse hat dagegen keinerlei Chance. Hier geht es selbst bei vollem Leistungsabruf deutlich zäher zu. Das liegt weniger an dem Elektromodul als vielmehr an dem trägen Sechszylinder, der seine Stärken allein im Cruisen hat. Hast und Eile sind nicht die Sache des Schwaben. Dafür ist er ein beeindruckender Entschleuniger, der einen ebenso wie der BMW mit vorzüglichen Manieren und kaum vernehmbarem Geräuschniveau verwöhnt.

Das Fazit lautet: Will man eine Luxuslimousine mit möglichst geringem Benzinverbrauch bewegen, ist der Mercedes S 400 Hybrid die bessere Wahl. Das Geräuschniveau ist beeindruckend, der Kofferraum ohne jede Einschränkung zu nutzen und die Fahrleistungen sind zumindest ordentlich. Der Einstiegspreis: 85.323 Euro. Der Aufpreis zum Standard-Benziner S 350 liegt bei über 8.000 Euro. Wer Spaß an einer dynamischen Luxuslimousine hat, kommt am BMW 7er dagegen nicht vorbei. Die Fahrleistungen sind grandios, der Fahrspaß riesig. Doch als Sparmobil taugt der erste 7er Hybrid nur nachrangig. Zudem ist ein Basispreis von 105.900 Euro für den kurzen Radstand üppig. Die Langversion kostet 112.900 Euro. Im Vergleich zum 750er lässt sich BMW den Hybridantrieb mit rund 5.000 Euro extra bezahlen. Doch bei aller Hybridbegeisterung: Für die europäischen Kunden sind die jeweiligen Dieselversionen von 7er und S-Klasse zurzeit die intelligentere Wahl.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2009-11-11

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