Testbericht

automobil-magazin.de, 30. April 2013
Auto zu groß, Motor zu klein? 998 Kubikzentimeter Hubraum und drei Zylinder im erwachsenen Ford Focus: ein Minimalmotor, der sich nicht so anfühlt

Mein Gott, was ist ein Liter? Eine Portion Milch oder zwei Bier. Der 1,0 Liter EcoBoost-Motor von Ford verfügt damit über wenig Hubraum, was nach dem schönen Satz: „Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum“, streng die Frage aufwirft, was nach dem Downsizing noch an Kraft und Durchzug im immerhin 1,3 Tonnen schweren Focus 1.0 rüberkommen kann?

Mehr als erwartet. Die 125 PS des 1.0 EcoBoost sind kein Papiertiger. Schon knapp unterhalb von 1.500 Touren beginnt der Turbolader zu drücken. Darauf dreht sich dann der Dreizylinder in Fahrt. Das nutzbare Drehzahlband fällt durch diese Arbeitsteilung ordentlich breit aus. Breiter als der angespannte Expander eines Spar-Diesels. Denn der macht schon um 4.500 Umdrehungen dicht. Dagegen dreht der Ford-Dreizylinder locker hoch bis 6.500 U/min. Dabei verkneift sich der Kölner, dessen 125 fitte Pferde mit der 6.000 auf dem Drehzahlmesser anstehen, nicht nur das Gebrumme eines ans Limit herandrehenden Selbstzünders, sondern auch die akustische Rustikalität eines Dreizylindersaugers.

Das große Drehen muss in der Praxis nicht sein. Danke, Lader. Der EcoBoost surft schon mit wenig Drehzahl eine schöne Welle (170 Nm ab 1.500 U/min). Autobahn kommt hintergründig und Durchzug ist keine Problemzone. Klasse, wie der Minimalmotor, der sich nicht so anfühlt, Drehmoment- und Anfahrschwächen umschifft. Eindrucksvoll, wie Ingenieursgeschick Downsizing auf den Alltag einschwört – der EcoBoost-Dreizylinder avanciert damit nicht nur zu einem der besten Downsizing-Motoren, sondern zum klaren Favoriten unter den Focus-Motoren. Auch wegen des braven Normverbrauchs von 5 Litern Super/100 km.
Fahrwerk: Alles gut im Fokus im Focus. Daran ändert sich mit dem kleinen Motor nicht viel. Die Lenkung tuts im Stadtverkehr leichtgängig und auf der Landstraße präzise-einfühlsam.

Allein auf der Autobahn bei höherem Tempo wirkt die Servolenkung des vorne etwas leichteren Dreizylinders um die Mittellage ein wenig kippelig. In Komfort und Handling stellt sich der wendige Focus kein Bein, obwohl die Winterreifen etwas holpriger abrollen. Viel Motorbremswirkung gelingt dem Zylinderpimpf nicht, aber Start-Stopp funktioniert ohne Wenn und Aber. Dass sich der Rückwärtsgang des mit Sechsgang-Schaltgetriebe ausgerüsteten Testwagens (optimale Schaltposition, etwas lange Schaltwege) mal eben kurz für zwei Tage verabschiedet, liegt daran, dass sich am Schaltgestänge etwas ausgehängt hat – „Habe ich noch nicht gehabt …“, wundert sich der Ford-Mechaniker. Und man glaubts ihm, angesichts des ansonsten gelungenen Auftritts.

Drei Ausstattungslinien stehen zur Wahl: „Ambiente“, „Trend“ und „Titanium“. Ein Focus 1.0 steht im Basiskostüm für 20.400 Euro in der Preisliste. Den Test-1.0 EcoBoost Titanium hievte man mit sechs Optionspaketen und weiteren Extras (Beispiele: Sitzheizung 255, Sony Navi 640, Edelstahlpedale 60 Euro) auf über 29.000 Euro. Kann man machen. Muss man aber nicht, denn schon von der Stange ist der getestete Focus 1.0 mit Klimaautomatik, Tempomat, Berganfahrassistent, automatisch abblendendem Innenspiegel, Nebelscheinwerfern und Reifendruckkontrolle gut ausgestattet.

Platz inklusive – Was man dem Focus schon von außen ansieht, spürt man auch im Innenraum: 4.36 Meter Länge, eine Breite von 2.01 Metern über Spiegel und 2,65 Meter Radstand. Dies kommt dem Kofferraum zugute (Volumen: 363 bis 1.148 Liter) und den Sitzplätzen auf der Rückbank: 134 Zentimeter Schulterfreiheit, 96 Zentimeter Kopffreiheit und mindestens 85 Zentimeter Beinfreiheit. Weder das Anbringen des Kindersitzes (Recaro Young Professional) noch das Verstauen des Kinderwagens (Recaro Babyzen) im tiefen Gepäckabteil machen Probleme. Ablageoptionen existieren auch in erster Reihe genügend: im tiefen Fach in der Mitte, in breiten Türfächern und im tiefen, aber schmalen Handschuhfach. Zur Bedienung der halbautomatischen Einparkhilfe, bei der zum Einparken nur Gas und Kupplung bedient werden müssen, braucht´s kein Handbuch. Für das Auffinden der Schalter aber Training – wie übrigens auch im direkten Konkurrenten, dem Astra aus Rüsselsheim.

Sicherheit ist teils Serie, teils Extra – der Focus fährt seit der Neuauflage den neusten Stand der Sicherheits- und Assistenztechnik auf. Mit dem „Low Speed Safety System“ ist ein automatisches Notbremssystem für Tempi bis 30 km/h mit an Bord. Die anderen Helfer heißen Fahrspur-Assistent, Toter-Winkel-Assistent, Fernlicht-Assistent, Verkehrsschild-Erkennung … Zuvor der Oberklasse vorbehaltene Sicherheitsfeatures finden sich nun auch hier. Dies und seine Alltagstalente machten den Ford Focus schon in der Vor-Dreizylinder-Zeit zum guten Kauf.

Der Dreizylinder macht´s noch besser. Résumé: Auto nicht zu groß, Motor nicht zu klein. Der Verbrauch fällt mit 7,7 Litern Super in der Praxis zwar lange nicht so niedrig aus wie auf dem Papier (Mehrverbrauch: 2,7 Liter/100 km), aber angesichts der Fahrleistungen – ein Focus 1.0 rennt 193 km/h – und der Elastizität des Wundermotörchen bleibt auch hier alles voll im grünen Bereich.

(Lothar Erfert)

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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2013-04-30

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