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Testbericht

27. Januar 2009

Die muffige Tiefgarage spuckt uns in die leuchtwarme Glocke des Sommerabschluss- Smogs. Stop and go - und wir sind die Stars. Na ja, eigentlich nur er. Knallweiß, fette Aluräder, Diffusor-Popo. Alle gucken. Gelegenheits-Döser ebenso wie Ampelpausen- Drummer, das verhuschte Pärchen im gelben Ford Ka Futura oder der Poser im VW Golf GTI . Wir ergreifen die Flucht, gönnen dem Motor einen tiefen Lungenzug Cityluft - und uns den satten Druck ins rote Lederpolster. Kühl-samtiges Lenkradleder kitzelt die Handflächen, während die Zeiger vor uns zum Parallelschwung ansetzen. Ab auf die Autobahn. Volllast, Anschlag, letzter Gang, Tacho 220. Wie, da hat der Ferrari 599 GTB Fiorano doch mindestens noch eine Stufe in petto? Der schon, nicht aber der Fiat 500 Abarth , der mit uns gerade das Weite sucht. Der kleine Schlingel, das frisch remixte Vermächtnis des Herrn Karl aus Wien.

Heute spielen wir nämlich Carlo vs. Enzo - Regie Luca di Montezemolo, Fiat-Cheffe. Und schauen mal, ob Familienähnlichkeit durchscheint. In einer strengen Sippe, die nicht mal auf dem Besucherparkplatz in Maranello Fremdmarken duldet. Dafür aber - abgesehen von einigen Ausnahmen (Croma und so) einen seismischen Sinn für Form und Farbe beweist, profanes Plastik mit sicherem Strich zu Kunst-Stoff adelt. Und selbst im Stand den Vorhang für die große Oper zieht. Tiefes Durchatmen mit V12 Etwa nach einem hochoktanigen Trip über die Landstraße, wenn es wie ein vielstimmiges Konzert mechanischer Grillen aus den Tiefen des 599-Unterbodens knistert. Sich die Mechanik entspannt, die Adleraugen ins Leere starren. Eben noch hat der V12 tief Luft geholt, sie in den beiden Airboxen und Luftsammlern konditioniert, um sie schließlich zu verheizen. Versetzt mit Superbenzin gibt sie den zwölf Kolben Flamme, schickt sie auf ihre Siebeneinhalb-Zentimeter-Reise. Ergebnis: 620 PS. Doch das Highspeed-Boudoir sticht nicht nur die Flimmerhärchen, sondern auch die Netzhaut. Mit signalrotem Leder und großzügiger Karbonausstattung. Dazu erhaben glänzende Schriftzüge, Pferde-Embleme sowie zwei Doppelmündungs-Pärchen am Heck, denen bei geöffneten Auspuffklappen tiefgründelnde Balzschreie entfleuchen. Mann wächst über sich hinaus. Einsteigen und Schlüsseldrehen genügt. Schon sind sie da, die Machismo-Schubladen. Der 599 reißt sie alle auf.

60er Jahre Charme beim Abarth Anders der Fiat 500 Abarth. Fehlende Stimme kontert der 135-PS-Knirps mit rotzfrechem Auftreten, breiter Spur und einer vorgeschobenen Unterlippe mit Griesgram-Schnauze, die bei Bedarf Ungläubige überrascht. Generös verteilte Abarth-Tattoos reanimieren den subversiven Charme der Sechziger mit Bastel-Attitüde statt Marketing-Armada und Ingenieur-Akribie. Herz und Hand statt CAD-Simulation in einer Zeit, als man bei CAN-Bus noch an öffentlichen Nahverkehr dachte und der zum Italiener konvertierte Carlo aus Wien bis zu 260.000 seiner verchromten Nachrüst-Endrohre vertickte. Bei dieser Historie bleibt dem 3,66 Meter langen, 1,1 Tonnen schweren 500er nichts anderes übrig, als reminiszent sein Bestes zu geben, Kreise um Kurven zu fahren; mit allem, was 1,4 Liter hergeben, zu ziehen. Dennoch, seine bourgeoise Herkunft kann er nicht ganz verbergen, der Schöne. Schließlich basiert er auf der Budget-Kiste Panda, was seine Fahrwerks-Talente limitiert.

14 Fiat oder doch lieber einen Ferrari? Im Gegensatz zum unlimitierten Ferrari -Chassis mit Aluminium-Lenkern und semiaktiven Dämpfern. In denen changiert die Viskosität des mit Magnetpartikeln versetzten Öls in Zehntelsekunden von flüssig zu zäh, was den fast zwei Meter breiten Fiorano auf den meisten Pisten an den Boden klebt, während sein Zwölfzylinder versucht, Reifen und Asphalt zu verbrennen. Aber auch hier greift der Underdog-Charme des Fiat, der das Beste aus seiner Unterlegenheit macht, den Rest einfach in der Unschärfe der Begeisterung untergehen lässt. Zumal für einen Fiorano (249.000 Euro) fast 14 Abarth (18.100 Euro) in der Garage stehen. Aber wer braucht schon 14 Fiat in der Garage?

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-01-27

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