Testbericht

16. März 2016
Porto (Portugal), 16. März 2016 - Man sollte eigentlich nicht mit einem Artikel anfangen, noch bevor man das Auto, um das es gehen soll, gefahren ist. Normalerweise ist das auch nicht meine Art, aber beim neuen Opel Astra Sport Tourer bin ich mir fast sicher, was ich zu erwarten habe. Ich habe zwar keine hellseherischen Fähigkeiten, doch vor gut einem halben Jahr hatte ich das Vergnügen, den neuen Fünftürer zu fahren. Damals war ich begeistert und schrieb: "Mit dem Astra der elften Generation ist Opel ein großer Wurf gelungen. Der aktuell Zweitplatzierte im deutschen Kompaktwagensegment wird kürzer, flacher und verliert deutlich an Gewicht. Das Ergebnis fährt sich souverän wie ein Mittelklässler und bleibt gleichzeitig agil wie ein Kleinwagen." Mit dieser Meinung bin ich nicht alleine, denn mittlerweile wurde der Astra zum "Car of the Year 2016" gewählt. Ob der Astra auch als Sports Tourer überzeugt? Schauen wir mal, ob sich Erwartung und Realität decken. Design und Streiten? Nein, danke Zugegeben, als ich den Astra-Kombi das erste Mal auf Fotos gesehen habe, war ich in einer gewissen Art und Weise zwiegespalten. Die Front gefällt - wie auch beim Fünftürer -, aber das Heck? Ja, der Hintern des Kombis ist wohl mit Abstand der gewöhnungsbedürftigste Teil des Autos. Dachte ich. Denn wenn der Wagen dann vor einem steht, ist die nach unten über die C-Säule auslaufende Chromleiste der oberen Fensterlinie gar nicht so störend, wie zuerst befürchtet. Deutlich mehr Platz im Innenraum Im Gegensatz zum Fünftürer (der bei seinem Generationswechsel 50 Millimeter in der Länge einbüßte) wuchs der Kombi vier Millimeter auf jetzt insgesamt 4.702 Millimeter. Zusammen mit dem neuen Innenraumkonzept und dem Radstand von 2.662 Millimeter bekämpfte Opel eine Astra-Krankheit der J-Baureihe: Platzmangel. In Zahlen: Der Kombi hat 26 Millimeter mehr Kopffreiheit vorne, 38 Millimeter mehr Kopffreiheit hinten und die Beine der Fondpassagiere haben 28 Millimeter mehr Spielraum. Merkt man diese theoretischen Zahlen auch praktisch? Ja, die Fahrgastzelle fühlt sich jetzt einfach viel luftiger an.
Gutes Konzept und noch bessere Sitze Ansonsten gibt es im Innenraum keine großen Überraschungen. Zumindest dann nicht, wenn Sie schon einmal im Fünftürer gesessen haben. Die Knöpfchenflut ist abgeebbt und macht Platz für ein klares Konzept. Vielfahrer können sich über die verbesserten AGR-Sitze (AGR ist die "Aktion gesunder Rücken") freuen. Wie Sitze mit einer 18-fachen-Verstellung, einer Heizung, einer Belüftung und einer Massagefunktion (die gibt`s allerdings nur für den Fahrer) klingen? Gemütlich, ja klar, und das sind sie auch. Diese Features hatten bislang so gar nichts in der Kompaktklasse verloren. Sie wollen noch ein Beispiel? Okay, Sie können eine Sitzheizung für die zwei äußeren Plätze im Fond ordern. Punkt. Demokratie, Licht und Technik Opel spricht von der "Demokratisierung des guten Sitzens". Und weil Demokratie nicht nur gut für den Rücken und die Pobacken ist, bietet man für die Augen ein Matrix-LED-Licht an: Für 1.250 Euro Aufpreis blendet ein System aus der neuesten Generation der Frontkamera und LED-Einheiten gezielt den Gegenverkehr aus. 37 Prozent der Astra-Käufer werden sich dieses Feature gönnen. Ich finde, es sollten mehr sein. Und alle, die auf technische Spielereien wie eine Smartphone-Anbindung, die neuesten Assistenzsysteme und Online-Anbindungen nicht mehr verzichten können, werden auch im Sports Tourer nicht enttäuscht. Hoher und variabler Nutzwert für alle Und so banale Dinge wie ein großer Kofferraum? Den gibts auch. 540 Liter passen rein, und wenn die 40-20-40-Rückbank umgelegt wurde, verschwinden bis zu 1.630 Liter Gepäck (80 Liter mehr als beim Vorgänger) hinter der optional automatisch per Fußkick zu öffnenden Heckklappe. Um die Einkäufe, den Kinderwagen oder die Sportausrüstung fürs Wochenende auch sicher, geordnet und sauber im Ladeabteil verstauen zu können, bietet Opel außerdem ein System aus Schienen, Netzen, Haken, Trenngittern und einem Wendeboden an.
So fährt er sich Wie fährt sich denn nun der Astra mit mehr Kofferraum? Er fährt sich, wie man das von der Kombiversion eines ziemlich guten fünftürigen Kompaktwagens erwartet: genauso gut. Warum? Der Sports Tourer profitiert von all den technischen Veränderungen, die auch den kurzen Astra so verdammt agil gemacht haben. Der Wagen steht auf der gleichen Plattform mit hochfesten Leichtbaustählen, er ist dadurch bis zu 190 Kilogramm leichter und trotzdem verwindungssteifer geworden. Zusammen mit dem ebenfall neuen Fahrwerk und dem 160 PS starken 1,6-Liter-Biturbo-Diesel, der sein maximales Drehmoment von 350 Newtonmeter bereits ab 1.500 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung stellt, ist eine runde und spritzige Sache aus dem Sports Tourer geworden. Eine, die sich deutlich spaßiger als ein Golf Variant mit Zweiliter-Vierzylinder-Diesel und 150 PS bewegen lässt. In 8,9 Sekunden geht es auf Tempo 100 und die Höchstgeschwindigkeit ist erst bei 220 km/h erreicht. Ja, ich spreche hier aber auch von der Leichtigkeit eines Kleinwagens, einem direkten und genauen Einlenkverhalten, einem tollen Abroll- und Federkomfort sowie von einem sparsamen (wir brauchten laut Bordcomputer 4,9 Liter auf 100 Kilometer), kraftvollen und laufruhigen Dieselaggregat. Wermutstropfen und die Motorenpalette Einzige Wermutstropfen sind das etwas träge ansprechende Gaspedal und das fehlende Automatikgetriebe. Verstehen Sie mich nicht falsch, die Sechsgang-Schaltung ist ein tolles Getriebe-Produkt, keine Frage, doch wer wie ich seine Dieselpower lieber über eine Sechsgang-Automatik an die Vorderräder schicken möchte, muss auf den schwächeren 136-PS-Selbstzünder zurückgreifen. Der neue Top-Diesel ist nur mit manueller Schaltung erhältlich. Weitere Optionen sind ebenfalls 1,6 Liter große Diesel mit 95 und 110 PS sowie Drei- und Vierzylinder-Benziner mit 100 bis 200 Pferden. Markteinführung und Preis Sprechen wir noch über den Preis. Ich möchte gleich zwei Zahlen in den Raum werfen: 24.590 und 28.400. Die erste ist nicht mehr aktuell, denn so viel kostete der Astra-Sports-Tourer-Vorgänger mit gleichwertiger 2,0-Liter-Diesel-Motorisierung, 165 PS und all den Kritikpunkten der letzten Generation mindestens. Die zweite Zahl ist der Euro-Preis eines aktuellen Golf Variant mit 150-PS-Diesel und Schaltgetriebe. Was der neue Astra mit neuem Top-Selbstzünder kostet? Der Einstiegspreis liegt bei 28.310 Euro. Klingt also nach einer guten - aber leider Automatik-freien - Alternative zu Wolfsburg. Gewöhnen wir uns trotzdem besser schnell an den Anblick der C-Säule. Bis zur Markteinführung am 9. April 2016 haben Sie Zeit.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Biturbo-Diesel-Reihenmotor
Hubraum:1.598
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:118 kW (160 PS) bei UPM
Drehmoment:350 Nm bei 1.500 - 2.250 UPM
Preis
Neupreis: 28.310 € (Stand: März 2016)
Fazit
Schon am Ende des Jahres 2015 hat Opel mit dem neuen Astra die Karten im Kompaktwagen-Quartett neu gemischt. Es ist also keine große Überraschung, das der Sports Tourer im Segment der kompakten Kombis einen genauso guten Eindruck hinterlässt. Der Innenraum ist geräumiger, komfortabler, wertiger und besser strukturiert und der Kofferraum ist größer und variabler geworden. Außerdem ist das Fahrzeug leichter und steifer geworden und in Verbindung mit dem neuen, sparsamen und kraftvollen 160-PS-Top-Diesel hat der Astra Sports Tourer einen gewaltigen Agilitätssprung gemacht. Auch Kompaktfahrzeug-Innovationen kommen nicht zu kurz: Ausstattungsdetails wie Matrix-LED-Scheinwerfer, eine Sitzheizung für die Fondpassagiere oder eine Massagefunktion für den Fahrer sprechen eine deutlich höhere Klassensprache. Alltag, Urlaub, Freizeit, Beruf oder Familie. Der Astra Sports Tourer kanns und zwar zu einem annehmbaren Preis. Ein echter Wagen fürs Volk.+ gute Raumausnutzung, aufgeräumtes Cockpit, solide Verarbeitung, schicke Optik, umfangreiches Technikpaket, fantastische Sitze, agiles und leichtfüßiges Fahrverhalten, guter Preis- Top-Diesel ohne Automatikgetriebe
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2016-03-16

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