Testbericht

13. Oktober 2011
München, 13. Oktober 2011 - Ziehen, klappen, drücken, schieben - und das alles ohne großen Kraftaufwand: Die Zeiten, in denen man klitschnass geschwitzt war, wenn man das Sitzkonzept eines Vans ausprobierte, scheinen vorbei. Zumindest für den Opel Zafira Tourer gilt das. Dessen Highlight sind die mannigfaltig verstell- und versenkbaren Sessel im Fond. Das war bereits 1999 so, als die erste Zafira-Generation auf den Markt kam. Zwölf Jahre und 2,2 Millionen verkaufte Exemplare später erhält der Zafira nicht nur den Namenszusatz "Tourer", sondern auch eine weiterentwickelte Sitzanlage. Sieben Sitze nicht mehr Serie Bereits in der Basisversion, die ab Werk nur noch als Fünfsitzer erhältlich ist, gibt es statt einer Rückbank drei Einzelsitze. Sie lassen sich unabhängig voneinander um bis zu 28 Zentimeter in Längsrichtung verschieben sowie flach umlegen. Zudem sind die Rückenlehnen in unterschiedlichen Neigungswinkeln einstellbar. In den beiden höchsten Ausstattungslinien beziehungsweise für 700 Euro extra ist eine dritte Sitzreihe mit zwei ebenfalls komplett im Fahrzeugboden versenkbaren Einzelsitzen dabei. Wie bei den meisten Mitbewerbern eignen sich diese Plätze jedoch nur für kurze Strecken oder für Kinder. Platz wie in der Oberklasse? Wer es sich in der zweiten Reihe besonders gemütlich machen will, der ordert das "Lounge-System". Hier kann - ähnlich wie beim kleinen Bruder Meriva - der Mittelplatz zu einer Armlehne umfunktioniert werden. Anschließend lassen sich die beiden äußeren Sessel um sieben Zentimeter nach hinten und zusätzlich fünf Zentimeter nach innen schieben. Ergebnis sind Platzverhältnisse, die einer Oberklasse-Limousine zumindest recht nahe kommen. Die unterschiedlichen Sitzkonfigurationen ermöglichen ein Gepäckraumvolumen, das zwischen 152 (alle sieben Sitze ausgeklappt), 710 (Fünfsitzer) und maximal 1.860 Liter bei jeweils ebener Ladefläche variiert. Darüber hinaus finden sich zahlreiche Verstaumöglichkeiten - in Form von 27 überall im Fahrzeug verteilten Fächern.
Zwischen Touran und Sharan Das insgesamt großzügig bemessene Platzangebot im Zafira Tourer resultiert aus einer gegenüber dem Vorgänger 19 Zentimeter längeren und elf Zentimeter breiteren Karosserie. Mit 4,66 Meter rangiert der gar nicht so kompakte Kompaktvan nun zwischen den beiden VW-Konkurrenten Touran (4,40 Meter) und Sharan (4,85 Meter). Das Cockpit entspricht dem aktuellen Opel-Stil und beinhaltet eine wie schon beim Astra oder Insignia mit Schaltern überfrachtete Mittelkonsole. Für Fahrer und Beifahrer sind als Extra bequeme Ergonomiesitze mit dem Gütesiegel AGR (Aktion Gesunder Rücken e.V.) erhältlich. Bumerang-Scheinwerfer Gute Rundum-Sicht vorne erlaubt die zweigeteilte A-Säule, für einen lichtdurchfluteten Innenraum sorgt auf Wunsch die weit nach hinten gezogene Panorama-Windschutzscheibe samt Panorama-Dach. Das Gesicht des Zafira Tourer prägen bumerang-förmige Scheinwerfer, wie sie auch der Ampera bekommt, sowie eine Bügelfalte in der Motorhaube. Optischen Aspekten fielen hinten praktische Schiebetüren zum Opfer. Die elegant abfallende Dachlinie hatte hier Vorrang. Gegenläufig öffnende Türen wie beim Meriva ließen sich technisch nicht umsetzen, da in diesem Fall auf die B-Säule nicht verzichtet werden konnte. Zunächst von 115 bis 165 PS Als Motoren stehen für den neuen Zafira zunächst Benziner mit 115, 120 und 140 PS sowie drei Varianten des Zweiliter-Diesels mit 110, 130 und 165 PS zur Verfügung. Leistungsstärkere Aggregate sind in Vorbereitung, im Laufe des Jahres 2012 folgen zudem eine Erdgas- und eine Autogas-Variante. Immer guten Durchzug und hohe Elastizität bietet der Top-Diesel mit 165 PS und maximal 380 Newtonmeter. Die sechs Gänge des Schaltgetriebes lassen sich präzise einlegen, allerdings fallen die Schaltwege recht lang aus. Unter anderem mithilfe eines Start-Stopp-Systems soll so ein Durchschnittsverbrauch von 5,2 Liter möglich sein. In der Version mit 130-Diesel-PS soll der 2.0 CDTI ecoFlex mit nur 4,5 Liter auskommen.
Komfortabler "Tour"-Modus Unser Testwagen verfügte über das 980 Euro teure adaptive Fahrwerk "FlexRide". Hier werden die Dämpfer elektronisch geregelt und automatisch an die jeweilige Fahrbahn und den aktuellen Fahrstil angepasst. Zusätzlich kann man zwischen den drei Fahrmodi Standard, Sport und Tour wählen. Vor allem in letztgenanntem rollt der Van komfortabel über den Asphalt. Sicherheits- und Komfort-Assistenten Erstmals wird für den Zafira eine Reihe von Assistenzsystemen angeboten. Dazu gehören ein Spurhalteassistent, ein Tot-Winkel-Warner, eine Verkehrszeichenerkennung, ein radargestützter Abstandstempomat sowie ein Abstands- und Kollisionswarner. Ein Parkassistent hilft bei der Suche nach der geeigneten Lücke und gibt dem Fahrer gezielte Lenkanweisungen. Eine automatische Übernahme der Lenkung wie etwa bei VW findet jedoch nicht statt. Ein Alleinstellungsmerkmal bietet Opel mit dem in den hinteren Stoßfänger integrierten Fahrradträger "FlexFix". Hier können nun statt zwei bis zu vier Räder transportiert werden. Zudem lässt sich der Träger neuerdings weggeklappen, damit der Zugang zum Gepäckraum gewährleistet bleibt. Den Vorgänger gibt's weiterhin Marktstart für den Zafira Tourer ist am 14. Januar 2012. In der günstigsten Version als 1,8-Liter-Benziner mit 115 PS kostet der Kompaktvan 22.950 Euro, rund 2.000 Euro mehr als der Vorgänger. Der wird übrigens weiterhin angeboten, um keine Lücke zwischen dem deutlich gewachsenen Zafira Tourer und dem Meriva entstehen zu lassen. Mit aufgewerteter Ausstattung, 115 Benziner-PS und serienmäßig sieben Sitzen startet das jetzt in Zafira Family umbenannte Modell wie der Tourer bei 22.950 Euro.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Dieselmotor mit Common-Rail-Direkteinspritzung und Turbolader
Hubraum:1.956
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:121 kW (165 PS) bei UPM
Drehmoment:350 Nm bei 1.750 bis 2.500 UPM
Preis
Neupreis: 29.705 € (Stand: Oktober 2011)
Fazit
Der Zafira Tourer grenzt sich nicht nur durch die erweiterte Modellbezeichnung deutlich von seinem Vorgänger ab. Dank des erheblichen Zuwachses hinsichtlich der Außenabmessungen und des Platzangebots fungiert der Zafira nicht mehr als klassischer Kompaktvan, sondern streckt seine Fühler in Richtung der deutlich teureren VW Sharan und Ford S-Max aus. Gut gefällt uns beim Zafira Tourer das durchdachte Sitzkonzept. Schade hingegen ist, dass sieben Sitze nicht mehr Serie sind. Allerhöchste Zeit wurde es, dass Opel nun vielfältige Assistenzsysteme ins Programm nimmt.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2011-10-13

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