Testbericht

Sebastian Viehmann, 23. Januar 2008
Bei Skoda ist man kein Freund leerer Versprechungen: Der allradbetriebene Octavia Scout bietet das gleiche Fahrzeugkonzept wie auch der Audi Allroad. Oder der Volvo XC70. Nur eben um einiges preiswerter.

Autohersteller sind hinter neuen Trends her wie der Teufel hinter der armen Seele. Die neueste Marotte ist das "Pseudo-SUV": Autos, die ein bisschen aussehen wie Offroader, aber im Gelände nichts verloren haben. Jeder, der in seiner Modellpalette einen großen Kombi oder Minivan findet, klatscht fix ein paar Schutzbeplankungen an die Seiten, schraubt das Fahrwerk ein wenig höher, bastelt einen Unterfahrschutz darunter und schließt die Marketing-Abteilung eine Woche in den Keller ein, damit die sich einen möglichst rustikalen Namen für das neue Auto ausdenkt. Fertig ist der mobile Abenteuerspielplatz, gedacht als Alternative für alle, die zwar die SUV-Optik mögen, denen aber ein Geländewagen zu groß, zu teuer oder zu unwirtschaftlich ist.

So gibt es bei VW nach dem CrossPolo den CrossTouran und bald den CrossGolf. Ford schickt den Fusion Calero ins Rennen. Sogar die Franzosen wollen nicht länger zuschauen und haben den Renault Scénic Conquest angekündigt. Auch Skoda nimmt schon teil an diesem munteren Treiben – mit dem Roomster Scout (= Pfadfinder). Und nun setzen die Tschechen noch eins drauf: Auch der erfolgreiche Kombi Octavia kommt in einer Scout-Version. Allerdings gleicht das Konzept dieser Familienkutsche im Pfadfinder-Look eher dem Audi Allroad oder dem Volvo XC70. Denn im Gegensatz zu den vielen Pseudo-SUVs sind Audi, Volvo und eben auch der Skoda mit ihrem permanenten Allradantrieb wenigstens teilweise geländetauglich.

Basis des Skoda-Sondermodells ist der Octavia 4x4. Der verfügt mit dem optionalen Schlechtwege-Paket (180 Euro) schon über eine erhöhte Bodenfreiheit. Der Scout kommt mit 180 Millimetern Platz bis zur Erde noch etwas hochbeiniger daher. Im Vergleich zum zivilen Octavia hat er wegen der Schutzbeplankung auch ein wenig Speck angefuttert – er ist neun Millimeter länger, 15 Millimeter breiter, 13 Millimeter höher und wiegt etwas mehr als 1,5 Tonnen (TDI). Ein Unterfahrschutz sowie Schutzabdeckungen für Motor und Getriebe sollen den Unterboden des Scout vor Schäden bewahren. Das ist keine schlechte Idee - denn wegen des langen Radstandes ist der Rampenwinkel des Tschechen nicht allzu üppig.

Ansonsten macht der Scout in leichtem Gelände eine gute Figur. Auf normalen Straßen ist der Wagen ein reiner Fronttriebler, erst wenn Schlupf an der Vorderachse entsteht, schickt die elektrohydraulische Haldex-Kupplung mit kaum spürbarer Verzögerung Antriebskraft an die Hinterachse. Eine Geländeuntersetzung bietet Skoda nicht an - die gibt es allerdings nicht mal bei den meisten großen SUV. Auch mit einer Längssperre kann der Scout nicht aufwarten, wie man sie immerhin beim kleinen Daihatsu Terios oder Nissans neuem Crossover Qashqai findet.

Die straffe Federung des Scout sorgt dafür, dass der Ausflug in die Wildnis eine ziemlich holprige Angelegenheit wird. Unterm Strich erscheint die Fahrwerksabstimmung als sinnvoller Kompromiss. Denn auf befestigten Straßen (und da bewegen sich ja selbst Geländewagen-Fahrer die meiste Zeit des Tages) bereitet der Scout mit seiner stabilen Kurvenlage auch bei höherem Tempo keine Probleme. Als Motorisierung stehen nur zwei Aggregate zur Auswahl: Der 2,0-Liter FSI mit 150 PS und der 2,0-Liter TDI mit 140 PS. Beide Motoren werden mit einer gut abgestimmten und leichtgängigen Sechsgangschaltung kombiniert.

Für Vielfahrer ist der 2,0 TDI die bessere Wahl. Der Selbstzünder läuft zwar zu Anfang etwas rauh und unwillig, sorgt aber für einen ordentlichen Durchzug und für in dieser Klasse locker ausreichende Fahrleistungen (Beschleunigung von 0 auf 100 in 10,2 Sekunden, maximal 197 Km/h). Dazu kommt ein niedriger Verbrauch: 6,4 Liter im Durchschnitt lautet die Werksangabe. Und selbst auf einer kurvenreichen Gebirgsstrecke ist es uns gelungen, den Durchschnittsverbrauch knapp unter sieben Litern zu halten.

Der Innenraum des Scout unterscheidet sich kaum vom Octavia-Interieur, bietet also viel Platz auf allen Sitzen und eine saubere Verarbeitung. Dazu gibt es ein griffiges Vierspeichenlenkrad mit Lederbezug. Den billigen Plastikhandgriff über dem Handschuhfach mit "Scout"-Schriftzug hätten sich die Tschechen allerdings sparen können. Wenn man sich schließlich im Gelände irgendwo festhält, dann an einem Griff an der A-Säule. Den hat der Scout aber nicht. Dafür reichlich Stauraum: Wie im normalen Octavia Kombi stehen 580 Liter und bei umgelegter Rückbank satte 1620 Liter zur Verfügung.

Auch beim Preis bricht Skoda sein Pfadfinder-Ehrenwort nicht. Der Scout kostet 26.590 Euro (mit TDI: 28.290 Euro). Damit liegt Skoda leicht unter dem Niveau kompakter Diesel-SUV wie dem Chevrolet Captiva oder Hyundai Santa Fé. Für einen Volvo XC70 (ab 40.420 Euro) oder Audi A6 Allroad (ab 49.050 Euro) muss man schon deutlich mehr auf den Tisch legen. Die Ausstattung des Skoda Scout entspricht in etwa der eines Octavia 4x4 mit Elegance-Paket (27.890 Euro). An Bord sind unter anderem die Dachreling, 17-Zoll-Felgen, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Projektor-Scheinwerfer, CD-Radio. Zur Sicherheitsausstattung gehören sechs Airbags sowie ESP inklusive eines elektronischem Sperrdifferenzials. Ab März soll der Scout bei den Händlern stehen.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2008-01-23

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