Testbericht

15. Oktober 2015

Zugegeben – für den Sechser von BMW muss man schon ein besonderes Faible haben. Das als Coupé, Gran Coupé und als Cabriolet lieferbare BMW Modell passt eben nicht vor die Reihenhausgarage oder Mietwohnung. Und wenn es da steht, dann ist es mit Sicherheit schon reichlich in die Jahre gekommen oder gehört dem Vermieter. Kurz: Der Sechser verlangt nach einem stilvollen Ambiente und einem großen Geldbeutel. Das war bei seinen Urahnen so und das wird vermutlich auch in Zukunft so sein. Sehr zur Freude von BMW, wo das Modell in all seinen Ausprägungen inzwischen zu einer echten Größe aufgestiegen ist. Rund 24.000 Exemplare des in seiner neuesten Ausgabe mindestens 88.150 Euro teuren Modells konnten die Münchner in 2014 absetzen.

Frisches Design
Dafür, dass es künftig noch ein paar mehr werden könnten, hat BMW sich im Rahmen des Facelifts die eine oder andere Modifikation an der Optik ausgedacht. Allerdings fielen diese so dezent aus, dass sich nun die bisherigen Sechser-Eigner nicht grämen müssen, nun plötzlich ein altes Auto zu fahren. Neue 20 Zoll Felgen, angepasste Schürzen und eine leicht veränderte Grafik von Leuchten und Spiegeln sind – sagen wir es einmal so – ein übersichtlicher Umfang an Produktänderungen. Das trifft auch für die Modifikationen im Innenraum zu. Zweifarbiges Leder und angepasste Oberflächen fallen in einem Auto mit hohem Individualisierungsgrad kaum noch auf. Da fügt es sich, dass BMW mit zwei neuen Ausstattungslinien dem Kunden weitere Möglichkeiten zur Individualisierung von seinem Sechser an die Hand gibt. Somit dürfte auch künftig kaum ein Modell dem anderen gleichen.

Renovierte Technik
Etwas mehr Neuerungen kann der Sechser des Jahrgangs 2015 dagegen auf der Technikseite bieten. Hier lockt das renovierte Modell mit der bislang optionalen Sportauspuffanlage, die nun bei allen Versionen serienmäßig verbaut wird. Mit zwei üppigen Endrohren schaut die Anlage gut aus und macht, vor allem im Sport-Modus, auch ordentlich Musik. Das tut natürlich das Bang&Olufsen Soundsystem auch und, wenn schon mal die Lieblingsmucke läuft, kann man auch gleich das geschärfte Fahrwerk samt Aktivlenkung auf der nächsten Landstraße ausprobieren. Sie steuert in Abhängigkeit vom Fahrstil auch die Lenkwinkel der Hinterräder und macht aus dem üppigen Sechser einen handlichen Kurvenkitzler. Das adaptive Fahrwerk tut ein Übriges, um sich mit dem Luxuslinder so richtig wohl zu fühlen, auch wenn es mal zügig zur Sache geht.

Fahrdynamiker mit Lizenz zum Cruisen
Dass der Sechser das problemlos kann, besteht spätestens nach der Aktivierung des Fahrmodus „Sport plus“ kein Zweifel mehr. Als 650i liegen dann 450 PS bereit, den rund 2 Tonnen schweren Sechser in jeder gewünschten Form aus Kurven herauszuschnippen, ihn über Geraden zu scheuchen oder bei Bedarf aus Gefahrenzonen herauszukatapultieren. Dazu ertönt ein herrlich heiseres Fauchen des V8 Biturbo; ein Sound für den Umherstehende eigentlich Zugabe bezahlen müssten. Doch auch, wenn der Sechser sich bei derlei Treiben keinen Fehltritt erlaubt, stellt sich schnell von alleine eine ruhigere Gangart ein. Speziell als Cabriolet ist das Sechser Cabriolet eben eher eine Luxusyacht als Sportboot.

Im Comfort-Modus beherrscht er diese Gangart dann auch perfekt: Weiches, aber dennoch präzises Fahrwerk sowie eine angenehm sämige Lenkung bieten Fahrgenuss in Reinkultur. Dazu passen die gut konturierten und angenehm belüfteten Ledersitze perfekt. Nichts in diesem BMW animiert in diesem Betriebsmodus noch zum Rasen. Genießen an der Croisette oder das geruhsame Flanieren an der Algarve-Küste ist Trumpf in diesem Sechser. Dazu passen die Fähigkeiten des aktualisierten BMW Connected Drive Angebotes. Per Tastendruck ist BMW gerne bei der Suche nach dem nächsten Strandkorb behilflich oder reserviert auch schon mal den Tisch beim Italiener auf der Terrasse mit Meerblick. Für alle, denen der Sinn nach weniger Dolce Vita als nach mehr Sport steht, bleibt nach wie vor der 560 PS starke M6 im Angebot. Mit ihm dürfte auch wieder eine gehörige Portion Zusatzpfeffer mit im Spiel sein und BMW den Sechser erneut auf die Siegerstrasse geschickt haben.

Fazit
Das zarte Facelift hat den Sechser nicht wirklich verbessert. Das war aber auch nicht nötig, denn der BWM gehörte in allen drei Formen bereits vorher zum Besten, was man für Geld kaufen konnte. Da sind die Änderungen nur die Alibifunktion, mal wieder beim BMW Händler vorbeizuschauen. Den wird es freuen.

Pro: Verarbeitung und Technik auf Spitzenniveau, große Modellvielfalt, akzeptabler Verbrauch, gutes Platzangebot, gut integrierte Car Connect Funktionen.
Contra: Hoher Preis, teure Extras, etwas umständliche Schaltbedienung des Automatikgetriebes.

Technische Daten BMW 650 i Cabriolet
Maße und Gewichte

Länge/Breite/Höhe 4,89/1,89/1,36 m
Radstand 2,85 m
Wendekreis 11,7 m
Leergewicht ab 1.930 kg
Zuladung 460 kg
Anhängelast (gebr./12 %) — kg
Kofferraumvolumen 300-350 l
Tankinhalt 70 l
Benziner 650i Cabriolet 4.4l V8 TwinPower Turbo
Leistung 330 kw/450 PS
max. Drehmoment 650 Nm bei 2.000-4.500/min
0–100 km/h 4,6 s
Vmax 250 km/h (abgeregelt)
Testverbrauch 8,9 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Werksangabe) 208 g/km
Preis ab 99.300 Euro
Testwertung
4.5 von 5
Getestete Modelle
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