Testbericht

9. Dezember 2005
Mainz, 9. Dezember 2005 – Manchmal sind die Ansprüche an ein neues Auto hoch: Ein ausgewachsener Fünfsitzer sollte es sein, ein praktischer Einkaufs- und Urlaubswagen und, bitteschön, mit einem Sprintwert von unter acht Sekunden. Geht nicht? Gibt’s nicht! Da Hersteller gern so viele Wünsche wie möglich erfüllen, gibt es seit Jahren starke Limousinen-Varianten in der Kompaktklasse, die je nach Produzent zwischen heftig und richtig heftig motorisiert sind und auch optisch einen Unterschied zur Serie bieten. Bei Skoda heißt die Stark-Ausführung RS und liefert in der neuesten Auflage im Octavia stolze 200 PS. Wir haben ihn getestet. Markantere Stoßfänger So richtig wahrhaben will man auf den ersten Blick eigentlich nicht, dass hier ein Golf-GTI-Herz in den Octavia-Körper verpflanzt wurde. Die tschechische Ausführung des Kompaktsportlers kommt nicht auffällig sportgewandet daher. Dennoch: Im Gesicht fallen die neuen Lufteinlässe im markanteren Stoßfänger und die runden Nebellampen auf. Am Kühlergrill und am Heckdeckel prangt das RS-Logo. Edel wirkt der Verzicht auf Rammschutzleisten vorn und hinten, die Leisten an der Seite sind zudem ebenso in Wagenfarbe lackiert wie die Außenspiegelgehäuse. Spoiler auf dem Heckdeckel Das Hinterteil grüßt mit einem Spoiler, dem chromblitzenden Doppelrohr und Rückstrahler-Bändern am geänderten Stoßfänger. Die Seitenlinie ist im Sommer sicherlich noch heißer, da dann der RS auf 18-Zöllern steht. Uns entgeht dieses Quäntchen Sportlichkeit zugunsten der Sicherheit: Der Testwagen trägt griffige Winterbesohlung auf 17-Zöllern.

Sportsitze mit Seitenhalt Im Innenraum des neuen Power-Skoda fühlt man sich wohl: Die mit Stoff und Leder bezogenen Sportsitze sind nicht nur bequem, sondern geben auch dann genügend Seitenhalt, wenn der TFSI richtig rangenommen wird. Die Füße ruhen (zunächst) auf Edelstahl-Pedalen. Das in den Neun- und Dreiuhr-Zonen mit perforiertem Leder bezogene Dreispeichen-Lenkrad liegt griffig in der Hand und macht sofort Lust, den starken Fünftürer durch die Serpentine zu wedeln. Tacho endet bei 270 km/h In der Armaturentafel dominiert kühles Alu und elegantes Schwarz. Auch die Instrumente sind Alu-beringt. Die Skalen geben ein wenig von dem preis, was uns erwarten könnte: Der rote Bereich vom Tourenzähler beginnt bei 6.500 Umdrehungen, der Tacho endet erst bei 270 km/h. Gute Ausstattung möglich Der Rest der Raumausstattung verrät viel von den Alltagsqualitäten: Unser Testauto hat ein Navigationssystem mit großem Display, einen Tempomaten und Parksensoren. Neben diesen optionalen Annehmlichkeiten sind eine Zweizonen-Klimaautomatik, Regen- und Lichtsensoren sowie Xenon-Scheinwerfer ab Werk an Bord.

Rücksitz im Handumdrehen klappbar Auch in der zweiten Reihe sitzt man bequem, hier zeigen sich die Familien-Qualitäten des Octavia. Und natürlich muss man auch in puncto Stauraum auf nichts verzichten: Aus 560 Litern Kofferraumvolumen werden flugs 1.420 Liter, wenn man die Bank aufgestellt und die Lehnen geklappt hat. Das funktioniert im Verhältnis 60 zu 40 und lässt sich mit wenigen Handgriffen erledigen.

Nur 7,3 Sekunden Sprintzeit Doch wecken wir den Zweiliter-Direkteinspritzer: Im Leerlauf grummelt der Vierzylinder und behält beim Hochdrehen einen satten, eher dezenten Sound bei. Alles andere als dezent ist der Vortrieb: Von unten heraus drückt die Maschine den Fünftürer gleichmäßig stark nach vorn und gleichzeitig die Passagiere in die Sitze. Bereits ab 1.800 Touren liegt das maximale Drehmoment von 280 Newtonmetern an und steht bis 5.000 Umdrehungen zur Verfügung.

Sportliche Fahrwerte Die maximale Leistung von 200 PS ist zwischen 5.100 und 6.000 Umdrehungen sehr präsent zur Stelle. Das verhilft zu sportlichen Fahrwerten: In nur 7,3 Sekunden sprintet die Octavia-Limousine auf Tempo 100 und erreicht eine Spitze von bemerkenswerten 240 km/h. Zum Vergleich: Der Golf GTI erreicht mit derselben Maschine den Hunderter-Strich nach 7,2 Sekunden und rennt 235 km/h schnell.

Fahrwerk sehr sportlich abgestimmt Das Fahrwerk ist der überaus spritzigen und starken Maschine angepasst: Der RS liegt zwölf Millimeter tiefer als die Serien-Brüder. Dämpfer und Federn wurden straffer abgestimmt. Das kommt der Fahrdynamik spürbar zugute, beim Komfort müssen allerdings vor allem auf schnell gefahrenen Autobahnetappen Abstriche gemacht werden. Das lässt sich aber verschmerzen, denn auf kurvigen Landstraßen ist der Sport-Skoda richtig in seinem Element. Der starke Tscheche lässt sich sehr sportlich um Biegungen zirkeln. Da das elektronische Stabilitätsprogramm ESP recht spät regelnd eingreift, kommen auch ambitionierte Fahrer auf ihre Kosten und können den Gummi ein wenig radieren lassen. Einen entscheidenden Anteil am Fahrspaß leistet die überaus knackige Sechsgang-Box mit kurzen, exakten Schaltwegen.

Ab 25.990 Euro Der Octavia RS kostet als Limousine 25.990 Euro, die Kombi-Variante ist 1.000 Euro teurer. Ein Golf GTI ist als Fünftürer für 25.275 Euro zu haben und hat weniger Grundausstattung. Der VW-Verwandte bietet für sein Geld ein dick gefülltes Extra-Paket: Ab Werk sind bereits neben den bereits erwähnten Features wie Klimaautomatik und Xenon-Licht das ESP mit elektronischer Differenzialsperre und Bremsassistent sowie die Reifendrucküberwachung an Bord. Zum Schutz der Insassen sind außerdem Fahrer- und Beifahrerairbags, Seitenairbags vorn sowie Kopfairbags vorn und hinten montiert.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Benzinmotor
Hubraum:1.984
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:147 kW (200 PS) bei UPM
Drehmoment:280 Nm bei 1.800-5.000 UPM
Preis
Neupreis: 25.990 € (Stand: Dezember 2005)
Fazit
Der Octavia RS könnte dazu führen, dass Familien-Väter oder (-Mütter) „mal fix“ in den Baumarkt fahren und über Stunden verschwunden sind, um anschließend ohne den gewünschten Sack Blumenerde, dafür aber mit einem satten Grinsen im Gesicht wiederzukommen. Der Power-Tscheche ist eine voll alltagstaugliche Limousine, die nicht nur wegen dem gleichen Motor jede Menge GTI-Gene in sich trägt. Allerdings ist der Skoda vergleichsweise dezent angezogen und auch nicht mit dem jugendlichen Klischee des GTI behaftet. Dass es die Fahrwerksentwickler mit der Straffung des Octavia-Unterbaus ein wenig zu gut gemeint haben, verzeiht man dem RS gern – schließlich hat man ihn ja auch wegen seiner versprochenen Fahrdynamik angeschafft. Und das zu einem vergleichsweise vernünftigen Preis. (hd)

Quelle: auto-news, 2005-12-09

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