Testbericht

Sebastian Viehmann, 24. Mai 2012
Der Chevrolet Captiva soll Familien und Freizeit-Freunde locken - mit viel Platz, guter Ausstattung und niedrigen Preisen. Der Captiva verkauft sich besser als sein Schwestermodell Opel Antara, und auch das neue Klein-SUV Chevrolet Trax dürfte den Rüsselsheimern richtig wehtun.

Bei Opel läuft es zurzeit alles andere als rund, doch die Konzernmutter GM denkt gar nicht daran, deswegen bei Chevrolet in Deutschland auf die Bremse zu treten. Im Gegenteil: Vom Aveo über den Cruze bis zum Orlando und Captiva machen die Amerikaner der deutschen Schwestermarke mächtig Konkurrenz in diversen Fahrzeugklassen. Der kürzlich facegeliftete Captiva präsentiert sich als familientaugliches Freizeitmobil für diverse Einsatzzwecke vom Großeinkauf bis zum Campingurlaub. Er ist sieben Zentimeter länger als sein Schwestermodell Antara und hat daher Platz für eine - nur Kindern zumutbare - dritte Sitzreihe.

Mit Audi Q3, VW Tiguan oder Dacia Duster kann der Chevrolet zwar in Sachen Zulassungszahlen bei weitem nicht mithalten, doch seit Anfang des Jahres wurden bis April immerhin mehr als 1500 Captivas in Deutschland zugelassen. Dem stehen nur 801 Opel Antaras gegenüber. Im Jahr 2011 verzeichnete die Statistik knapp 3000 Captivas, aber nur knapp 1700 Antaras. Für den Familientrip ins Sommercamp bevorzugen die Kunden also klar die amerikanisch angehauchte Version des in Korea gebauten SUV.

Vielleicht liegt das daran, dass der Captiva optisch die bessere Figur macht: Der große zweiteilige Kühlergrill mit dem markanten "Bowtie"-Markenlogo wirkt schön bullig-amerikanisch, ohne dabei zu protzig aufzutreten. Der 4,7 Meter lange Captiva bietet auf allen Plätzen großzügige Kopf- und Kniefreiheit, der Kofferraum schluckt 477 Liter. Das Cockpit ist durch zahlreiche Kunststoffteile geprägt, die nicht immer einen hochwertigen Eindruck machen. Dafür warten clevere Ablage-Ideen wie die zurückschiebbaren Becherhalter in der Mittelkonsole, unter denen sich ein riesiges Staufach verbirgt.

Etwas unausgegoren wirkt die Entertainment-Anlage mit dem optionalen Navigationssystem. Das Navi erfordert eine umständliche Touchscreen-Bedienung, schon die Eingabe einer Adresse erfordert reichlich Gefummel auf zu kleinen Schaltflächen. Immerhin kostet das Navi inklusive Rückfahrkamera nur 500 Euro, im Top-Modell LTZ (ab 36.440 Euro) ist es serienmäßig an Bord.

Unter der Haube hat man beim Captiva die Auswahl zwischen zwei Benzinmotoren (Vierzylinder 2.4 mit 167 PS oder V6 mit 258 PS) und dem 2,2 Liter großen Dieselmotor mit 163 oder 184 PS. Der Selbstzünder erzielt beim Verbrauch mit durchschnittlich 6,4 Litern pro 100 km keine Spitzenwerte - Audi Q3, BMW X1 oder Range Rover Evoque genehmigen sich in den sparsamsten Dieselvarianten deutlich weniger Kraftstoff. Der Chevrolet-Diesel ist aber laufruhig und mit 350 bis 400 Nm Drehmoment recht spurtstark.

Die optionale Sechsstufen-Automatik ist etwas träge und frisst ein wenig Beschleunigungszeit, passt aber gut zum Cruiser-Charakter des Wagens. Auf der Autobahn erreicht die 184 PS-Version des Captiva mühelos 200 km/h und bleibt dabei vom Lärmpegel her zurückhaltend. Lenkung und Fahrwerk überzeugen bei hohen Geschwindigkeiten ebenso wie im Stadtverkehr, wirklich dynamisch ist der Captiva aber auch nach der Fahrwerksüberarbeitung nicht unterwegs. Negativ fallen die Fahrwerksgeräusche auf, die bei Bodenwellen manchmal zu vernehmen sind.

Das Basismodell Captiva LS ist ab 25.690 Euro zu haben. Empfehlenswert ist die mittlere Ausstattungsstufe LT (ab 28.290 Euro), sie bietet mit Dingen wie Tempomat, Licht- und Regensensor, Klimaautomatik, Niveauregulierung und Teilledersitzen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Opel Antara ist mit Basisausstattung übrigens erst ab 27.280 Euro zu haben.

Die familieninterne SUV-Konkurrenz wird GM bald munter fortführen. Auf dem Pariser Salon im Herbst feiert der Chevrolet Trax seine Weltpremiere und steht im Frühjahr 2013 beim Händler. Details zum Trax haben die Amerikaner noch nicht verraten. In seinen Abmessungen ähnelt er aber dem 4,28 Meter langen Opel Mokka und dürfte mit diesem auch technisch verwandt sein. Der Mokka bekommt Diesel- und Benzinmotoren mit Leistungen zwischen 115 und 140 PS, Allradantrieb ist optional an Bord. Der Einstiegspreis soll bei weniger als 20.000 Euro liegen. Chevrolet wird diesen Preis beim Trax wahrscheinlich unterbieten. Die Amerikaner wollen den Wagen in mehr als 140 Ländern verkaufen. Der Trax läuft in Korea und Mexiko vom Band.
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Quelle: press-inform, 2012-05-24

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