Testbericht

Stefan Grundhoff, 27. September 2010
Was sind der Audi R8 oder der R8 5.2 FSI V10 doch nur für müde Gesellen. Wenn man ein paar Kilometer im R8 GT zurücklegt hat, möchte man die schwächeren Brüder allenfalls noch in der Pfeife rauchen – und einfach nur abdampfen.

Der Audi R8 GT ist als reiner Straßensportwagen das schärfste, was die Ingolstädter in den letzten Jahren auf die Reifen gestellt haben. Seine Weltpremiere feierte der 4,43 Meter lange Supersportwagen im Frühling auf dem historischen Grand Prix von Monaco und genau in so einem Kurvengeschlängel bringt der 560 PS starke Audi-Bolide das Blut des Piloten besonders effektvoll in Wallung. Dabei ist es nicht so, dass die Fahrmaschine auf der Autobahn nicht begeistern könnte – im Gegenteil. Der auf rund 1,6 Tonnen erschlankte R8 GT liegt auf der Piste wie ein Brett, ohne eine nervige Härte in den Innenraum zu lassen. Er ist so komfortabel, dass selbst ein heißer Ritt auf der Nordschleife des Nürburgrings mit seinen zahlreichen unterschiedlichen Fahrbahnbelägen zu keiner Tortur wird. Auf der Autobahn oder der Döttinger Höhe schafft es der Allradler beim Abrufen aller Leistungsreserven auf 320 km/h Spitze. Doch derartige Bestleitungen sind ebenso zweitrangig wie ein Spurtpotenzial 0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden oder ein Durchbrechen der 200er-Marke in 10,8 Sekunden.

Denn gerade schnelle Landstraßenpassagen hat der R8 GT zu seinem Lieblingsspielplatz auserkoren. Dort, wo sonst bei Porsche 911 GT3 Bestmarke um Bestmarke setzte, zeigt das aktuell sportlichste R-Modell von Audi, dass Dank 5,2 Litern Hubraum und 560 PS noch mehr geht. Das Leistungsplus von 35 PS im Vergleich zum normalen 5.2 FSI V10 ist weit weniger beeindruckend als die 100 Kilogramm, die die Audi-Ingenieure aus dem Freizeitsportler herauspresst haben. Schmale, aber allemal noch vertretbare Rennschalensitze brachten ebenso eine spürbare Gewichtsreduktion (allein 31,5 Kilogramm) wie die dünnere Windschutzscheibe, einer Trennscheibe aus Polykarbonat oder die Heckklappe aus Kohlefaser. Selbst der neue Rennsport-Teppich im Innenraum holte weitere acht Kilogramm aus dem kaum übergewichtigen Serien-R8 heraus. 100 Kilogramm Ersparnis sind bei den rund 1,7 Tonnen Leergewicht des Serienmodells ein satter Zugewinn an Fahrspaß, der sich in nahezu jedem Fahrzustand bemerkbar macht. Bremsen, Beschleunigen, Lastwechsel oder schlicht das präzisere Einlenken zeigen dem Piloten deutlich, was mit einem Audi R8 GT auf der Rennstrecke oder kurvenreicher Landstraße möglich ist.

Dabei ist der R8 GT nicht derart knüppelhart oder aufdringlich dröhnend wie sein Bruder Lamborghini Gallardo Superleggera. Der erhebt sich ab 3.600 Touren zu einem ohrenbetäubenden Stakkato und nimmt die Umgebung völlig für sich ein. Hier ist der R8 GT bei aller Sportlichkeit und Dynamik dezenter. Auch das automatisierte Schaltgetriebe bekommt auf seine alten Tage noch einen echten Entwicklungsschub. Lässig wechselt es die einzelnen Gangstufen hinauf und herunter, sodass es eine wahre Freude ist, das breite Drehzahlband des R8 GT auch einmal vor überraschende Spontanaufgaben zu stellen. Wer will, kann den Klang des Zehnzylinders bis deutlich über 8.000 U/min genießen. Erst bei 8.700 Touren mahnt der Drehzahlbegrenzer zu erneutem Hochschalten. Am besten schlägt sich der Audi zwischen 4.500 und 7.000 Touren, wenn er breitschultrig aus dem Vollen schöpfen kann und souverän bis zu 540 Nm Drehmoment zur Verfügung stellt.

Wer es darauf anlegt, kann mit dem R8 GT schier unbegrenzte Saugerfreuden erleben. Bissiger, aber weniger bullig geht es nur mit einem Turbotriebwerk. Dass dürfte bereits in der Planung sein. Denn die 13,9 Liter Superkraftstoff pro 100 Kilometer sind ein Wert, der bei aller Sportlichkeit nicht mehr lange vertretbar sein dürfte. Den Kunden dürfte es sowieso egal sein. Sie werden sich am beeindruckenden Sound und der grandiosen Straßenlage des Audi R8 GT erfreuen. Wer seltener tanken möchte, kann optional ein 90-Liter-Behältnis verbauen lassen – keine schlechte Wahl. Das Gesamtpaket dürfte vielen Kunden den Kaufpreis von 193.000 Euro wert sein. Schließlich gibt es den Lustbringer nur in einer begrenzten Auflage von 333 Stück.
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Quelle: press-inform, 2010-09-27

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