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Testbericht

25. Mai 2010
Sintra (Portugal), 25. Mai 2010 - Der kleine Junge auf der Straße bewegt sich einfach nicht. Ich will schon längst bremsen, doch der Volvo-Ingenieur auf dem Beifahrersitz beschwört mich, bloß nicht vom Gas zu gehen. Plötzlich leuchtet ein Warnlicht in der Windschutzscheibe auf, es piept schrill und das Auto wird durch eine Vollbremsung gestoppt - exakt vor dem Kind. Zum Glück war es kein echter Steppke, sondern nur ein Dummy, um die Fußgänger-Erkennung im neuen Volvo S60 zu demonstrieren. Schicker Schwede Die Fähigkeit zur automatischen Vollbremsung ist das Highlight des neuen S60 und der Stolz der Volvo-Ingenieure. Selbstbewusst positionieren die Schweden ihre Limousine als Alternative zum deutschen Trio aus Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse. Beim Erstkontakt besticht der S60 mit seiner scharfen Optik. Endgültig vorbei sind die Zeiten des rechten Winkels als wichtigstes Volvo-Designelement. Die bullige Frontpartie des S60 zeigt eine klare Verwandtschaft zum XC60, während die Dachlinie coupéhaft nach hinten abfällt. Peter Horbury, Designchef von Volvo, sieht darin einen besonderen Effekt: "Die hinteren Türen sind bei genauem Hinsehen so etwas wie eine angenehme Überraschung." In der Tat hebt sich der S60 optisch klar von seinen Konkurrenten ab, selten war ein Volvo so schick. Zugeständnisse an die Linie Das sportliche Design wird jedoch auf Kosten der Hinterbänkler erkauft: Bereits ab einer Körpergröße von 1,85 Meter wird dort die Kopffreiheit bedenklich knapp. Hinzu kommt ein bestenfalls als ausreichend zu bezeichnender Fußraum. Werden die Vordersitze weit nach hinten geschoben, tendiert der Platz für die Beine gegen null. Der sehr kurze rückwärtige Karosserieüberhang wirkt auf den Betrachter beinahe wie ein Fließheck, beladen wird der Kofferraum aber nach Öffnen eines Heckdeckels. Die nutzbare Gepäckraumluke fällt schmal aus, zudem mindern Scharnierbügel die Breite zusätzlich. Positiv ist hingegen das System zum Umklappen der Rücksitze: Einfach an einem Hebel im Kofferraum ziehen und die Lehnen können bewegt werden. Im Normalzustand bietet das Abteil 380 Liter Stauraum, womit der S60 am unteren Ende seines Segments rangiert. Die Konkurrenz bietet hier klar mehr, so etwa der Audi A4 mit 480 Liter Volumen.

Edel eingerichtet Deutlich luftiger geht es auf den vorderen Plätzen zu: Bequeme Sitze und eine großzügige Beinfreiheit steigern das Wohlfühlaroma, die schmale A-Säule die Übersicht. Apropos Übersicht: Das Heckfenster fällt erstaunlich groß aus, doch was dahinter folgt, ist nicht einsehbar. Daher empfiehlt sich der Aufpreis von 450 Euro für die Rückfahrkamera. Ihr Bild wird auf der leicht zum Fahrer geneigten Mittelkonsole angezeigt. Dort dominieren zwar viele Knöpfe, doch die meisten davon werden nur selten benötigt, darunter die Wähltasten fürs Telefon. Die wichtigsten Funktionen sind sauber gruppiert, große Tasten leiten zurück ins Hauptmenü oder bestätigen die gewählte Option. Rundum überzeugend sind die Verarbeitungs- und Materialqualität des Cockpits, welches insgesamt dem leicht unterkühlten skandinavischem Designstil huldigt. Dynamisch unterwegs Für unsere Testfahrt wählen wir den kleinsten Diesel mit 163 PS und der Bezeichnung D3. Volvo geht davon aus, dass die große Mehrheit der in Europa ausgelieferten S60 einen Selbstzünder unter der Haube haben werden. Die Common-Rail-Maschine des D3 überzeugt vom Start weg mit elastischem Antritt und hoher Laufruhe, lediglich unter Volllast ist das Arbeitsprinzip deutlich vernehmbar. Bereits bei 1.400 Touren liegt das maximale Drehmoment von 400 Newtonmeter an. Übertragen wird die Kraft durch ein leichtgängiges und exaktes Sechsgang-Schaltgetriebe, optional ist eine Automatik mit sechs Gängen lieferbar. Bei der manuellen Übertragung hat Volvo eine lange Übersetzung gewählt, im vierten Gang ist Tempo 80 problemlos möglich. Dank des antrittsstarken Aggregats bewährt sich diese Auslegung gut, nur bei 50 km/h schwankt man als Fahrer zwischen dritter und vierter Stufe. Straffe Auslegung Für den europäischen Markt weist der Volvo S60 ein sportliches Fahrwerk auf, während in Nordamerika und Asien eine komfortorientierte Auslegung serienmäßig ist. In Verbindung mit der sehr direkt agierenden Lenkung lässt sich die Limousine exakt durch Kurven zirkeln. Erkauft wird die hervorragende Straßenlage aber mit einer straffen Fahrwerksauslegung, welche den Komfort negativ beeinflusst. Unebenheiten wie beispielsweise Gullydeckel werden deutlich wahrnehmbar in den Innenraum übertragen. Auf unsere Nachfrage hin bestätigte uns Volvo, dass die Komfort-Auslegung auch nicht auf Wunsch erhältlich ist. Einzige Alternative ist der Griff zum Fahrdynamik-Paket mit selbstjustierendem Four-C-Fahrwerk.

Sicherheit an erster Stelle Bereits seit Jahrzehnten ist Volvo bekannt für seinen hohen Sicherheitsstandard, auch der S60 macht keine Ausnahme. Eine Fülle von Systemen soll die Unfallgefahr auf ein Minimum reduzieren. Das Highlight ist natürlich die bereits erwähnte Fußgänger-Erkennung mit Vollbremsung, bei der eine Kamera in der Frontscheibe in Verbindung mit Radar im Kühlergrill zur Erfassung dient. Allerdings gibt es hier Grenzen: Befindet sich die Person in Höhe des äußeren Rands der Frontpartie, wird nicht automatisch gebremst. Gleiches gilt bei Dunkelheit sowie bei Objekten unter eine Größe von 80 Zentimetern: Katzen und Hunde haben also weiterhin Pech. Unfallschutz gratis Der Aufpreis für das System beträgt 1.700 Euro inklusive eines aktiven Abstandsregelsystems mit Tempomat, auch die meisten anderen Sicherheitsfeatures gibt es nicht umsonst. Für 700 Euro wird der Fahrer bei Müdigkeit und Verlassen der Fahrspur gewarnt, das so genannte BLIS-System zur Überwachung des toten Winkels gibt es für 920 Euro. Serienmäßig an Bord ist das City-Safety-System: Hierbei wird das Auto automatisch abgebremst, wenn ein vorausfahrendes Fahrzeug stoppt oder langsamer wird und der S60-Pilot nicht reagiert. Beträgt die Geschwindigkeitsdifferenz bis zu 15 km/h, wird die Kollision vollständig verhindert, darüber werden die Folgen abgeschwächt. Stimmiges Preis-Leistungsverhältnis Volvo ruft zum Marktstart im September 2010 für den S60 D3 in der namenlosen Basisversion 31.650 Euro auf. Die Serienausstattung kann sich sehen lassen: An Bord sind unter anderem ein Audiosystem mit AUX-Anschluss und Fünf-Zoll-Farbdisplay, eine Klimaautomatik, vier elektrische Fensterheber und höhenverstellbare Sitze vorne. Deutlich teurer sind die Konkurrenten mit Stern, Propeller oder Ringen: Mercedes ruft für den C 220 CDI Classic mit 170 PS die Summe von 36.384 Euro auf, den BMW 320d EfficientDynamics Edition mit 163 PS bekommt man für 34.100 Euro, während es den Audi A4 2.0 TDI Attraction mit 170 PS für 33.200 Euro gibt.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Diesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung
Hubraum:1.984
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:120 kW (163 PS) bei UPM
Drehmoment:400 Nm bei 1.400-2.750 UPM
Preis
Neupreis: 31.650 € (Stand: Mai 2010)
Fazit
Mit dem neuen S60 ist Volvo ein im wahrsten Wortsinne scharfer Konkurrent für die deutschen Premium-Platzhirsche gelungen. Pluspunkte sammelt der Schwede mit seiner schicken Optik und den umfangreichen Sicherheitssystemen. Hinzu kommen ein hervorragendes Fahrverhalten und ein günstiger Preis. Abzüge gibt es für das zu straffe Fahrwerk, das Platzangebot hinten und den kleinen Kofferraum. In Sachen Raumangebot wird die Kombiversion namens V60, die für November 2010 angekündigt ist, mehr bieten. Kurze Zeit später folgt schließlich die extreme sparsame DRIVe-Variante der beiden 60er mit 109 PS.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2010-05-25

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