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Testbericht

7. Oktober 2012

Die Wahrheit findet sich im hohen Norden. In den scheinbar unendlichen Weiten eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas herrschen optimale Bedingungen, um Winterreifen auf den Lamellenzahn zu fühlen. Daher hat auto motor und sport 13 topaktuelle Produkte in der Dimension 205/55-16, Geschwindigkeitsindex H, zum aufwendigen Test nach Finnland bestellt. In jener Größe, die fast schon mit der Bezeichnung "one size fits all" durchgeht. Weil sie in nahezu allen Klassen Anwendung findet, bereits für viele Kleinwagen passend, für die versammelte Kompakt-Garde sowieso, und auch die Mittelklasse ist mit dieser Dimension schon gut bereift. Aber neben Schnee muss ein guter Winterreifen ebenso Nässe und Trockenheit beherrschen. Dabei sagt das neu eingeführte Reifenlabel herzlich wenig über all diese Anforderungen aus. Geringer Rollwiderstand, niedriges Geräusch und gute Nassbremseigenschaften sind eben noch lange nicht alles. Exzellente Verzögerung, gute Traktion und Seitenführung sowie sicheres Fahrverhalten auf Schnee sind deutlich wichtiger.

Nokian WR D3 fährt im Schnee die Konkurrenz an die Wand So wie beim Nokian WR D3, der in der Schneewertung die versammelte Konkurrenz an die Wand fährt und 99 von 100 Punkten erringt. Selbst bei Nässe zeigt sich der finnische Reifen fahrsicher; die Testkriterien bei Trockenheit meistert er ebenfalls solide: Testsieg, wenn auch knapp. Denn die Auszeichnung "Besonders empfehlenswert" gebührt dem Continental Winter Contact TS 850 ebenso wie dem Semperit Speed Grip 2, Dunlop SP Wintersport 4D und Goodyear Ultragrip 8. Unter diesen vier ist aber der Conti am ausgewogensten, meistert die Prüfungen bei Trockenheit, Nässe und Schnee gleichermaßen perfekt. Der Goodyear sowie der günstige Semperit fallen im Endergebnis leicht ab; vor allem bei den Wintereigenschaften lassen sie einige Punkte liegen. Aber bei nasser Fahrbahn bieten beide ein hohes Gripniveau und sehr gute Reserven im Grenzbereich. Auch der Dunlop zeigt auf Nässe ein exzellentes, neutrales und sicheres Fahrverhalten, lässt jedoch durch mittelmäßige Leistungen beim Trockenbremsen und Schwächen bei der Traktion Punkte liegen. Nicht gerade tückisch, aber im Grenzbereich bei Nässe drängt das Heck des mit dem Toyo Snowprox S 953 bereiften Mercedes bei plötzlicher Gaswegnahme in der Kurve nach außen. Bei Trockenheit passiert das nicht. Und auf schneebedeckter Fahrbahn gehört der Toyo absolut zur Spitze; mit seiner guten Traktion, den hohen Seitenführungskräften und einem sehr harmonischen Fahrverhalten landet er im vorderen Mittelfeld. Abgesehen davon ist er auch noch vergleichsweise günstig.

Michelin Alpin 4 glänzt mit niedrigem Rollwiderstand Etwas teurer wirds hingegen mit dem Michelin Alpin 4, der dafür mit einem niedrigen Rollwiderstand glänzt. Das wirkt sich positiv auf den Verbrauch aus und hilft beim Sparen. Beim Aquaplaning-Test schwächelt der Alpin 4 hingegen. Das Fahrverhalten selbst ist sicher und frei von Tücken. Der Fulda Kristal Control HP lässt sich auf Schnee ebenfalls nichts nachsagen, er zeigt akzeptable Bremsleistungen und eine gute Traktion. Bei Nässe fehlt es jedoch etwas an Grip, im Grenzbereich setzt das Untersteuern früh und ausgeprägt ein. Auf trockener Fahrbahn schwächelt der Fulda bei den Bremstests, zudem rollt er relativ laut ab. Gleiches gilt für den Pirelli Snow Control III, der ebenfalls zum Mittelfeld gehört. Abgesehen von seiner eher mäßigen Aquaplaning-Leistung erfüllt er die ihm gestellten Aufgaben akzeptabel; er zeigt sich im Grenzbereich einfach zu handhaben, tendenziell leicht untersteuernd und verlässlich. In winterlichen Gefilden fehlt es dem Snow Control jedoch an Lamellen-Biss und somit auch an Grip. Ein Schicksal, das den Hankook Icept RS auf bewässerter Straße ereilt. Er offenbart wenig Seitenführung, ein schwammiges Fahrverhalten und dürftige Verzögerungswerte, die den im Schnee und bei Trockenheit ansonsten verlässlichen Koreaner nach hinten im Feld spülen. In Summe landet er so auf Augenhöhe mit dem Vredestein Snowtrac 3, der bei Nässe eine eher durchschnittliche Haftung bietet. Auf weißen Pfaden beißt der Vredestein auch nur verhalten zu, er verhält sich im Grenzbereich wenig kalkulierbar und wechselhaft, was sich nicht zuletzt negativ auf die Rundenzeit auswirkt.

Winterreifentest mit Vollbremsung aus 50 km/h Und trotzdem verhält sich der Snowtrac auf Schnee noch deutlich besser als der Bridgestone LM 32. Um mit der Mercedes B-Klasse aus Tempo 50 zum Stillstand zu kommen, braucht der LM 32 über 32 Meter. Den besten Pneus in dieser Disziplin genügen hierfür 27,5 Meter. Mit seinem hohen Rollwiderstand und eher durchschnittlichen Bremsleistungen, aber einem sehr sicheren Fahrverhalten schließt der Bridgestone die Trockentests ab. Bei Nässe glänzt er dann wenigstens mit der besten Aquaplaning-Leistung und kann durch seine gute Seitenführung, sein ruhiges Fahrverhalten und die akzeptablen Bremswerte Boden gutmachen. Was man vom Nankang NK Snow SV-2 absolut nicht behaupten kann. Mit 96 Euro ist das Produkt aus Taiwan zwar das billigste im Feld, mit insgesamt nur 185 von 300 möglichen Punkten aber auch das Schlechteste. Dabei besitzt er einen geringen Rollwiderstand, ein akzeptables Bremsverhalten bei Nässe und das niedrigste Abrollgeräusch. Allein auf diese drei Label-Kriterien bezogen, würde der NK Snow SV-2 also gar nicht so schlecht dastehen. Aber die ganze Wahrheit über Winterreifen ist eben doch komplexer. So wurde getestet Die Testbewertung erfolgt relativ. In jedem einzelnen Kriterium erhält der jeweils beste Reifen die maximal mögliche Punktzahl. Beim Handling fließen die Rundenzeit als objektive und das Fahrverhalten als subjektive Bepunktung jeweils einzeln in das Ergebnis ein. Dabei zählt bei der subjektiven Betrachtung vor allem ein möglichst präzises und im Grenzbereich neutrales Fahrverhalten. Das Abrollgeräusch sowie der Rollwiderstandsbeiwert werden jeweils bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h ermittelt. Die sicherheitsrelevanten Kriterien Bremsen auf Schnee und bei Nässe sind mit 40 Punkten am höchsten gewichtet. Hierbei führt bereits ein halbes Prozent Abweichung vom besten Messwert zu einem Punkt weniger.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-10-07

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