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Testbericht

19. November 2013
Da geht der stärkste Elch in Deckung, wenn der heisere Fünfzylinder seine garstigen Salven in die finnischen Wälder feuert. Der Russe wird das Getöse schon nicht hören, der ist immerhin rund 100 Kilometer entfernt. Und sehen wird er sie auch nicht, diese lange, glitzernde Schneeschleppe, die hinter dem Heckflügel des Audi TT RS hängt.

Im Winterreifentest geht es um Bremsvermögen und Handling Der diesjährige Winterreifentest produziert herrliche Bilder, untermalt mit faszinierendem Ton (Hörprobe im Video). Aber nicht, dass nun die Meinung aufkeimt, es ginge hier oben in Nordfinnland lediglich um fahrdynamischen Unterhaltungswert. Vielmehr geht es ums Ganze - um Traktion, Bremsvermögen, Seitenführung, ausgewogene Handlingeigenschaften, später spielt auch noch die Aquaplaningleistung eine entscheidende Rolle. Es geht um möglichst hohe, weit gesteckte Grenzbereiche bei Schnee, Nässe und Trockenheit. Die sieben Winterreifen in der Dimension 245/40 R18 V müssen die 360PS des Audi TT RS Plus in winterlichen Gefilden bestmöglich in den Griff bekommen. Und das schafft der Dunlop SP Winter Sport 4D im Test mit 95 von 100 möglichen Punkten am beeindruckendsten. Sein ausgewogenes Fahrverhalten und sein Gripvermögen liegen auf höchstem Niveau. Wenngleich der per se traktionsstarke Quattro-Antrieb des Audi TT beim Sprint von 20 auf 50km/h mögliche Schwächen abfängt. Dementsprechend klein sind zwar die Differenzen zwischen den Winterreifen beim Spurttest im Schnee; die Tendenzen über die Stärken und Schwächen kommen dennoch zum Vorschein.

Pirelli Sottozero III bietet hervorragende Seitenführung So zum Beispiel, dass der flammneue Pirelli Sottozero III beim Spurt und beim Bremsen auf schneebedeckter Fahrbahn nicht ganz vorne im Testumfeld dabei ist. Dafür bietet der 18-Zöller im Format 245/40 auf dem selektiven Handlingkurs eine hervorragende Seitenführung - jedenfalls an der Vorderachse. Bei Lastwechseln wirkt das Heck lebhafter, was bei entsprechendem Fahrkönnen in eine gesteigerte Agilität umgemünzt werden kann, wie die mit Abstand beste Rundenzeit im Winterreifentest auf dem 1.150 Meter langen Handlingkurs zeigt. Nicht ganz so schnell, aber dafür mit einem sehr umgänglichen Fahrverhalten meistert der Continental Winter Contact TS 830 P die anspruchsvolle Berg-und-Tal-Bahn. Er rangiert bei den Schneetests auf Platz drei. Rang zwei gebührt dem Michelin Pilot Alpin PA4, der im Handling zwar tendenziell mehr untersteuert, andererseits legt der Winterreifen in der weißen Pracht die beste Bremsperformance an den Tag.

Bei Nässe sind Winterreifen von Pirelli und Michelin spitze Was vom Goodyear Ultragrip 8 Performance nicht uneingeschränkt zu behaupten ist. Er macht seine Sache, wenngleich im Handling sehr untersteuernd ausgelegt, zweifellos gut, kann sich jedoch nur bei der Traktionsmessung mit den Besten im Winterreifentest messen. Auch der Toyo SnowProx S 953 gibt sich beim Winterreifentest keine große Blöße, allerdings ist sein Fahrverhalten nicht exakt definiert – wechselt letztendlich nur mit Mühe beherrschbar zwischen Unter- und Übersteuern. Der Falken HS 449 Eurowinter gibt sich noch etwas widerspenstiger. Mit ihm bestückt keilt das Heck des TT RS im Grenzbereich relativ schlagartig, nachhaltig und entsprechend schwer zu bändigen aus.

Continental, Goodyear und Dunlop sind sehr gutes Mittelfeld Gleiches geschieht, wenn der Falken eine nasse Fahrbahn unter sein Winterreifen-Lamellenprofil nimmt. Auch hier sind die Lastwechselreaktionen am stärksten von allen sieben Testkandidaten ausgeprägt. Der Toyo gibt sich bei Nässe nun eindeutig als fader Untersteurer zu erkennen, bremst zudem am schlechtesten. Kurzum: Die beiden Asiaten schwächeln im Vergleich zur Konkurrenz bei den Nässetests – die guten Aquaplaningleistungen einmal ausgenommen. In der Nässewertung bilden der Michelin und der Pirelli die Spitze des Test-Feldes. Ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen, das der Michelin schlussendlich durch seine sehr hohe Lenkpräzision ganz knapp für sich entscheiden kann. Nur wenige Punkte dahinter liegen die Winterreifen von Continental, Dunlop und Goodyear – alle drei sind bei nassen Straßenverhältnissen gut aufgestellt, den Unterschied machen nur Nuancen bei Lenkgefühl und Fahrverhalten aus. Die Zielgerade naht für die sieben Winter-Pneus im Format 245/40 R18. Nach den aufwendigen Schnee- und Nässetests fehlt nur noch das etwas weniger stark gewichtete Trockenprogramm.

Toyo und Falken auf den hinteren Rängen Hierbei sind die Unterschiede bei Winterreifen erfahrungsgemäß noch geringer. Lediglich der Toyo rutscht aufgrund seiner schlechteren Bremswerte weiter ab im Testumfeld. In der finalen Bilanz landet der SnowProx-Winterreifen auf dem letzten Platz, weil er sich auf keinem der drei getesteten Untergründe maßgeblich in Szene setzen kann. Der Falken erarbeitet sich aufgrund seiner durchweg durchschnittlichen Leistungen noch ein paar Punkte mehr, scheitert jedoch wegen der mäßigen Fahreigenschaften am Prädikat "empfehlenswert“. Das darf sich der Goodyear mit Rang fünf ans Profil heften, der sich im Grenzbereich umgänglich gibt und vor allem bei Nässe punktet. Für die Empfehlung "sehr empfehlenswert“ beim Winterreifentest reicht es dem Ultragrip 8 Performance dennoch nicht. Dieses Urteil gilt für den Schneespezialisten und auch sonst sehr ausgewogenen Dunlop Wintersport 4D, der sich bei Trockenheit ebenfalls keinen Fehltritt mehr leistet.

Vier Winterreifen sind sehr, nur zwei bedingt empfehlenswert Jedoch wirkt der Pirelli Sottozero III auf trockenem Asphalt noch direkter, bei höheren Geschwindigkeiten etwas stabiler, zieht dadurch mit dem Dunlop gleich und holt sich somit ebenfalls die höchste Auszeichnung im Test. Gleiches Lob gilt für den Continental Winter Contact TS 830 P, der allerdings noch ein Pünktchen beim Winterreifentest mehr einfährt, weil er die beste Bremsleistung zeigt, ohne im Handling indirekt zu wirken. Für den Michelin Pilot Alpin PA4 reicht es trotzdem nicht. Der Franzose holt überzeugend den Testsieg, weil er bei trockener Fahrbahn das extrem hohe Niveau hält, das ihm bereits bei Nässe und Schnee Bestnoten einbrachte. Auch bei schnellen Spurwechseln bleibt der Audi TT RS beim Winterreifentest der Dimension 245/40 R18 mit dem Michelin bestückt sehr stabil. Den Elchtest würde er somit locker meistern. Aber der Namensgeber für dieser Ausweichübung hat sich ja vorsorglich lieber in den finnischen Wäldern versteckt.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-11-19

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