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Testbericht

22. Juni 2016
Ernster als bisher soll er dreinschauen, der facegeliftete VW Up. Auch wenn er vorher nicht der aufgesetzte Dauer-Lächler war: Dank markanter horizontal am Frontschweller verlaufender Kunststofflinien wirkt der Up nach dem Facelift konzentriert und wenig spaßversteherisch. Er steht optisch breiter da, ohne breiter zu sein. Seine Außenspiegel tragen jetzt Blinklichter und in Sachen Hülle will man an individualisierungssüchtige junge Kundschaft ran: 13 Karosserie- und drei Dachfarben sowie zehn verschiedene Folien lassen sich kombinieren – bis jeder das Gefühl hat, einen einzigartigen Up zu fahren. Am Heck gewinnt der kleine Up durch einen neuen Diffusor und mit frisch geschnittenen Heckleuchten ein wenig an Schärfe.Die Innenraummaße haben sich nicht geändert – schließlich bietet der Up ohnehin beinahe die Platzverhältnisse eines VW Polo. Somit sind die Köpfe und Schultern selbst großer Fahrer nie eingeengt, die Beinfreiheit in der zweiten Reihe ist bei zwei 1,90-Riesen vorne dann aber eher etwas für Kinder. Das Lenkrad lässt sich nur vertikal verstellen, die Entfernung zum Fahrer lässt sich nicht verändern. Dies gilt auch für das neue optionale Multifunktionslenkrad (335 Euro).

Optionale Smartphone-Anbindung im VW Up 1.0 TSI
Gegen 300 Euro Aufpreis (Radio "composition“ Phone für 130 Euro und Smartphone-Halter "maps more dock“ für 170 Euro ab der zweithöchsten Ausstattung "move up!“) wird der VW Up zu einer praktischen Smartphone-Hülle. Die dafür vorgesehene Halterung thront mittig auf dem in zehn Designs verfügbaren Armaturenbrett.Sie verträgt Smartphones mit einer Bildschirmdiagonale von bis zu 5,5 Zoll (zirka 14 Zentimeter, wie zum Beispiel iPhone 6 Plus). Die Halterung sollte fest zugedrückt werden, sonst klappert das Telefon hemmungslos. Für Sitzriesen, die von oben auf das in der Halterung sitzende Smartphone schauen, verdeckt der obere Klemm-Arm ein Stück des Bildschirms.Der Anschluss des Smartphones erfolgt über ein USB-Kabel, VW bietet dafür demnächst ein kurzes Kabel an, bei unserem Test musste noch das viel zu lange, im Lieferumfang des Telefons enthaltene, Serien-Kabel um die Halterung geschlungen werden, um eine frei baumelnde Schlinge zu vermeiden, was sehr nach einer Nachrüst-Lösung aussieht. Ein klassisches Einbau-Navi ist für den Up nicht zu haben. Die TomTom-Navigation über die App funktioniert okay, wer lieber mit Google Maps oder einem anderen Navigationssystem arbeiten möchte, kann die "maps more dock“-VW-App ausgeschaltet lassen und einfach die Apps seines Smartphones nutzen.

VW Up auf Wunsch mit kalifornischem Sound
Das Sondermodell "Beats“ ist stückzahlenmäßig und zeitlich unbegrenzt verfügbar. Während VW bei seinen größeren Modellen mit Fender aus Scottsdale in Arizona und Dynaudio aus dem dänischen Skanderborg zusammenarbeitet, trägt bei den kleineren Modellen jetzt die Kooperation mit dem Audio-Spezialisten Beats Electronics aus Santa Monica in Kalifornien Früchte. Einer der beiden Gründer des für seine mit einem markanten "b“ versehenen Kopfhörer bekannten Unternehmens ist der US-Rapper Dr. Dre (André Romell Young). Die Trennung vom kalifornischen Kooperationspartner Monster Cable Products im Jahr 2012 soll der Soundqualität der Beats-Produkte, sagen wir mal, nicht geschadet haben. Inzwischen gehört Beats Electronics zu Apple. Sechs Lautsprecher und ein Achtkanal-Verstärker kümmern sich im Sondermodell um das akustische Wohlergehen der Insassen. Die Beats-Audioanlage ist nicht zwingend an das Sondermodell gekoppelt, sie wird gegen Zahlung von 425 Euro auch in Ups der höchsten Ausstattungslinie "high up!“ eingebaut.

Mr. Burns Traum
Beim Lenken merkt man es am intensivsten: Der neue VW Up will ein leicht einzuparkendes Stadtauto sein. Selbst der körperlich ultraschwache Kernkraftwerk-Besitzer Mr. Burns aus der Zeichentrickserie "Die Simpsons“ würde mit dieser Lenkung locker fertig werden. Wer sich erstmal an den geringen Lenkwiderstand gewöhnt hat, kann allerdings mit dem Steuerrad sehr präzise die Linie vorgeben. Auf der Autobahn wäre Mr. Burns dann aufgeschmissen: Die Servounterstützung sinkt bei steigender Geschwindigkeit, auf einmal arbeitet die Lenkung mit dem genau richtigen Widerstand. Und das Fahrwerk haben die Ingenieure straff genug auch für etwas engagierter angegangene Kurven abgestimmt. Selbst mit selten tiefen Schlaglöchern wird der neue Up gut fertig, ein komfortabler Luxus-Gleiter kann er allerdings schon wegen seines kurzen Radstandes von 2.407 mm nicht sein.

VW Up TSI 2016 mit Dreizylinder-Turbo
Der Up ist jetzt auch mit einem 90 PS leistenden 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbo zu haben. Er ist meist kaum zu hören. Wenn, dann knurrt er leise vor sich hin. Das Aggregat kommt, wie auch die anderen Up-Verbrennungsmotoren, ohne Ausgleichwelle aus. Und es hat mit dem Eintonner leichtes Spiel: In 9,9 Sekunden sind 100 km/h erreicht, maximal knurrt sich der Kleine mit manierlichen 185 km/h über die Autobahn. Auf ebener Strecke ist mit der manuellen Fünfgang-Schaltung sogar recht schaltfaules Fahren drin, bergauf ist es dann aber von Vorteil, den Knüppel durch die Gassen Richtung untere Gänge zu jagen. Das funktioniert unspektakulär und unhakelig. Ab 140 km/h hält sich die Beschleunigungswut in Grenzen, was für einen Kleinwagen vollkommen in Ordnung ist. Richtig munter arbeitet das Motörchen ab 1.500 U/min, dann liegt das maximale Drehmoment an. Auf dem Prüfstand ist der Up TSI im Schnitt mit 4,4 Liter pro 100 Kilometer dabei, wir haben ihn bei viel Kleinstadt-Verkehr und Stop&Go in hügeligen Regionen nicht über 4,8 Liter bekommen – klein außen, groß innen und dazu noch genügsam – ein echter Volkswagen. Außer vielleicht beim Preis.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-06-22

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