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Testbericht

7. Dezember 2018

Sie nannten ihn Montana. Denn als sie sogar am Mittellandkanal meinten, den Trend nicht länger ignorieren zu können, entwickelte VW einen SUV auf der Basis des Golf. Von dem bekam er Motoren, Getriebe und Allrad, dazu gab es 6,3 cm mehr Bodenfreiheit und eine rustikale Rundumbeplankung. Auf 4,25 Metern Länge ist Raum für vier und etwas Abenteuer. Sie ahnen es – wo wäre sonst die Pointe –, das war nicht jetzt beim VW T-Roc, sondern im Mai 1990.Damals startete die Produktion des statt Montana dann doch Country genannten SUV auf Golf-II-Basis.

Den Golf Country wühlen immer alle hervor, um zu schlaumeiern, dass alles schon mal da war. Zudem gilt der Land-Golf bei VW wohl nach drei Jahrzehnten noch als mahnendes Beispiel dafür, wie es gehen kann, wenn man mutig und früh voranschreitet, anstatt spät hinterherzutrödeln – nach hinten los nämlich. Trends traut VW seither erst, wenn sie sich zum Massenphänomen entwickelt haben. So haben sie nach dem Debüt des Mini Countryman lange nur Gründe entwickelt, sich vom SUV-Boom nicht mitreißen zu lassen. Ja, Vorsicht ist der bessere Teil der Tapferkeit. Eine für VW treffende, doch keineswegs neue Erkenntnis. Stammt sie doch von 1597 und William Shakespeare. Der – so viel Theater muss sein – lässt das im ersten Teil von „Heinrich IV.“ Sir John Falstaff sagen, nachdem dieser sich tot gestellt hat und so einem Duell entkommen ist.

Innenraum: T-Roc funktional, Mini familientauglich
Die Totstellerei jedenfalls ist bei VW seit dem Start des T-Roc vorbei. Der fordert nun den Mini Countryman heraus. In den Abmessungen ähnelt er dem Golf II Country, teilt sich mit dem Golf VII den quermodulierten Unterbau und den Antrieb – hier den Zweiliter-TDI, das Siebengang-DSG und den Allrad mit Haldex-Kupplung. Während der 2.0 TDI 4Motion mit DSG schon die Spitze der T-Roc-Preisliste bildet, logiert der Cooper D All4 eher so in der Halbhöhenlage des Countryman-Tarifplans. Das erklärt sich auch damit, dass er sich das Unterzeug mit dem teuren BMW X1 teilt.

Obwohl ein Mini immer erhabener über Fragen von Geld und Raum war, schafft der aktuelle Countryman auf 4,30 Metern ein familientaugliches Platzangebot, ist aber im Vergleich zum T-Roc innen schmal. Die Rückbank kann längs rücken, die Neigung der dreiteilig umklappbaren Lehne variieren. So packt der Mini nicht nur mehr Gepäck als der VW, sondern verstaut es auch cleverer.Dass sich Pilot und Co auf den haltstarken Mini-Sportsitzen besonders innig ins Auto integriert fühlen, gründet nicht etwa in einer tieferen Sitzposition. Die liegt wie beim VW auf sacht abgehobenen 57 cm. Doch das weit nach vorn gezogene Dach, kleine Seitenfenster und steile Dachsäulen bringen eine Heimeligkeit, wie es sie eben nur in einem Mini gibt.

Auch die Bedienung zählt zu den charakterbildenden Elementen des Wagens. Die wirklich wilden Zeiten sind vorbei, als das Cockpit mit lichtumranktem Zentraltacho aussah wie ein Glücksspielautomat.Aber eine gewisse freiheitliche Grundunordnung wahrt der Mini Countryman allein schon mit der Leiste von Kippschaltern. Seit der jüngsten Modellpflege hat die Tankanzeige eine kräftigere, besser ablesbare Farbe, und mit dem Drehdrücker lassen sich die tiefen Menüs für Infotainment und Assistenz zweckmäßig durchstöbern.

Der stilistischen Flippigkeit bleibt VW unverdächtig. Da können uns die grellorangen Blenden nicht, nun, nicht blenden. Jedenfalls sieht es im VW T-Roc eben aus, wie es so aussieht in einem VW: alles funktional und eingängig sortiert, dazu große Ablagen, leicht verständliche Infotainment-Menüs und ein kleines, bis auf den übergriffigen Spurhalter gut aufgestelltes Assistenzarsenal. Die umstandskrämerische Bedienung der Digitalinstrumente stellt ein Problem dar, das sich leicht dadurch umgehen lässt, dass man die 500 Euro Aufpreis dafür spart.Und jetzt ein Wahnsinnsübergang, denn: Gespart hat schließlich auch VW, etwa an der Materialqualität. Selbst wenn man sich trotz 32.000 Euro Kaufpreis für den Top-T-Roc mit dem vielen preisoptimierten Kunststoff drinnen arrangieren kann – der Deckel fürs Handschuhfach sollte schon gerade sitzen.

Ähnlich ambitionsarm präsentiert sich die Variabilität: Es gibt eine geteilt klappbare Rücksitzlehne, eine kleine Durchreiche und eine flachlegbare Beifahrerlehne, das war’s. Den höhenverstellbaren Ladeboden haben wir nicht vergessen, denn der lässt sich beim Allradler nicht nach unten setzen, da der Kofferraumboden uneben ist. Ja, das mag eine Kleinigkeit sein. Aber es sind eben immer Kleinigkeiten, die gut konstruierte von perfekt durchkonstruierten Autos unterscheiden.

VW T-Roc mit großem Diesel schwerfällig
In der Basis mit kleinem Benziner, ohne Allrad und Automatik, kostet der VW T-Roc 10.000 Euro weniger – da lässt sich leichter über so was hinwegsehen. Vor allem aber: Der T-Roc mit allem fährt einfach nicht so, tja, so schön wie die Basis. Es sind sicher die 285 kg Mehrgewicht zum Einstiegsmodell 1.0 TSI, die aufs Temperament drücken, aber womöglich auch die Ernsthaftigkeit, mit der er sich nun an Vollwertigkeit versucht. 150 PS und 340 Nm klingen ja nach einer Menge für so ein kleines Auto, und bei den Fahrleistungen liegt er vor dem gleich starken Mini.Doch wirkt der Zweiliter-TDI seltsam unwirsch, dreht dröhnig, zieht ohne die Wucht, die man von einem Turbodiesel erwartet. Dass er sich nicht so souverän anfühlt, liegt auch an der Doppelkupplungsbox. Sie schaltet eher versonnen als spontan, irrlichtert plötzlich hektisch durch ihre sieben Gänge, ruckt mal zwei, drei Gänge hintereinander herunter. So steht auf einmal so viel Kraft bereit, dass die Haldex-Kupplung kaum hinterherkommt, einen Teil an die Hinterräder zu leiten.

All das stört den Fluss beim Fahren im VW T-Roc 2.0 TDI, der wegen der weniger direkten und rückmeldungskühleren Lenkung eh nicht so beherzt um die Ecken kurvt. Immerhin steckt er mit der komfortableren Fahrwerksabstimmung kurze Unebenheiten sorgsamer weg als der Mini. Doch scheint es, als sei der T-Roc mit starkem Diesel und Allrad etwas aus der Balance.

Mini Countryman: Handling
Der Countryman, heißt es ja oft, sei auch nicht mehr so ein charmanter Kurvenbezirzer wie früher. Stimmt, seit alle Mini-Modelle auf der UKL-Plattform von BMW sitzen, fehlt ihnen beim Handling der letzte Biss. Aber es reicht noch locker, um den T-Roc zu schnappen. Mit der strafferen Abstimmung federt der Mini kurze Wellen herber, doch ohne fiese Härte weg. Und das mit dem Kurvenfahren hat er noch immer richtig drauf. Seine sacht schwergängige, fast hibbelig-direkte Lenkung führt ihn mit hoher Präzision und intensiver Rückmeldung durch Kurven. In denen schubbert er nicht früh ins Untersteuern wie der T-Roc, sondern bleibt neutral, drängt bei Lastwechseln sacht mit dem Heck, das vom ESP aber eilig eingefangen wird.

Es wirkt so vieles direkter, ansatzloser, energischer beim Mini, und dazu gehört auch der Antrieb. Bei Leistung, Drehmoment, Hubraum, Testverbrauch (beide 7,1 l/100 km) gleichen sich beide, aber der Countryman inszeniert die Kraft mitreißender. Das liegt auch an der Achtstufenautomatik (den neuen Siebengang-Doppelkuppler bekommen nur die Benziner), mit dem der kultivierte Diesel verbandelt ist. Sie schaltet punktgenau und bei Eile spontan, aber ohne Hektik und lässt auch das Ruckeln sein, mit dem das DSG den VW T-Roc immer mal durchzuckt. So fühlt sich der 65 kg schwerere Mini trotz etwas milderer Fahrleistungen temperamentvoller an. Doch er siegt mit höherer Variabilität, soliderer Verarbeitung und aufwendiger gereinigten Abgasen. Erstaunlich seriöse Stärken für einen Mini, dem man sonst gern nachsagt, er jage jedem Roc-Zipfel hinterher.

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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2018-12-07

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