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Testbericht

26. Februar 2011

Er wirkt wie ein guter Freund, der neue VW Passat Variant.Wie einer, den man schon seit mindestens fünf Jahrenkennt. Einer, der einem zu Beginn der Bekanntschaftnoch etwas suspekt vorkam mit seinem langen, fußgängerschützendenVorbau, dem knubbeligen Zündschlüsselsamt Starterschacht. Und erst die elektrische Feststellbremsemit Taste links am Armaturenbrett und der Verzicht aufsserienmäßige Radio, der Knauserer zu trällernder Selbsthilfeverdonnerte. Andererseits – bis auf diese kleinen Schnurrenfuhr der Mittelklasse-VW mit feinen Manieren, viel Platzund gutem Komfort mittenmang in die Herzen der Mittelklasse-Kundschaft. Zumal Volkswagen nicht nachließ, den VW Passat antriebsseitig am Puls des Fortschritts zu halten. Ganz gleichob mit kleinvolumigen Turbomotoren, Doppelkupplungsgetriebenoder Energiespar-Ausrüstung.

Evolution statt Revolution im neuen VW Passat Damit ist klar, dass es VW Passat Nummer sieben beim Abnabelnschwer haben muss. Vielleicht haben sie ihn deshalb nursanft gepflegt statt radikal revolutioniert. Wozu auch dasRad neu erfinden? Passat, da weiß man, was man hat – fertig.So entschieden sich die Strategen für ein Edel-Faceliftim Wortsinn, beginnend beim Kühlergesicht. Hinfort mitdem chromglänzenden Lätzchen samt dessen mildem Lächeln,her mit dem strengen Look der aktuellen VW-Flotteplus leicht staatstragendem Touch. Verziert mit neuenScheinwerfern samt LED-Tagfahrlicht, gegen Aufpreis mitBixenon und umfangreichen Adaptiv-Funktionen, dürfenes im VW Passat nun auch Familienväter und Außendienst-Profis im Stilder Oberklasse strahlen lassen. Alles außer Weiß kostet im Passat extra Im Innenraum ebbt die Aufwertung dann etwas ab. Passat-Kennerbeherrschen die Bedienung wie im Schlaf, notorischeVW-Verweigerer fallen vor Langeweile eher in einen solchen.Während der Fahrt steht dem im VW Passat ein Müdigkeitsassistententgegen. Er ist ab der mittleren Ausstattungslinie Comfortlinieserienmäßig (sonst in Verbindung mit dem Tempomat250 Euro teuer, jedoch nicht in Kombination mit dem Spurhalteassistent).Ebenfalls serienmäßig: die Lackfarbe Candyweiß– alle Alternativen kosten extra. Ebenso wie eineüppige Extra-Armada, die den Grundpreis des VW Passat Variant 2.0 Blue TDI Highline von 34.725 Euroweiter hochtreibt. Wie gehabt platziert der VW Passat seine Insassen ebensobequem wie ergonomisch korrekt ohne jegliches Gefühl derEnge. Instrumente und Bedienelemente sind durchweg vorbildlichangeordnet, die Menus durchschaubar strukturiert.Große Runduhren informieren ebenso schick wie eindeutig,unterstützt vom neuen farbigen Mittendisplay, bekannt ausden feinen Geschwistern Touareg und Phaeton.Bekannt aus dem Vorgänger: die solide Verarbeitung sowiegroßzügige Ablagen in Türen und Mittelkonsole des VW Passat, die Atlantenund Wasserflaschen ohne Quetschungen aufnehmen.Nun, Atlanten kann sich sparen, wer in die GPS-Navigationinvestiert. Das vertraute Top-System RNS 510 etwa lotst für2.410 Euro mit Berührungsbildschirm und deutlicher Grafik.

Assistenz-Armada im neuen VW Passat Diese erstreckt sich auch auf die Unterhaltungsabteilung,die per Festplatte, USB-Stick oder iPod musiziert. Das fürPassat Nummer sieben weniger harsch abgestimmte Dynaudio-Soundsystem kostet 1.185 Euro. Angesichts der harten,verfärbten Stimmenwiedergabe könnte man trotz ordentlichemBass und gutem Raumklang das Geld auch anderweitiginvestieren. Etwa in die Assistenzsysteme des neuen VW Passat, wo VWein großer Schritt nach vorn gelang – ob beimbis zum Stand abbremsenden Abstandsregeltempomat,dem Notbremsassistent oder derautomatischen Notbremsfunktion (Siehe Subartikel "Assistenzsysteme").Vor dem Bremsen kommt aber erst maldas Fahren, und da merkt der Kenner nachwenigen Metern: Hurra, es ist ein VW Passat! Allerdingseine ganze Klasse leiser, dank neuermehrlagiger Frontscheibe mit Akustikfolieplus anderen Dämmmaterialien (Serie) sowievorderen Seitenscheiben mit Doppelverglasung(Option). VW Passat spurtet in 10,5 Sekunden auf Tempo 100 Im übrigen ist der VW Passat noch ganzder Alte. Verzichtet auf den letzten Rest trockenenBiss bei Lenkung und Handling, entspannt den Fahrerdafür mit einer beruhigend verlässlich wirkenden, proportionalreagierenden elektromechanischen Lenkung.Sie teilt ihm das mit, was er wissen muss – mehr nicht.Stößigkeit, heftige Antriebseinflüsse? Keine Spur. Auch daskomfortabel abgestimmte Fahrwerk des VW Passat mit Vierlenker-Hinterachseund optionalen Adaptivdämpfern (DCC) entsprichtdem des Vorgängers. Gut so, denn der 4,77 Meter lange1,7-Tonner rollt bis auf gelegentliches Vorderachs-Stuckernsauber ab, kassiert kurze wie lange Unebenheiten willig,spielt selbst im Sportmodus nicht den Plombenrüttler. Damit kommen sogar aufgekratzte Fahrer standesgemäß voran,wobei der 140 PS starke Zweiliter-TDI mit Harnstoffeinspritzungnicht zu den krawalligen Zieherngehört. Dank dem optionalen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe im VW Passat weitgehend vonseiner leichten Anfahrschwäche befreit,kombiniert er durch penible SCR-AbgassäuberungEuro 6-Reinheit mit ausreichendLeistung sowie 320 Newtonmeter Drehmoment.Genug für den Null-auf-100-Sprint in10,5 Sekunden und problemlose Zwischenspurts,vor allem aber für effektive Temposchnitteauf der Langstrecke. Hilfreich dabei:das niedrige Drehzahlniveau und derFreilauf beim Gaswegnehmen.

VW Passat mit 7,1 Liter Testverbrauch Letzterermissfällt beim automatischen Wiedereinkuppeln jedochdurch ein kurzes ungewohntes Bremsmoment. Das serienmäßigeStart-Stopp-System des VW Passat arbeitet hingegen schnell undunauffällig. Insgesamt erzielt der VW Passat Blue TDI günstigeKraftstoffverbräuche zwischen 5,4 und rund neun Liter, imSchnitt verlangt er 7,1 L/100 km. Fahrdynamisch erfüllt der VW Passat Variant mit seiner Bereifungim Format 235/45-17 – serienmäßig und mit selbstheilendemInnenleben – mehr als den Längs- und Querbeschleunigungsbedarfdurchschnittlicher Familien. Es seidenn, sie möchten den Innenraum nach jeder ambitioniertgenommenen Kurvenstrecke auf dem Weg zu Kindi oderOmi auskärchern. Wobei sich der VW hier pflegeleicht gibt– zumindest die unteren Passagen im Cockpit und sonstigenInnenraum bestehen aus wischfreundlichem Hartkunststoff. VW Passat bietet bis zu 1.731 Liter Kofferraumvolumen Der Kofferraum des VW Passat besteht hingegen vor allem aus Platz – viel Platz.Hinter der großen Heckklappe warten 603 Liter, sobald dieRücksitzlehnen flachliegen, sind es bis zu 1.731. Der Befehldazu kann nunmehr per Zug an einer Taste im Laderaumerfolgen. Nach wie vor müssen danach zugunsten einer ebenenLadefläche die Sitzflächen runter, die Kopfstützen rausund rein in fummelige Halterungen.Eines gibt es beim neuen, zielführend gepflegten VW Passat Variant im Gegensatz zur Limousine allerdings nicht einmalgegen Aufpreis: die Möglichkeit, den Kofferraum beimschlüssellosen Zugang per kickartiger Fußbewegung zu öffnen.Schon klar – irgendein Kunststückchen müssen sie sichja noch für Passat Nummer acht aufheben.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-02-26

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