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Testbericht

24. November 2011

Man soll nicht alles glauben, was die Werbung sagt. Das wissen wir schon seit den Zeiten, als wir noch mit dem Bobbycar um den Christbaum gedriftet sind. Aber wenn Toyota in seinem Fernsehspot für den neuen Toyota Yaris vor allem die "Rückfahrkamera serienmäßig" auslobt, dann sollte was dran sein, oder? Hier eignet sich die gute alte Radio-Eriwan-Antwort: im Prinzip ja, aber nur wenn man die beiden Einstiegsvarianten des Toyota Yaris auslässt und direkt auf die dritte von fünf erhältlichen Ausstattungsvarianten namens Life springt. Für Basis und Cool ist kein Toyota-Touch-System mit für die Heckkamera logischerweise notwendigem Bildschirm erhältlich. Es wäre auch sehr optimistisch anzunehmen, zur rangiererleichternden Linse gehöre zwangsläufig eine akustische Einparkhilfe. Die kostet 350 Euro zusätzlich, und zwar für alle fünf.

Toyota Yaris 1.4 D-4D holt Google und Facebook ins Cockpit Wer sich mit dem Toyota Yaris 1.4 D-4D vertraut machen will, tut gut daran, nicht nur genau in die Preisliste, sondern auch in die Bedienungsanleitung zu schauen. Zum Glück verkauft sich der kleine Japaner bisher vor allem bei Frauen, und die gucken bekanntlich uneitler als Männer in Anleitungen. Dort findet sich nicht nur ein Hinweis auf den im Handschuhfach versteckten USB-Anschluss, sondern es wird auch erklärt, wie sich die Datenströme der Connectivity-Welt verlinken. Der Toyota Yaris 1.4 D-4D nimmt also per Bluetooth nicht nur Kontakt zum Telefonbuch eines Smartphone auf, er spült auch Facebook und Google in die Kleinwagen-Bude. Das ist einzigartig in dieser Klasse und wird für einige Nutzer kaufentscheidender sein als das letzte bisschen Ansprechverhalten. Übrigens gibt es außer ESP keine weiteren Assistenzsysteme im Toyota Yaris, die einen retten, wenn man vor lauter Handy-Daddeln das Fahren vergisst. Ebenfalls kaum zu glauben: Wenn die weltweiten Netze mal gespannt sind, lässt sich der Toyota Yaris 1.4 D-4D mit einem ganz profanen Dreh am Zündschlüssel in Bewegung setzen. Es nagelt, es vibriert, es ist ein Diesel. Keiner der sanften, aber auch keiner der rüden Sorte, obwohl sich der 1,4-Liter-Common Rail kleinwagengemäß gebärdet. Die Kupplung wehrt sich noch auf den ersten Zentimetern, die sechs Gänge rasten sauber ein, und der 1,1-Tonner spurtet, leicht turboverzögert, kraft seiner 205 Nm ab 1.800 Touren munter und elastisch. Das macht Spaß, und auf diese Eigenschaft scheint man in Toyota-City endlich nicht mehr verstohlen zu blicken wie auf ein Pin-up-Girl.

Überraschend wuseliger Toyota Yaris 1.4 D-4D Der spurverbreiterte Fronttriebler Toyota Yaris 1.4 D-4D wuselt auf seinen 16-Zoll-Rädern talentiert und überraschend engagiert, bevor das ESP fahrerischen Übermut eindeutig in seine Grenzen weist. Doch bessere Agilität ist oft ein Januskopf, und auch beim Toyota Yaris geht sie einher mit rüdem Holpern über Querfugen und einer um die Mittellage zu nervösen Lenkung. Abhilfe? Kleinere Räder mit höheren Flanken bestellen. Für die schon ab Tempo 80 anhebenden Windgeräusche um die A-Säule bräuchte es da schon gröbere Karosserieveränderungen. Was verbraucht der Toyota Yaris 1.4 D-4D denn? Die umfangreiche Balkengrafik im Touchscreensystem schwingt sich bei normaler Fahrweise um die sechs Liter/100 km ein, auf der sehr behutsam gefahrenen Minimalverbrauchsrunde schaffte er es nicht ganz unter vier. Konsequent ökologisch tickt Toyota leider nur beim Prius: Eine Start-Stopp-Automatik gibt es für den Diesel nicht. Auf leicht erhöhter Position und bequemem Sessel mit großer Beinauflage huscht der Pilot im Polo-Konkurrenten Toyota Yaris durch die Stadt. Durch die vorderen Dreiecksfenster lässt sich der Kreuzungsverkehr gut überblicken. Für U-Turns eignen sich jedoch eher Boulevards als Gassen, denn bis zu 12,3 Meter (rechts herum) Wendekreis unterbieten inzwischen sogar einige SUV.

Luftiger Raum dank gewachsenem Radstand Bei der Gestaltung von Armaturenbrett und Bedienung des Toyota Yaris 1.4 D-4D gab es wohl Entwicklungs-Tage mit gutem und schlechtem Feng Shui: Während sich Infotainment und Klimaanlage unkompliziert steuern lassen, muss die Fahrerhand zur Anwahl der Bordcomputer-Werte im Zentraldisplay durch(!) den Lenkradkranz greifen. Dabei wäre doch auf den Lenkstockhebeln oder dem 12,5 Zentimeter breiter gewordenen Armaturenbrett noch genug Platz für eine weitere Taste gewesen. Die Zeiten, als Teile des Yaris-Armaturenbretts zum Teil schief standen wie ein Tofublock im Taifun, sind zwar vorbei, doch fiese Grate kratzen an den Fingerkuppen, und bei Materialfestigkeit kennt die Klasse Bessereres. In Kleinwagen-Dimensionen darf geladen werden, bis die Wirbelsäule glüht. Nicht nur der Innenraum des Toyota Yaris präsentiert sich durch gewachsenen Radstand und Breite auch im Fond luftig, der Kofferraum beherbergt 286 Liter. Es fehlt jedoch die praktische, verschiebbare Rückbank des Vorgängers. Wer dann weitere Plätzchen für Flaschen und Krimskrams sucht, wird von einem ganzen Trupp an Ablagen und Cupholdern bedient. Praxistauglich ist er, sicher auch: Im Euro-NCAP-Crashtest erknautschte sich der Toyota Yaris fünf Sterne und blies dabei seine sieben serienmäßigen Airbags auf. Bei auto motor und sport verzögern seine vier Scheibenbremsen zudem zügig und standfest. Und der Preis? Der Toyota Yaris geht zwar bei 11.675 Euro los, doch dann fehlen Radio wie Klimaanlage. Für den getesteten Toyota Yaris 1.4 D-4D Club sind mindestens 18.750 Euro fällig. Am teuren Yen kann es nicht liegen, der Toyota Yaris entsteht in Frankreich. Zu den Zeiten, als Toyota besonders preiswert war, sind wir mit dem Bobbycar noch ... na, Sie wissen schon.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-11-24

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