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Testbericht

13. September 2009

Britischer Humor kann ganz schön gemein sein. Die Hybrid-Modelle von Toyota , so schrieb ein Fachjournalist von den Inseln, "sind etwas für Menschen, die Autos überhaupt nicht mögen". Steckt da ein Körnchen Wahrheit drin? Ist Sparen das Gegenteil von Spaß?

Beverly Hills fährt Toyota Prius Die Amerikaner sehen das anders: Der Toyota Prius verbreitet sich im Land der dicken SUV und Pickup schnell wie eine Spam-Mail. In der Edel-Gemeinde Beverly Hills, wo das Auto wahrhaftig nicht dem traditionell verstandenen Fahrspaß, sondern allein der Stützung des eigenen Egos dient, fährt höchst selbstbewusst Toyota Prius ( der Toyota Prius im Fahrbericht ), wer sich als weltoffener und umweltbesorgter Intelligenzler präsentieren möchte. Im Rolls spielt man dort die prollige Prinzenrolle. Es kommt also auf den Standpunkt an. Mit minimaler Beanspruchung der natürlichen Ressourcen von A nach B zu kommen, hat durchaus seinen Reiz. Der Toyota Prius beweist das auf einer Tour von Stuttgart durch den Schwarzwald bis zum Kaiserstuhl. Der Toyota Prius besteht die Öko-Prüfung Ein bisschen Autobahn, viel gewundene Landstraße. Der Fahrstil: keineswegs bewusst öko, zügig überholend, wenn sich die Gelegenheit bietet. Nach 208 Kilometern der Tankstopp: Lächerliche 10,7 Liter gluckern in den Tank, der Durchschnittsverbrauch liegt bei 5,1 Liter/100 km. Rückfahrt auf der Autobahn. Es sind längere Vollgasetappen möglich, bei denen sich der Prius nach quälend langem Anlauf bis auf 190 km/h schraubt. Durchschnitt 8,4 Liter. Über den gesamten Test ergeben sich 5,9 Liter, und das ist ein Wort für ein familientaugliches Auto, das vier Personen bequem Platz bietet. Das Zusammenspiel eines Elektromotors mit einem in der jüngsten Prius-Generation nun 1,8 Liter großen Vierzylinder besteht die Öko-Probe also mit Bravour. Im reinen Elektrobetrieb schafft der Toyota Prius 1,5 Kilometer Weil im Alltag nicht getestet wird, wird die Vier vor dem Komma zur viel erlebten Realität. Allein schon die Anzeigen im Cockpit, die über den Kraftfluss und den Verbrauch informieren, stellen eine ständige Herausforderung dar, nach neuen Verbrauchsrekorden zu jagen. Wer das Gaspedal ganz niedertritt, tut dies automatisch mit schlechtem Gewissen. Da reizt es eher, den per Tastendruck anwählbaren EV-Modus zu prüfen. In dem fährt der Toyota Prius voll elektrisch, der Verbrennungsmotor ruht. Das geht bis maximal 45 km/h, also bestenfalls in der Stadt. Und nicht lange. Wer 1,5 Kilometer schafft, bis die Batterie mangelnde Kapazität signalisiert, darf sich schon auf die Schulter klopfen. Es reicht immerhin, um in Parkhäusern abgasfrei zu manövrieren oder im Stop and- go-Verkehr den Benzinmotor für längere Zeit zum Schweigen zu verurteilen.

Das Fahrverhalten des neuen Toyota Prius hat sich verbessert Das lässt ahnen, welches Potenzial im Hybrid steckt und dass er in der Zukunft, mit der Weiterentwicklung der Batterietechnik, noch weit mehr können wird. Gegenüber seinem Vorgänger hat der Prius jedenfalls einen ordentlichen Sprung in der Antriebstechnik nach vorn gemacht. Aber auch sonst ist er ein eindeutig besseres Auto geworden. Die Lenkung reagiert spontan und direkt, sie vermittelt sogar einen Hauch sportlichen Handlings. Das Fahrverhalten wurde insgesamt behänder - ein moderner Fronttriebler eben, der problemlos und auf Wunsch auch schnell durch die Kurven schnürt, auf der Autobahn solide geradeaus läuft und sich durch gute, wenn auch nicht herausragende Bremsen auszeichnet. Wichtiger noch: Der Federungskomfort hat zugelegt. Der Toyota Prius bügelt die Straßen zwar nicht sänftenartig glatt, aber er vermag Bodenwellen so zu absorbieren, dass sie bei der reisenden Besatzung nicht zum diskussionswürdigen Thema werden. Der Prius-Motor arbeitet mit dem Atkinson-Prinzip Da gibt es andere. Beispielsweise die dominierenden Windgeräusche bei hohem Tempo und das ungewöhnlich laute Abrollen der Reifen, die sich auf der Autobahn zu einer lästigen Kakophonie vereinen. Oder auch der Motor. Der arbeitet nach dem so genannten Atkinson-Prinzip . Das hat etwas mit den Steuerzeiten der Einlassventile zu tun, verbessert die Effizienz im oberen Drehzahlbereich und reduziert die Notwendigkeit, unter Volllast das Gemisch anzufetten, was der Schadstoffemission und dem Verbrauch gut tut. Wer Details liebt: Wikipedia.de liefert mehr, als Sie vermutlich wissen wollen. Manches davon merkt man beim Fahren. Die Atkinson-Steuerung beeinträchtigt die Drehmomententwicklung im unteren Drehzahlbereich, weshalb man ruhig behaupten darf, dass der Verbrennungsmotor wohl kaum seinen mittlerweile über 100-jährigen Siegeszug angetreten hätte, wenn Atkinson die Grundlagen geliefert hätte.

Der Toyota Prius kann nicht rundum überzeugen Aber in Verbindung mit einem Elektromotor, dessen Durchzugskraft aus dem Stand das ausgleichen kann, wird die Sache wieder interessant. Das Gesamtbild, das entsteht und zu dem als charakterbildender Bestandteil auch die stufenlose Automatik des Toyota Prius gehört, ist dennoch nicht rundum überzeugend. Das Ansprechen auf Befehle des sehr langhubig ausgelegten Gaspedals wirkt speziell im Eco-Modus ausgesprochen zäh. Es gibt auch die Stellung Power, die den Benzinmotor mehr in die Pflicht nimmt, aber die erhöht spürbar den Verbrauch. In jedem Fall wird die Geduld auf die Probe gestellt, bis sich ernsthafter Schub einstellt. Der Fahrer soll zu einer passiven Fahrweise erzogen werden Hinter dieser gewöhnungsbedürftigen Auslegung steckt das Bemühen, den Fahrer zu erziehen - zu einer passiven Fahrweise, die dem Konsumverhalten des Hybridantriebs zugute kommt. In diesem Fall wird auch der Verbrennungsmotor nur am Rande wahrgenommen. Er brummt friedlich vor sich hin und drängt sich nicht in den Vordergrund. Das ändert sich, wenn die Leistung abgefordert wird, die sich in der Summe dessen, was Kolben- und Elektromotor liefern, auf immerhin 136 PS beläuft. Dann heult der Motor gequält auf und verharrt beim Beschleunigen bei einer Drehzahl, in der er den besten Durchzug liefert. Das klingt wie eine alte Waschmaschine im Schleudergang und zerrt auf die Dauer an den Nerven. Also runter vom Gas und Benzin sparen - auch auf freier Autobahn. Toyota Prius fahren heißt umlernen. Abschied nehmen von der Vielzylinder-Drehzahlund- Sound-Verliebtheit, von Turbo- Bumms und feinmechanischer Getriebetechnik. Lieblose Kunststofflandschaft im Toyota Prius Das Fahren reduziert sich wieder auf die Freiheit, die uns das Auto gibt: jederzeit dorthin fahren zu können, wohin wir gerade wollen. Auch das kann Fahr-Spaß sein. Steigerung verspricht eine angenehme Auto-Umgebung, und da wiederum springt der Toyota Prius zu kurz. Die schlechte Übersichtlichkeit seiner Karosserie wird im dichten Verkehr zum Ärgernis, die lieblose Kunststoff-Landschaft seines Interieurs ernüchtert angesichts der Preise, die für diese Toyota-Limousine gefordert werden. Auch die Ergonomie der Bedienung und die verschachtelte Digital-Instrumentierung verdienen keinen Beifall bei einem Produkt, das in die Auto-Zukunft weisen soll. Aber die steht ja auch gerade erst vor einem Neustart.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-09-13

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