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Testbericht

11. Juni 2015
Keine Frage, für Toyota laufen die Geschäfte gut. Mit 10,23 Mio verkauften Autos blieben die Japaner auch 2014 beim Absatz einmal mehr der weltweit führende Autohersteller vor den beiden ärgsten Konkurrenten General Motors und Volkswagen. Auch in Europa stehen die Zeichen auf Wachstum. 888.015 verkaufte Autos in 2014 bedeuten einen Marktanteil von 4,8%. 2012 waren es noch 4,5%.Insbesondere der Avensis, Toyotas Europa-Flaggschiff wurde von den Kunden aber zunehmend links liegen gelassen, was sich in einem Marktanteil von 3,7% im Mittelklasse-Segment widerspiegelt. Die starke Konkurrenz und die wachsende Beliebtheit von SUV-Modellen machen dem zuletzt 2011 renovierten und mittlerweile recht angestaubten Toyota Avensis das Leben schwer. Mit dem Facelift, das ab 20. Juni bei den Händlern steht, soll der Marktanteil wieder auf knapp 5% wachsen. Ein attraktiveres Design, ein hochwertigeres Ambiente im Innenraum sowie eine vollwertigere Sicherheitsaussstattung sollen es richten – zu unveränderten Preisen wohlgemerkt.

Toyota Avensis mit Dieselmotoren von BMW
Von außen betrachtet, könnte man auch meinen, hier hätte gleich ein kompletter Generationswechsel stattgefunden: Front- und Heckpartie des Toyota Avensis wurden komplett neu designt, womit der weiterhin als Kombi und Limousine erhältliche Japaner auch in der Länge um 4 Zentimeter zulegt. Mit den Änderungen an der Karosserie treten beide Varianten sportlicher auf und heben sich gekonnt von ihren Mittelklasse-Konkurrenten ab. Die Linienführung wirkt aber stellenweise auch recht überladen und zerklüftet. Es darf also bezweifelt werden, dass der Avensis mit seinem neuen Look den aktuellen, eher nüchternen Geschmacksnerv europäischer Autokäufer und Flottenmanager trifft. Gut getan haben ihm die optischen Änderungen aber in jedem Fall, denn er wirkt nun viel moderner als noch vor dem Facelift.Modernisiert hat Toyota den Avensis auch unter der Haube. Zwei neue Dieselmotoren und zwei Benziner stehen künftig zur Auswahl. Bei den Selbstzündern profitiert der Avensis von der Toyota-BMW-Kooperation. Bedeutet: sowohl der 112PS starke 1,6-Liter-Diesel, als auch der 2,0-Liter-Diesel mit 143PS stammen aus München, sind aber im Sinne der Sparsamkeit in der Leistung reduziert. Eine stärkere Motorisierung würde dem Avensis gut tun, ist aber ebenso wenig vorgesehen wie ein Hybridantrieb.Dem Avensis 2.0D-4D, für den Toyota den größten Marktanteil vorraussieht, gelingt der Spagat aus souveränen Fahrleistungen und Sparsamkeit am besten. Das maximale Drehmoment von 320Nm zwischen 1.750 und 2.250 U/min. macht aus dem 1,5 Tonnen schweren Avensis 2.0D-4D zwar keinen sportlichen Kombi und verlangt vom Fahrer doch recht häufig den Griff zum knackig geführten Sechsgang-Schaltgetriebe, dafür hält sich der Durst in Grenzen. Der Bordcomputer meldete bei unserer Testfahrt über Autobahn, Stadt- und Landstraßen einen absolut akzeptablen Durchschnittsverbrauch von knapp unter 6 l/100 km. Positiv zu erwähnen ist zudem die angenehm zurückhaltende Geräuschkulisse bei Drehzahlen unterhalb der 3.000er-Marke. Noch komfortabler wäre die Kombination mit einem Automatikgetriebe. Doch das gibt es leider nur für den 1,8-Liter-Benziner.

Komfortables und dennoch straffes Fahrwerk
Mehr Komfort bietet dafür das mit neuen Dämpfern ausgerüstete Fahrwerk, mit dem der Toyota Avensis sowohl agil durch Kurven wedelt, als auch sanft über holprige Straßen federt. Einen großen Teil zum verbesserten Fahrkomfort tragen aber auch die neuen Sitze bei, die Fahrer und Beifahrer mit einer dicken Polsterung verwöhnen, aber leider immer noch mit einem zu kleinen Verstellbereich für die Sitzhöhe nerven. In der zweiten Reihe gibt es am Platzangebot dank der üppigen Beinfreiheit nichts zu meckern und mit einem Fassungsvermögen von 543 bis 1.630 Litern dürfte auch der Kofferraum zumindest beim Touring Sports (Kombi) den alltäglichen Platzbedarf voll abdecken.Weiter aufgerüstet hat Toyota das Angebot an Sicherheitssystemen. Neben dem Notbrems-Assistenten, der künftig serienmäßig an Bord ist, bietet Toyota einen Fernlicht-Assistenten, einen Spurwechsel-Warner und eine Verkehrszeichenerkennung an. Letztere konnte während unserer Fahrt allerdings nicht überzeugen, da das neue 4,2-Zoll-Display zwischen den Instrumenten zu oft falsche Informationen lieferte - zum Beispiel auf der Autobahn, wenn das System Tempolimits in Ausfahrten erkannte, oder die Aufhebung einer Begrenzung nicht sehen wollte. Trotz der technischen Aufrüstung lässt der Toyota Avensis aber weiterhin Mittelklasse-Standards wie zum Beispiel eine Müdigkeitserkennung, einen adaptiven Tempomaten oder eine elektrische Heckklappe für den Kombi vermissen. Dafür gibt es gegen Aufpreis oder an eine Aussstungslinie (Avensis, Comfort, Business Edition, Executive) gekoppelt Voll-LED-Scheinwerfer, elektrisch verstellbare Ledersitze mit Memory-Funktion und ein großes Panorama-Glasdach. Im Vergleich zum Vor-Facelift-Modell wurde auch der Innenraum mit hochwertigeren Materialien und mehr Individualisierungsmöglichkeiten in Form von Dekorblenden aufgerüstet. Das Cockpit bleibt vor allem nüchtern-funktional.Beinahe unberührt von den Facelift-Maßnahmen bleiben die Preise. Je nach Ausstattung verspricht Toyota sogar einen Preis-Vorteil von 200 Euro. Los geht es bei 23.640 Euro für den Avensis 1,6-l-Valvematic (Benziner, Limousine). Den von uns gefahrenen 2.0D-4D Touring Sports (Diesel, Kombi) gibt erst ab der Ausstattungslinie Comfort zum Einstiegspreis von 31.090 Euro. Zum Vergleich: der mit 150PS etwas stärker motorisierte VW Passat 2.0 TDI Variant kostet knapp 4.000 Euro mehr (33.850 Euro).FazitMit dem neuen, sportlichen und zugleich gewagten Design sticht der Avensis in seinem Konkurrenzumfeld klar hervor. Die Dieselmotoren von BMW und das überarbeitete Fahrwerk machen ihn zum entspannten und zugleich genügsamen Alltagsbegleiter. Das verbesserte Preis-Leistungs-Verhältnis und der im Vergleich zum Klassen-Primus VW Passat deutlich günstigere Kaufpreis machen ihn zwar attraktiver, können aber fehlende Technik-Standards nicht wirklich kompensieren.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-06-11

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