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Testbericht

3. Januar 2016
Worte, die wir in diesem letzten Landy-Test vermeiden wollen: Kult, Daktari, cW-Wert, Ölverlust. Ein Wort, das unvermeidlich ist: Abschied. Denn der wird jetzt wirklich, endgültig und unwideruflich eingeläutet, nun ist Schluss mit dem kauzigen Kasten aus dem Königreich. Gut möglich, dass wir dem Land Rover Defender irgendwann einmal wieder begegnen, wenn seine Produktionsanlagen eventuell in einem Land aufgebaut werden, das noch keinen Veilchenduft aus dem Auspuffrohr vorschreibt. Obwohl sie ihm wegen der riesigen Nachfrage nochmals eine Nachspielzeit gegönnt haben – Ende Januar fällt der Hammer. Und für Lagerfahrzeuge werden bereits jetzt Tarife aufgerufen, die sprachlos machen – 50 Prozent und mehr über Listenpreis sind die Regel. Der Nachfolger, soviel steht fest, wird sehr, sehr anders sein und mit ziemlicher Sicherheit keine jahrzehntelange Karriere vor sich haben. Denn bei Land Rover ist inzwischen Lifestyle angesagt.

Land Rover Defender – echte Handarbeit
Taschentücher beiseite, streicheln wir dem 110er noch einmal über die schrullig gewellte Blechhaut, hand made with pride in Solihull, West Midlands. Das mit dem handgemacht darf man übrigens wörtlich nehmen – wohl bei keinem anderen Auto der heutigen Zeit sind Roboter in der Fertigung so machtlos wie beim Land Rover Defender. Auch das ein Grund für die, höflich ausgedrückt, mitunter etwas schwankende Fertigungsgüte des Defender. Dabei haben sie ihm durchaus eine Menge modernes Zeug unter die Blechhaut gesteckt im Laufe der letzten Jahrzehnte, letztlich immer nur davon getrieben, aktuellen Umweltstandards zu genügen. Ansonsten, so ist zu vermuten. würde der Land Rover Defender noch heute mit einem 2,5-Liter-Tdi aus der Werkshalle nageln. Und nicht wenige, der Autor dieser Zeilen eingeschlossen, fänden das ziemlich prima.Die langwierigen Modernisierungsmaßnahmen haben ihn seiner Lüftungsklappen beraubt, die Interpretation eines modernen Armaturenbords Einzug halten lassen sowie in loser Folge neue Motoren. Der endgültig letzte ist nun der seit 2012 installierte 2,2-Liter-Vierzylinder aus dem Ford Transit. Letzterer brachte dem Defender noch einmal einen gehörigen Schub an Verbesserung: gleichzeitig mit der Motorumrüstung wurde das nervige Tempolimit bei rund 125km/h abgeschafft und die Geräuschdämmung erheblich verbessert. Vor allem im Bezug auf die früher erschütternde Geräuschkulisse hat sich viel getan, was klar zugunsten der Langstreckentauglichkeit geht. Dass der Land Rover Defender auch in seinem letzten Jahr gewisse Kompromisse voraussetzt, um als Alltagsauto Freude zu stiften, ist dennoch klar. Es beginnt mit der seit Jahrzehnten unverändert verschrobenen Sitzposition und endet noch längst nicht bei der Heizungssteuerung, die außer heiß und kalt keine Zwischenstufen kennt. Immerhin heizt er jetzt auch im Winter, das war nicht immer so. Auch die Bedienung will gelernt sein, wirklich leichtgängig funktioniert am Defender eigentlich gar nichts.Über all das sind sich Defender-Fans natürlich im Klaren, und ein bisschen mögen sie ihn genau deshalb – eben weil er so konsequent altmodisch ist und alles andere als perfekt. Und zum Schluss bekam er eben auf seine alten Tage noch ein ESP-System eingepflanzt, die EU will es so.

Das ESP spürt man selten
Vom Schleuderverhinderer merkt der Defenderfahrer im Alltag exakt nichts. Denn nach wie vor setzt das wogende Fahrwerk des Land Rover Defender, die bei übertriebener Hast am Hebel sehr hakelige Schaltung und die schwergängige, eher im ungefähren agierende Lenkung natürliche Limits bei der Fahrdynamik. Wer mit dem Land Rover Defender wüst um Kurven räubern will, hat diesen Wagen nicht verdient. Um das ESP tatsächlich in den Regelbereich zu bringen, benötigt es einen sehr rutschigen Untergrund oder eine eher unsinnige Fahrweise. Wenn das ESP dann regelt, wird deutlich, dass die Elektronik eben kein Allheilmittel sein kann: Die im Grenzbereich, etwa bei Notbrems-Manövern, extreme Aufschaukeltendenz des Land Rover Defender hält das ESP nur mühsam in Schach. Man sieht es daher am besten als Lebensversicherung wie einen Airbag und vergisst es ansonsten.Nach wie vor ganz groß: die Geländetauglichkeit des Land Rover Defender. Die mit ABS und ESP einhergehende elektronische Traktionskontrolle bleibt auch bei aktivierter Zentralsperre im Einsatz und hilft speziell auf schlüpfrigem Boden spürbar bei der Fortbewegung. Aufpassen heißt es bei der exponierten vorderen Spurstange, für die sich Schutzmaßnahmen lohnen – am Testwagen war ein entsprechendes Schutzrohr aus dem Werkszubehör verbaut.Die Kombination des Sechsgang-Getriebes mit dem auf Schadstoffarmut getrimmten Nutzfahrzeug-Diesel bringt im Gelände aber auch Überraschungen. Der große Sprung zwischen erstem und zweitem Gang lässt einen in mancher Geländesituation ratlos zurück, je nach Aufgabe kann es sogar besser sein, die Straßenübersetzung eingelegt zu lassen. Zudem reagiert der Motor bei Gaswegnahme sehr verzögert und bleibt eine Gedenksekunde auf Drehzahl, was gezieltes Klettern mit niedrigem Tempo gelegentlich recht kurzweilig gestaltet. Auf steilen Abfahrten ist der erste Gang in der Untersetzung so kurz, dass es zum überbremsen kommen kann. Mit der Zeit lehrt dann aber die Erfahrung, in welcher Kombination sich Haupt- und Nebengetriebe situationsweise sinnvoll einsetzen lassen.Einer der größten Vorteile des Defender, der seinem Nachfolger definitiv fehlen wird, ist aber seine Bauart mit Starrachsen und Leiterrahmen, welche für viel Bauch- und gleichbleibende Bodenfreiheit sorgt. Auch der neue Jahrgang des Defender unterstreicht einmal mehr, dass ihn ordentliche Beladung im Gelände nicht wesentlich einschränkt – neben der unglaublich praktischen, weil perfekt nutzbaren Kastenform der Hauptgrund, warum der Defender nach wie vor eines der beliebtesten Fernreise-Fahrzeuge ist. Nur eines darf bei solcher Nutzung nicht vergessen werden: der moderne Motor mit Partikelfilter verlangt im Outback speziell hinsichtlich der Spritqualität etwas mehr Aufmerksamkeit als seine Vorfahren.

Fazit:
Dem Geländewagenmarkt geht mit dem Defender eines der größten Talente und einer der allerletzten Charakterköpfe verloren. Egal, wieviel schlaue Technik der Nachfolger auffahren wird – diesen Nimbus wird er niemals erreichen können.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-01-03

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