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Testbericht

20. August 2008

Keine Streifen auf den Flanken, keine Sitze im Alpina-Design, kein Edelholz am Armaturenbrett. Was ist bloß los mit Alpina? Einen Testwagen im dunkelgrauen Büßergewand wie den neuen D3 Biturbo gab es bei auto motor und sport noch nie. Aber irgendwie passt es. Denn dieses Alpina-Coupé bietet auch beim Blick unter die Motorhaube Bürgerliches: Ein Diesel sitzt da mit gerade mal vier Zylindern und zwei Liter Hubraum. Das Zauberwort Downsizing als Antwort auf gesalzene Kraftstoffpreise ist im bayerischen Buchloe bereits angekommen. Der Reihe nach: Einen Vierzylinder- Diesel gab es bei Alpina bereits, und er war mit 850 Exemplaren ein sehr erfolgreiches Produkt des seit über 40 Jahren aktiven Kleinherstellers. Der neue D3 setzt nun noch eins drauf: Biturbo statt Monoturbo. Gleich zwei Lader bei einem Vierzylinder klingen wie technischer Overkill. Zumal, wenn es sich um einen Diesel handelt. Der läuft, wie zahlreiche Beispiele beweisen, auch mit einem Lader sehr gut. Denn der Diesel liefert, weil er keine Drosselklappe besitzt, beste Bedingungen: ständiger Gasdurchsatz, sprich wenig Probleme mit dem Ansprechen. Wenn der teure Aufwand der Biturbo-Aufladung getrieben wird, kann es nur noch um Verfeinerung im Detail gehen. Was, wie die auto motor und sport- Lesern gut bekannte Alpina-Historie zeigt, schon immer das Paradefach der BMW-Spezialisten der Familie Bovensiepen war. Die Basis bildet klarerweise ein Motor aus dem BMW-Regal, den es mit Doppelaufladung aber derzeit nicht im Dreier, sondern nur im kleinen Einser- Modell gibt. Die Ladertechnik: Eine vergleichsweise klein dimensionierte Turbine ist für den Bereich von der Leerlaufdrehzahl bis rund 3000/min zuständig, ein größerer Lader kommt zusätzlich bei Drehzahlen darüber zum Einsatz. Der kleine Turbo macht viel Drehmoment unten herum, der große viel Leistung oben. Die Zahlen für Pferdestärken und Newtonmeter übertreffen dabei beim Alpina die der Serienmaschine (204 PS, 400 Nm) deutlich. Mehr noch beschreibt eine andere Kennziffer den hier erreichten Vorzeige-Status der Dieseltechnik: Der Alpina-Motor bringt es auf eine spezifische Leistung von 107,3 PS pro Liter Hubraum. Wer vor wenigen Jahren dem Diesel einen solchen Höhenflug vorhergesagt hätte, wäre mit schallendem Hohngelächter bedacht worden. Es gilt noch andere Finessen zu erwähnen: Die alpinaspezifische Abstimmung von Einspritzung und Ladersteuerung ermöglichen ungewohnt hohe Drehzahlen. Während konventionelle Turbodiesel bei rund 4500 Umdrehungen Schluss machen, vermag die Alpina-Maschine bis 5200/min zu drehen, ehe der typische Abregeleffekt eintritt. Schon die ersten Meter machen klar, dass hier ein völlig neues Dieselgefühl geboten wird. Bereits im Stadtverkehr kann man Begriffe wie Anfahrschwäche und Turboloch, die selbst auf großvolumige V8-Diesel zutreffen, getrost vergessen – es gibt beides nicht.

Der Motor zieht knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl ohne Verzögerung kraftvoll an, und darüber stellt man erfreut eine vollkommen kontinuierliche Steigerung des Drehmoments fest. Die übliche Charakteristik starker Diesel – schwach im Antritt, dann ein die Nackenmuskeln fordernder Drehmomentsturm – fehlt völlig. Die Leistungsentfaltung ähnelt stattdessen der eines starken Benziners. Und so geht es weiter. Der Vierzylinder dreht willig hoch bis an den rot markierten Bereich des Drehzahlmessers. Man hat somit eine nutzbare Drehzahlspanne von gut 4000 Umdrehungen zur Verfügung, was ebenfalls den Eindruck verschleiert, dass hier ein Diesel am Werk ist. Unterstrichen wird das noch durch die Laufkultur. Beim Diesel ist die durch eine Erhöhung der Zylinderzahl erreichbare Verbesserung ohnehin nicht so deutlich wie beim Benziner. Im Fall des Alpina wird sich niemand darüber beklagen, dass er nicht sechs Zylinder besitzt. Der Vierzylinder läuft nach Dieselmaßstäben weich und ruhig, bei höheren Drehzahlen ist sein Geräusch kaum von dem eines Ottomotors zu unterscheiden. Lediglich bei geringen Drehzahlen tritt das harte Verbrennungsgeräusch der langhubigen Maschine in Erscheinung. Beim Gaswegnehmen im oberen Drehzahlbereich deutet das typische Brummgeräusch den Selbstzünder an – ansonsten dominiert der Eindruck eines unauffälligen, dank zweier Ausgleichswellen mit geringen Vibrationen laufenden Triebwerks. Die Beschränkung in Hubraum und Zylinderzahl hat sehr erfreuliche Auswirkungen auf den Verbrauch: zügiges Fahren mit rund 6,5 Liter/100 km, schnelle Fahrt auf der Autobahn mit gut acht Litern, behutsamer Ökotrip mit fünf Litern. Zehn Liter erweisen sich selbst mit Brutalo-Gasfuß als unerreichbar – und das bei einem Auto, das den Null-bis-100-km/h-Sprint in 7,4 Sekunden erledigt und über 240 km/h läuft. Respekt. Auch vor dem Fahrkomfort übrigens. Das relativ geringe Gewicht des kleinen Motors erlaubt eine feinfühlig ansprechende Federung, den Rest besorgt der Verzicht auf Runflat-Reifen, mit denen der Dreier-BMW vom Werk ausgerüstet wird. Trotz Sportfahrwerk und trotz der 19-Zoll-Räder mit 35er-Reifen ergeben sich geschmeidiges Abrollen und gutes Schluckvermögen. Wobei das alpinaflinke Handling nicht gelitten hat. Dass der D3 Biturbo auch noch exzellent bremst, weil seine Bremsen vom 330d stammen, geht hier noch als Randnotiz in die Geschichte ein. Alles zusammen ergibt ein rundum erfreuliches Automobil, so wie wir das von Alpina gewohnt sind. Übrigens: Wer doch die Streifen will, kann sie natürlich bekommen. Ohne Aufpreis.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-08-20

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