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Testbericht

27. Januar 2013

Road Atlanta, Braselton, Georgia, USA. Der perfekte Ort für den neuen SRT Viper. Und hurra, es ist wieder ein richtiger Viper. Vergessen wir jetzt mal den Besitzerwechsel (Fiat) und Spekulationen über daraus resultierende italienische Zutaten. Die Chrysler-Sporttruppe SRT sitzt nach wie vor in Detroit und spricht breites Amerikanisch. Und genausowenig wie die Jungs beim Barbecue mit Tofu-Würsten zum Rost kämen, darf etwas anderes als ihr V10-Monument hinter die Vorderachse. Also Karbonhaube rauf und staunen. Downsizing? Zehn Kolben teilen sich nach wie vor 8,4 Liter Hubraum, 20 Ventile und eine untenliegende Nockenwelle. Allerdings musste das traditionell in der Conner Avenue Assembly Plant in Detroit gefertigte Trumm rund 25 Pfund abspecken. Ansaugbrücke aus Komposit-Material, Aluminium-Schwungrad sowie Schmiedekolben verbessern überdies Ansprechverhalten und Drehfreude. Somit gehen maximal 648 PS sowie 814 Newtonmeter Drehmoment an die hinteren 355er-Pirelli.

Neuer SRT Viper - Bitte einsteigen! Wie sich das anfühlt? Einsteigen in die intim geschnittene Kabine, gemeinsam mit der langen Haube, den seitlichen Einzügen und dem Stummelheck Erkennungsmerkmal des SRT Viper, wie Designer Mark Trostle mit begeisterten Gesten erklärt. Vorsicht, Kopf einziehen, sonst teilt das Karbondach eine Kopfnuss aus. Was so gar nicht zum ab sofort freundlicheren Charakter des Supersportwagens passt. Seit ihrer Geburt 1992 waren Viper-Modelle konsequent auf Krawall gebürstet, bliesen Quengeleien über Spritverbrauch und ihre – sagen wir mal pflegeleichte – Inneneinrichtung mit Zehnzylinder-Donner aus den Sidepipes davon. Donnern kann sie immer noch, jetzt kommt Schmeicheln hinzu. Körpergerechtere, stützende Sitze, die mehr Kopffreiheit zulassen, weiches Leder sowie moderne Instrumente inklusive TFT-Drehzahlmesser legen dann doch einen zarten italienischen Einfluss nahe. Bis zum Start, denn nach Druck auf den roten Knopf ist der Viper ein saftiges Steak und keine Trüffel-Pasta. Wobei – die leichtgängige Kupplung scheint Dutzende Newton entfernt von dem, was früher Pilotenwaden traktierte. Und erst das Getriebe, das schien, als sei es von einem behaarten 150-Kilo-Schmied bei freiem Oberkörper schwitzend im Feuerschein der Esse auf dem Amboss entstanden. Kürzere Wege, präzisere Führung und eine endlich praxistaugliche Übersetzung – Topspeed von rund 330 km/h erreicht der SRT Viper im Sechsten – bringen die Tremec-Box ins Hier und Jetzt. Wer es eilig hat, kann von der Launch Control assistiert Gummi-Autogramme hinterlassen und nach gut drei Sekunden 0-100-Vollzug melden.

Der fette V10 ist bissiger denn je Der modifizierte V10 wirkt bissiger denn je. Er reagiert willig und reißt fast aggressiv durchs Drehzahlband. Nach wie vor rentiert sich frühes Schalten mehr als das Auspressen bis zum Ende kurz hinter der 6.000er-Marke. Wozu auch, das Drehmoment richtet es, und so donnern wir die Anstiege von Road Atlanta hoch, als ginge es runter. Normalerweise folgt ein langes Bergabstück, doch die SRT-Leute bremsen Übermütige mit einer Schikane ein. Gelegenheit, die Brembo-Stopper zu prüfen. Vorn und hinten 355er-Scheiben plus gefühlvolle, bissige Zangen stauchen den Viper zusammen, und schon geht es durch das Pylonen-S. Mit weniger Untersteuern als früher passieren wir das Hindernis. Am Scheitelpunkt aufs Gas, einen leichten Rutscher kontern, und weiter geht‘s. Rutscher? Keine Angst, weniger Begabte dürfen sich neuerdings unter den elektronischen Rettungsschirm begeben, der allerdings ausreichend Freiheit gewährt. Beim Basismodell lässt er sich zudem deaktivieren, während der sportlichere und in USA rund 20.000 Dollar teurere GTS noch zwei zusätzliche Varianten (Sport und Track) bietet. Auch die adaptiven Bilstein-Dämpfer lassen sich justieren und tragen zum insgesamt ruhigeren Fahrverhalten des Viper bei.

Deutschland-Premiere noch nicht festgelegt Ebenso wie die rund 50 Prozent steifere Karosserie, ein Mix aus Stahl-Spaceframe mit Teilen aus Magnesium, Aluminium und Kohlefaser. Doch keine Angst, der Viper ist noch lange kein Pussy Wagon. Er röhrt und donnert wie gehabt, liefert gepflegte Rohheit sowie einen expressiven Auftritt und kann bei deaktivierter Elektronik immer noch böse schnappen. Allerdings können Piloten egal welchen Niveaus die Fähigkeiten des muskulösen V10-Coupés künftig viel leichter auskosten als bisher – egal ob auf dem Track in Braselton oder dem Boulevard von Wuppertal. Wenn uns der SRT Viper denn erreicht: Der Termin der Deutschland-Premiere steht noch nicht fest.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-01-27

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