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Testbericht

2. September 2015
Die Rollen im Volkswagen-Konzern sind klar verteilt. Audi lässt sich den Vorsprung durch Technik teuer bezahlen. VW baut DAS Auto für jeden Geschmack. Seat-Autos sollen laut Markenclaim vor allem Spaß machen. Und wie ist das Image von Skoda? Genau, simply clever. Hoher Nutzwert, kleiner Preis. Aber weder emotional noch besonders sportlich. Zumindest wollen uns das die konzerneigenen Marketing-Experten glauben machen.

Skoda Octavia RS mit sportlicher Optik
Doch da haben sie die Rechnung ohne die Designer aus Mladá Boleslav gemacht. Schon beim ersten Blick auf den neuen Skoda Octavia RS230 werden sorgsam gepflegte Vorurteile blitzschnell über Bord geworfen. Als wollten die Designer die Schere zwischen Markenimage und Modelloptik maximal aufspreizen, haben sie der biederen Kompaktlimousine ordentlich Kriegsbemalung verpasst.Kühlergrill, Auspuffrohre, Spiegelkappen und Heckspoiler erhielten einen böse-schwarzen Anstrich. Getreu dem alten Motto von Henry Ford - sie können jede Farbe haben, solange es schwarz ist - wurden auch die 19-Zoll-Alus per Pulverbeschichtung verdunkelt. Die Räder im Lamborghini-Look (Design-Bezeichnung: "Extreme") wirken fast etwas überdimensioniert für die Radkästen. Dazu kommt eine neue, soundtechnisch optimierte Auspuffanlage, die den dynamischen Auftritt auch akustisch unterstützt.

RS230-Probefahrt auf der Rennstrecke
Doch was steckt hinter der Fassade? Um das herauszufinden ließ uns Skoda auf den Slovakia-Ring ein wenig mit dem neuen Octavia-Flaggschiff spielen. Und siehe da: Die Ingenieure haben das langweilige Vertreter-Auto tatsächlich ein Spaßmobil für die ganze Familie verwandelt. Verantwortlich dafür ist - neben der Leistungssteigerung von 220 auf 230PS - vor allem die neue elektro-hydraulische Vorderachs-Quersperre, die zwischen Differential und Antriebswelle gepflanzt wurde. Sie hilft der 4,65 Meter langen Limousine dabei, ohne großes Gezerre und Gescharre aus engen Ecken zu beschleunigen. Nach Aussage der Ingenieure soll der Octavia RS230 die Nordschleife mit der Traktionshilfe gut 10 Sekunden schneller umrunden als ohne.In einen echten Sportwagen verwandelt der kleine Techniktrick den Octavia RS230 aber nicht. Vor allem am Kurveneingang machen sich der im Vergleich zur Golf-Bruderschaft verlängerte Radstand ( 4,3 Zentimeter) und die massiven Überhänge bemerkbar. Um das Dickschiff in schnelleren Kurven zum Richtungswechsel zu zwingen, braucht es am Lenkrad schon etwas Nachdruck. Zickig wird der Octavia aber nie. Geht es über den Grenzbereich hinaus schubbert der Tscheche gemäßigt über die Vorderachse.

Preisaufschlag von 3.000 Euro für den Skoda Octavia RS230
Dank des 10-PS-Power-Updates für den 2,0 TSI-Motor (mehr Ladedruck, höhere Einspritzmengen, weniger Staudruck im Auspuff) ist erst bei 250km/h Schluss. Der RS230 ist damit der erste Octavia, dem eine Tempo-Drosselung eingepflanzt werden musste.Das Technik- und Optik-Facelift lässt sich Skoda mit einem Aufpreis von rund 3.000 Euro im Vergleich zum normalen Octavia RS bezahlen. Damit ist der Kombi sogar einen Tick teurer als ein vergleichbar ausgestatteter Seat Leon ST Cupra, der im Fond und um Kofferraum zwar etwas weniger Platz mitbringt aber satte 50PS mehr unter der Haube zu bieten hat.Der Skoda Octavia RS230 wird aber sicher trotzdem seine Fans finden. Vom normalen RS der aktuellen Octavia-Generation wurden bereits 57.000 Exemplare an den Mann gebracht. Damit rollt fast jedes zehnte Modell mit dem RS-Kürzel am Heck vom Band. Die Folge sind traditionell hohe Lieferzeiten.Ab dem 10. September lässt das neue Top-Modell auf der Skoda-Webseite konfigurieren und bestellen. Dann erfahren die Kunden auch, welche Features genau im Basispreis von 33.490 Euro für die Limousine und 34.150 Euro für den Kombi zu enthalten sind.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-09-02

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