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Testbericht

22. Juli 2018
Es ist wohl eine Art Naturgesetz, dass Autos immer größer werden. Damit können Hersteller ihre Preiserhöhungen beim Modellwechsel plakativ begründen – einerseits. Andererseits stellen sich clevere Kunden häufig die Frage: Darf es etwas weniger sein? Der Seat Ibiza beispielsweise rückt dem Leon bei der Größe des Innenraumes gehörig auf die Pelle, und je nach Motorisierung ist der Kleinwagen um gut 2.500 Euro billiger – und damit die bessere Wahl?Wir stellen hier beide Modelle als Viertürer mit dem Einliter-TSI-Dreizylinder gegenüber, der 115 PS und 200 Nm Drehmoment entwickelt. Nicht so recht vergleichen lässt sich allerdings die Kraftübertragung: Seat Deutschland hatte den Leon-Testwagen nur als Handschalter im Fuhrpark, den Ibiza dagegen mit Doppelkupplungsgetriebe. Natürlich wird es in der preissensiblen Klasse eher selten bestellt, erhöht es doch den (hier bewerteten) Kaufpreis um 1.500 Euro; es bietet dafür aber alle Vorteile eines Automatikgetriebes. Für dieses Komfortplus erhält der Kleinwagen folglich bei der Bewertung des Getriebes zwei zusätzliche Punkte.

Hoch-, quer-, gegenrechnen
Zudem kommt der Ibiza in der gut ausstaffierten Linie Xcellence, der Leon dagegen als Style. So sind beide Testwagen fast gleich teuer. Dem Kompakten fehlen dann allerdings Klimaautomatik, Einparkhilfe hinten sowie der schlüssellose Zugang. Andererseits rollt er bereits ab Werk auf 16-Zoll-Rädern (Ibiza: 15-Zöller). Umgerechnet ergibt sich ein Ausstattungsvorteil von zwei Punkten für den Kleinwagen. Ebenso übrigens bei den Aufpreisen – für den Xcellence sind die Voll-LED-Scheinwerfer beispielsweise um 625 Euro günstiger.Ist Ihnen bei den Additionen schwindlig geworden? Das tut uns leid, gehört aber als Teil der Bepunktung zu unserem Job, damit Sie Ihre Kaufentscheidung detailliert abwägen können. So dürfte es Sie brennend interessieren, dass der Ibiza nach aller Hoch-, Quer- und Gegenrechnerei in der Kostenwertung mit vier Punkten vorne liegt.Ist er damit die Kaufempfehlung? Der Reihe nach: Dass der Größere mehr Platz für Passagiere und Gepäck bietet, liegt auf der Hand – er ist etwa 20 Zentimeter länger. Doch schon beim Radstand schrumpft dieses Plus auf rund sieben Zentimeter; das erscheint wenig, bringt aber gerade auf den Rücksitzen jenen Raum, der erst das Ausharren über lange Strecken erträglich macht.Überhaupt hält man sich lieber im größeren der beiden Wagen auf, weil in seinem Innenraum die griffsympathischeren Kunststoffe verbaut wurden. Sie sind weicher und wirken hochwertiger. Das Kapitel Karosserie geht damit knapp an den Leon.Größer ist der Unterschied beim Fahrkomfort. Dem Markenbild entsprechend sind beide Modelle straff abgestimmt. Für den Leon gäbe es optional adaptive Stoßdämpfer, die der Testwagen jedoch nicht hat. Trotzdem nimmt er kurze Unebenheiten deutlich gelassener hin als der Ibiza, lässt sich von schlechten Straßen weniger erschüttern, vermittelt seinen Fahrgästen mehr Ruhe – auch wegen der besseren Schalldämmung. Und diese wirkt sich gerade auf der Langstrecke stressmildernd aus.In solchen Fällen schreibt man ja gern, dass der eine erwachsener wirke als der andere, und so ist es auch hier: Der Leon vermittelt den Eindruck, als hätte er deutlich mehr Erfahrung, wie mit Bodenwellen umzugehen ist – und er bügelt sie gekonnter weg.Eine Pattsituation herrscht dagegen beim Antrieb. Einerseits verwundert das nicht, schließlich haben beide den gleichen Dreizylinder unter der Fronthaube. Andererseits stutzt man beim Betrachten der Daten ein wenig: Obwohl er (nur) 33 Kilogramm schwerer ist und per Hand geschaltet werden muss, sprintet der Leon etwas schneller auf Tempo 100, erreicht eine leicht höhere Endgeschwindigkeit und benötigt im Schnitt auf 100 Kilometern ein Zehntel weniger Benzin. Beim Eco-Verbrauch erringt er sogar einen minimalen Punktevorteil.Wer übrigens kleiner mit agiler gleichsetzt, sieht sich hier lediglich beim Wendekreis bestätigt. Denn weder auf der Teststrecke noch auf kurviger Landstraße könnte ein engagiert gefahrener Ibiza dem Leon enteilen. Im Gegenteil: Beim simulierten schnellen Ausweichen auf dem Testgelände ist der Größere und Schwerere sogar flinker. Schwächen erlaubt er sich ausschließlich beim Bremsen.

Mit Spritsparreifen
Der Leon nimmt am Vergleichstest auf sogenannten Leichtlaufreifen teil. Diese sollen beim Spritsparen helfen, verlängern durch ihre spezielle Gummimischung aber den Bremsweg. Sieben Punkte kostet das den Kompakten insgesamt. Immerhin kann er diese zum Teil mit einem größeren Angebot bei Lichttechnik und Assistenzsystemen wieder gutmachen.Es ist nämlich nicht etwa so, dass der Leon als ältere Konstruktion bei modernen Errungenschaften oder Multimedia-Extras ins Hintertreffen geraten wäre; er befindet sich auf Höhe des neueren Ibiza.Der Leon bunkert in der Eigenschaftswertung einen so großen Vorsprung, dass dieser den Rückstand im Kostenkapitel mehr als kompensiert. Letztendlich gewinnt der Kompakte den Vergleichstest knapp. Bei gleicher Motorisierung ist der Leon dem Ibiza vorzuziehen. In diesem Falle darf es also tatsächlich gerne etwas mehr sein.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2018-07-22

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