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Testbericht

25. Juni 2016
Kennen Sie Ateca, das putzige 2.000-Seelen-Dorf westlich von Saragossa? Wir auch nicht, obwohl es recht nett aussehen soll. Eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert, ein prächtiger Platz samt Rathaus und der Río Jalón, der sich durch den Ort schlängelt. Wäre bestimmt interessant, zu erfahren, was die Einwohner des Dorfs von dessen mobilem Namensvetter so halten. Womöglich fährt der Bürgermeister bereits einen und weiß, dass der Ateca seinen Namen sogar via LED-Lämpchen im Außenspiegel auf den Boden projizieren kann. Doch zwischen dem Flughafen Barcelona und Ateca liegen 400 Kilometer – zu viel Strecke für einen Tag. Schade.

Seat Ateca und VW Tiguan teilen sich die Plattform
Also kein Hausbesuch – dafür aber ein Fahrvergleich, der kaum minder spannend ist. Die entscheidende Frage lautet: Erwächst dem Topseller Tiguan mit seinem MQB-Bruder Ateca ein echter Konkurrent? Rein optisch grenzen sich die beiden jedenfalls stark ab. Hier der gediegen-seriöse VW, der stark an den größeren Touareg erinnert, auf der anderen Seite der dynamisch angespitzte Seat, an dessen Linien und Kantenverläufe man sich erst mal gewöhnen muss. Öffnet man Fondtüren und Heckklappe, offenbart sich gleich der wortwörtlich größte Unterschied zwischen den beiden: das Raumangebot hinten. Denn der 4,49 Meter lange, fein ausstaffierte Tiguan wartet mit einer sehr beachtlichen Beinfreiheit auf, die sich mittels einer um 18 Zentimeter verschiebbaren, zweigeteilten Bank noch vergrößern lässt. Entsprechend variiert der ebenso luftige Kofferraum zwischen 520, 615 und maximal 1.655 Litern Volumen. Dagegen reicht die Spanne beim zwölf Zentimeter kürzeren Ateca nur von 510 (Allrad 485) bis zu maximal 1.604 (1.579) Litern.

Tiguan mit mehr Raum, Ateca mit mehr Fahrspaß
Trotzdem geht es im ähnlich sorgfältig verarbeiteten Seat keinesfalls eng zu. Selbst über 1,90 Meter große Insassen müssten sich überall wohlfühlen – keine Spur von knapper Kopffreiheit oder engen Türausschnitten. Aber der VW hat einfach noch mehr Platz. Die Stärken des mit straffen Sportsitzen ausgerüsteten Seat liegen dafür im Handling. Im Schnitt 100 Kilogramm leichter, zudem sechs Zentimeter flacher, wirft sich der Ateca bereitwilliger in Kurven, setzt Lenkbefehle direkter um und untersteuert viel später als der Tiguan – ohne eine nennenswerte Nervosität oder Ruppigkeit an den Tag zu legen.Trotz der 19-Zoll-Optionsbereifung gibt sich der SUV zwar straff, nervt auf den teils schlaglochsatten Straßen Spaniens aber weder mit übermäßiger Stößigkeit noch mit Rumpelei. Der VW gondelt hinterher, nimmt derartige Stecken spürbar komfortabler federnd, durcheilt flotte Kurven mit mehr Seitenneigung und bleibt selbst im Sportmodus der Adaptivdämpfer etwas träger. Als Antriebsquellen dienen dem Ateca die bekannten, bis zu 190 PS starken Drei- und Vierzylinder, wobei der 2.0 TDI mit 150 PS besonders gefragt sein dürfte. Der 340 Nm starke Diesel überzeugt in beiden Allrad-Testwagen mit viel Druck und Laufruhe. Stichwort 4x4: Zum Einsatz kommt jeweils eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung (Haldex V) vor dem Hinterachsdifferenzial, die die Kräfte situationsgerecht verteilt. Zusätzlich kann der Fahrer ihre Arbeitsweise via Drehrad variieren, falls es denn tatsächlich mal ins Gelände geht.

Verzicht auf teure Gimmicks bringt Kostenvorteil
Insgesamt konnte sich Seat bei der Technik frei aus dem Konzernregal bedienen. Nur an nicht verfügbaren Extras wie Head-up-Display, mitlenkenden LED-Scheinwerfern, volldigitalen Instrumenten oder dem adaptiven Fahrwerk lässt sich erkennen, dass die Spanier einen gewissen Abstand zur deutschen Hauptmarke wahren müssen.Doch der Verzicht auf teure Gimmicks bringt zugleich einen Kostenvorteil, denn mit einem Einstiegspreis von 19.900 Euro (1.0 TSI, 115 PS) ist der Ateca ähnlich günstig wie Kia Sportage oder Nissan Qashqai. Der Tiguan startet dagegen erst bei 25.975 Euro (1.4 TSI mit 125 PS) und ist selbst bei gleicher Motorisierung (1.4 TSI mit 150 PS) 2.825 Euro teurer – trotz schlechterer Serienausstattung. Den teuersten Tiguan (2.0 TDI mit 190 PS, DSG und Allradantrieb in Highline-Version) unterbietet der ebenso gerüstete Ateca Xcellence gar um rund 4.400 Euro.Das kann Kunden, die einen sportlichen, selbstbewusst auftretenden SUV suchen, bloß recht sein – und es funktioniert. Obwohl der Ateca bislang nur auf Messen oder virtuell im Onlineshop zu sehen war, liegen schon über 5.000 Bestellungen vor – allein in Deutschland. Ob die Bürger von Ateca auch schon geordert haben, klären wir noch.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-06-25

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