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Testbericht

27. Januar 2017
Dem ehemaligen Fußballprofi Thomas Strunz wird ja das Zitat zugeschrieben, wonach das Schönste an Stuttgart die Autobahn nach München sei. Stimmt zwar noch nicht mal heute, da sie erst ab Ulm dreispurig und tempolimitfrei nach Südosten spurt, einen wahren Kern hat der Spruch dennoch.Ein echter Vorzug des Standorts ist die unmittelbare Nähe zu den hügeligeren Regionen am südlichen Ende Deutschlands, ideales Testrevier für Kompaktwagen mit Leistungsgewichten zwischen 4,2 und 4,9 kg/PS. Die Schwäbische Alb macht sich im Süden links und der Schwarzwald rechts der B 27 breit, und man kann von dort aus an klaren Tagen die Alpen sehen. Los geht’s.Womit wir nun endlich beim Thema sind: den beiden Kompakt-Limousinen Audi S3 und Mercedes-AMG CLA 45. Wobei Mercedes den Stufenheck-CLA als Coupé sieht. Nun ja. Auf diese Idee käme man beim Audi jedenfalls nicht. Sein Stufenheck ist zwar eleganter an die Karosse gedengelt als beim Einser-Jetta, hübscher als der Hatchback-S3 ist er dennoch kaum. Doch wir schweifen schon wieder ab. 310 PS gibt es nun im Audi, zehn mehr als zuvor, zehn Gründe, ihn mit dem 381 PS starken AMG CLA 45 zum Vergleichstest zu bitten.

Teurer Mercedes-AMG CLA 45
71 PS mehr und 12.000 Euro teurer, der CLA gehört in eine andere Klasse, könnte man einwenden. Doch die Konkurrenten sind rar in dieser Kategorie, und die Frage ist berechtigt, welcher der beiden Premium-Kompakten mehr Fahrspaß fürs Geld bietet. Das ist auf den ersten Blick der S3, er ist schließlich deutlich billiger (mit Schaltgetriebe ab 42.800 Euro). Den Zweitürer mit Heckklappe gibt es gar ab 41.000 Euro, eine Option, die beim Mercedes fehlt.Der kann alternativ als Shooting Brake geordert werden, ist dann einen runden Tausender teurer. Unser Testwagen kommt in der Coupé-Version. Da können wir bereits in der Tiefgarage die ersten Wertungen vornehmen: Wer häufiger erwachsene Fondpassagiere mitreisen lässt, kann den CLA eigentlich von der Wunschliste streichen. Der Zustieg ins hintere Abteil ist beschwerlich, der Sitzraum knapp. Und wenn man einmal drin ist, kann man kaum rausgucken. Nach vorn nicht, weil die massigen Sitze die Sicht versperren, und zur Seite hin durch die sehr kleinen Fenster ebenso wenig.Das wird jetzt jemanden, der den CLA wegen des starken Motors und des expressiven Auftritts haben will, weniger stören, muss aber erwähnt werden. Nicht zuletzt, weil es in die Punktewertung einfließt. Das praktischere Auto ist also der Audi, er taugt auch mal zum Viersitzer, und die Übersichtlichkeit ist etwas besser.

Imposanter CLA, unauffälliger S3
Die Testwagen schlängeln sich aus der Garage in den Stadtverkehr, da weiß man es zu schätzen, dass der Kupplungsfuß in beiden Pause hat. Den geschmeidigeren Eindruck macht hier ebenfalls der S3, er federt bereitwilliger über Kanaldeckel und Straßenbahnschienen, fällt dabei im Stadtverkehr so auf wie jeder dunkelgraue Audi. Nämlich gar nicht.Da ist der AMG CLA von anderem Kaliber. Er wirft bereits bei Stadttempo seine Gangstufen sperriger ein, poltert auch in der Komfortstufe des Optionsfahrwerks steifbeiniger durch die City und röhrt sogar dann mit dem Auspuff, wenn man es gar nicht will. Auffälliger ist er ohnehin, allein schon wegen der mattgrauen Lackierung in Schlachtschiff-Optik (Designo Magno Matt, 2.082 Euro). Vorn sind zierliche Luftleitflügelchen verbaut, hinten schürzt sich ein Spoilerlippchen über die Kofferraumkante – der AMG zeigt, was er hat.

Sportliches Interieur mit AMG GT-Wählhebel
Drinnen sieht’s aus wie in einer A-Klasse, die bei einem rennverrückten Innendekorateur zur Kur war. Den Wählhebel hat der CLA vom AMG GT ausgeliehen, Sitze und Lenkrad anscheinend auch. Das alles wirkt hochwertig gearbeitet, ein so endgültig sattes Qualitätsgefühl wie im S3 stellt sich dennoch nicht ganz ein. Funktional wäre allenfalls zu bemängeln, dass der DCT-Knauf nicht so sicher einrastet wie der Wählhebel im Audi und dass die Menüführung nicht immer stringent ist. Da kann der Audi mehr, auch das ist nicht neu.Nach der Autobahneinfahrt verliert der Mercedes den Audi jedoch bald aus dem Rückspiegel. Na ja, fast. Er geht schlicht eine Klasse besser, das beinahe ein Kilogramm pro PS günstigere Leistungsgewicht macht sich hier bemerkbar. In 4,2 Sekunden spurtet er auf 100 km/h, unterbietet den Audi um eine gute halbe Sekunde. Der scheint ebenfalls gut im Futter, ist bis 100 km/h mit 4,8 Sekunden aber zwei Zehntel langsamer als es die Werksangabe verspricht. Also muss er den Mercedes ziehen lassen.Auch im oberen Geschwindigkeitsbereich ist der CLA kraftvoller. Auf der Autobahn kommt er zudem durch sein ausgeprägteres Überholprestige etwas besser voran, das kann man ebenfalls mal anmerken. Die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreichen beide nach recht kurzem Anlauf, selbst an einem Mittwochnachmittag auf der A 8 in Richtung Südosten.

Der Audi S3 ist sparsamer
Bis nach München geht’s heute nicht, rechts davor im Allgäu beginnen die Berge, eine Autobahnausfahrt, eine Ortsdurchfahrt, dann kurvt die schmale Straße bergauf. Fahrwerk und Modus auf „Sport“, Getriebe auf „Manuell“, so beginnt der Spaß.Der S3 kommt serienmäßig mit Sportfahrwerk und Drive Select, das adaptive Magnetic Ride kostet 980 Euro Aufpreis. Eine gute Investition, denn es findet auch hier den richtigen Kompromiss zwischen noch angenehmem Federungskomfort und agilem Handling. Noch besser ginge es, wenn die Lenkung besser mitspielte, sie ist zwar direkt und mitteilsam, andererseits aber etwas zurückhaltend bei der Zwiesprache mit dem Fahrer hinterm Lenkrad. Wer nun denkt, der subjektiv gemütlichere Audi sei dabei langsamer unterwegs als der spitzer ausgelegte AMG, liegt falsch.Dessen Leistungsplus bringt ihm bei schneller Kurvenfahrt wenig, beide Kompakt-Limousinen lassen sich locker und mühelos sehr schnell durchs Geschlängel treiben. Wenn es zu viel wird, bremsen die elektronischen Stabilitätswächter bei beiden gefühlvoll und unauffällig die zu wilde Fahrt.Dass sich der Mercedes dabei etwas exakter steuern lässt, liegt an der mitteilsameren Lenkeinheit. Grip an den Vorderrädern? Lenkwinkel, Bodenunebenheiten? Die AMG-Lenkung meldet alles zum Fahrerhirn zurück, das fühlt sich gut an und schafft Vertrauen. Nur leichtsinnig sollte man dabei nicht werden, der CLA reagiert eher unwirsch auf schreckhaftes Gaswegnehmen.

Auf kurvigen Bergstraßen machen beide richtig Laune
Da ist der S3 von verträglicherem Gemüt, er lenkt etwas untersteuernd ein und ist auch durch Lastwechsel kaum aus der Ruhe zu bringen. Vordergründig erscheint er langsamer, auf der Teststrecke wird aber klar, dass er beim doppelten Spurwechsel einen Hauch fixer ist. Festzuhalten bleibt, dass der Mercedes nur beim Geradeausbeschleunigen wirklich schneller ist. Und er bremst vehementer. Vor allem aus höheren Geschwindigkeiten kommt er jeweils ein paar Meter früher zum Stehen als der S3. Bei der Passfahrt freilich sind die Bremsen beider Konkurrenten nur mutwillig in die Nähe ihrer Grenzen zu bringen.Auf der Passhöhe werden die Autos getauscht, noch mal runter und wieder rauf. Es ist einer dieser Tage, an denen man den Arbeitsplatz mit keinem auf der Welt tauschen wollte. Am Ende der Testfahrt ist Tanken angesagt. Die Verbrauchswerte der forcierten Passfahrt werden nicht zum Testverbrauch dazugerechnet, schließlich sind die Bedingungen kaum praxisrelevant. Der M-133-Vierzylinder im Mercedes bedient sich reichlicher an der Zapfsäule; je schneller gefahren wird, desto größer scheint die Verbrauchsdifferenz. Die gemessenen Werte bestätigen den Eindruck, einen halben Liter mehr nimmt der AMG, immerhin ist er deutlich leistungsstärker und hat gut 80 kg mehr zu schleppen. Sicher nicht kaufentscheidend, dennoch erwähnenswert.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-01-27

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