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Testbericht

5. Januar 2017
Wer die Vorzüge eines Vans lobt, gerät ebenso schnell unter Biedermannverdacht wie diese Autos in Zeiten des irren SUV-Erfolgs. SUV werden zwar gar nicht mehr so oft mit dem einst obligatorischen Allradantrieb geordert, bieten aber dennoch den lässigen Charme eines Autos, das einen durch dick und dünn trägt – komme, was da wolle. Auch wenn das im wahren SUV-Leben zumeist vorbildlich asphaltierte Straßen sein werden. Die erhöhte Sitzposition ist natürlich auch angenehm, und damit hätten wir elegant den Bogen zum Van geschlagen. Der ist noch immer das Original, wenn es um Variabilität und gute Raumausnutzung geht. Dass mancher ihn für uncool hält, weil ein SUV weniger intensiv nach Kinderschokolade und Kekskrümeln riecht, muss uns nicht stören. Renault stört es ja auch nicht: Der Vorreiter der europäischen Van-Bewegung hält mit der vierten Generation des Scénic an diesem genialen Raumkonzept fest und kleidet es mit fließenden, fast leichten Linien einfach attraktiv ein. Ein schöner Kontrapunkt zu jener Kantigkeit, die VW beim Touran so intensiv pflegt.

Raumfülle im VW Touran
Der Touran ist zwölf Zentimeter länger als der Scénic und auch etwas höher. Dass er vorn minimal schmaler ist, merkt man nicht: Das Raumangebot ist wirklich üppig und kann durchaus mit dem des Scénic mithalten. Dessen Fahrer schaut über ein flaches Cockpit durch eine extragroße, stark geneigte Windschutzscheibe, sieht aber von der Motorhaube nicht ansatzweise etwas – gut, dass Parksensoren vorn wie hinten in der Ausstattung Intens Serie sind, wie auch beim getesteten Touran Highline.In der zweiten – bei beiden verschiebbaren – Reihe trumpft der Touran nicht nur wegen der größeren Innenbreite mächtig auf. Denn während die Knie größerer Mitfahrer im Scénic an die Kassetten der Klapptische für die lieben Kleinen stoßen und die Füße kaum unter die Vordersitze passen, lassen sich die Beine im Touran locker sortieren.Tabletts hat natürlich auch er, doch sind sie nicht besonders stabil – eine verzeihliche Nachlässigkeit im ansonsten sauber verarbeiteten VW. Trotz etwas blechern schließenden Türen wirkt auch der Renault mit Bedacht gemacht. Bei der Materialauswahl und beim Finish im Detail kommt er allerdings nicht ganz an den VW heran.Bei der Bedienung und beim Ambiente pflegen beide ihren eigenen Stil. So zeigt der VW Sinn fürs Praktische, etwa mit kleinen Taschen an den Vordersitzlehnen oder Schubladen darunter. Und seine um den Monitor gruppierten und in Leisten zusammengefassten Direktwahltasten sind ziemlich selbsterklärend und irgendwie klassisch. Auch der Renault bietet viele Ablagen, von denen einige unter Bodenfächern liegen und andere in der bis in den Fond verschiebbaren Box zwischen den Sitzen, die dem täglichen Krimskrams 13 Liter Volumen bietet. Er dreht aber auch einige modernistische Pirouetten, die ihm nicht ganz gelingen. Das als Schublade ausgeführte Handschuhfach zum Beispiel lässt sich nicht sonderlich weit öffnen, weil die menschliche Physis in Form der Beifahrerknie im Weg steht. Und die vielfältigen Möglichkeiten, die Hauptinstrumente samt ihrer Farbe zu individualisieren, erfreuen sicher eine verspielte Käuferschaft, machen die klar animierten Anzeigen rund um den großen Zentraltacho aber nicht besser ablesbar als die konventionellen Rundinstrumente des VW.Der weit oben platzierte Monitor des Bedienkonzepts R-Link 2 liefert zwar im Navigationsmodus (690 Euro Aufpreis, VW: 555 Euro) detailreiche 3-D-Karten bis hin zur Darstellung längerer Tunnel. Die Grafik insgesamt wirkt aber etwas grob. Direktwahltasten gibt es auch hier neben dem Monitor, sodass die Bedienung der vielfältigen Funktionen nach kurzer Gewöhnung leichtfällt.

Scénic mit mehr Assistenzsysteme
Dennoch zeigt der Scénic in den alltagsrelevanten Dingen nicht die Durchdachtheit, die den Touran für manche langweilig, objektiv gesehen aber eben sehr gut macht. Er wirkt verspielter. Dass der ältere VW ihn bei Konnektivität und Medienvielfalt – etwa mit einem optionalen WLAN-Hotspot sowie dem guten alten CD-Laufwerk – übertrifft, ist ebenfalls bemerkenswert. Immerhin kontert der Renault mit mehr Sicherheitsassistenz bis hin zum Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung.Beim Komfort ist ihm der Touran allerdings überlegen – und das wohl nicht nur, wenn er wie der Testwagen mit adaptiven Dämpfern (1.035 Euro) ausgestattet ist. Dazu erlaubt sich der neue Renault auf seinen extragroßen 20-Zoll-Rädern schlicht zu viel permanentes Gestolper und Gestoße auf Unebenheiten, die der Touran ohne großes Aufheben gekonnt wegfedert. Auch hat VW wohl mehr in die Schalldämmung investiert, der Renault leistet sich mehr Radau von Motor, Reifen und Wind.Besseres Sitzen ermöglicht ebenfalls der VW – hinten wie vorn. Dort lassen die Sitze des Relax-Pakets (590 Euro) dem Scénic-Piloten zwar eine elektrisch einstellbare Lendenwirbelstütze und handfeste Massagen zuteilwerden. Mit der nervigen Neigungsverstellung seiner weniger gut aus- geformten Lehnen büßt das Gestühl aber gleich wieder Sympathien ein. Besseres Sitzen ermöglicht ebenfalls der VW – hinten wie vorn. Dort lassen die Sitze des Relax-Pakets (590 Euro) dem Scénic-Piloten zwar eine elektrisch einstellbare Lendenwirbelstütze und handfeste Massagen zuteilwerden. Mit der nervigen Neigungsverstellung seiner weniger gut aus- geformten Lehnen büßt das Gestühl aber gleich wieder Sympathien ein.Das passiert dem Renault bei den Fahrdynamik-Tests nicht. Sowohl im Slalom als auch beim simulierten Ausweichen fährt er Zeiten auf Augenhöhe, wenn man sich mit seinem früh einsetzenden ESP arrangiert hat. Den Kurventanz beherrscht er, bereitet dabei jedoch weniger Freude als der Touran, weil die Lenkung kaum etwas spüren lässt vom Geschehen zwischen Reifen und Fahrbahn.

Mehr Fahrspaß im Touran
Die Fahrspaß-Wertung geht also an den VW, der willig durch Kurven zirkelt und gute Rückmeldung in der Lenkung bietet. Auch beim Bremsen lässt er nichts anbrennen. Womöglich würde der Scénic mit breiteren Reifen besser stoppen, doch gibt es lediglich 195er, während der Touran serienmäßig schon 215er trägt.Beim mess- und fühlbaren Temperament hat der VW seine serienmäßig LED-bestückte Nase (Scénic: 1.150 Euro) ebenso vorn, was angesichts 20 Mehr-PS aus 0,4 Litern mehr Hubraum nicht verwundert. Der Zweiliter pusht nachdrücklicher, wirkt bei den alltäglich genutzten Drehzahlen bis 3.000 Umdrehungen kräftiger und lässt sich das alles mit moderaten 0,4 Litern Mehrverbrauch bezahlen.Für sich betrachtet ist aber auch der Scénic dCi 130 gut motorisiert, mit ordentlicher Laufkultur und wachen Reaktionen auf Gasbefehle, dazu kommt ein passend abgestuftes Schaltgetriebe. 19Laut Tabelle und "Im Vergleich“: 194.4 km/h Spitze und elf Sekunden bis 100 km/h sind ja kein Grund, in Sack und Asche zu gehen. Schön wäre nur eine exaktere Führung des Schalthebels. Der liegt zwar schön nah am Lenkrad, schwabbelt aber unerfreulich durch die Gassen.Wieder so ein Detail, bei dem das Entwicklungsziel wohl "gut genug“ hieß und nicht "bestmöglich“. Das Endergebnis ist ein Spiegel dieser und anderer verpasster Chancen: Auftrumpfen kann der Scénic nur bei den Kosten mit dem niedrigeren Preis, der ordentlichen Ausstattung und fünf Jahren Garantie. Damit allein kann er den Touran allerdings nicht packen. An den geht wegen seiner – teuer erkauften – Qualitäten sehr klar die Eigenschafts- und damit die Gesamtwertung.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-01-05

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