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Testbericht

14. Mai 2014
Auch jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Als sich K-PR 1465 aus unserer engen Tiefgarage zwängt, traben wir runter, um ihm zu salutieren. Da ist schon klar, dass dies wohl das letzte Mal war, dass uns ein Espace, so wie wir ihn kennen, besuchte. 2015 kommt ein Nachfolger, der mit neuem Konzept dem Crossover-Trend folgt. Dabei setzt ein Renault Espace eigentlich Trends. Vor 30 Jahren startet er die europäische Van-Welle. Stimmt, da kurven hier schon Mitsubishi Space Wagon und Nissan Prairie herum, und auch beim Espace geht es nicht gleich los. Weil sich die Genialität der Idee zunächst in der Größe des Unverständnisses zeigt, auf das sie trifft. Am Projekt P23 entwickeln die beim Thema Unverständnis durchaus erfahrenen Firmen Renault und Matra sechs kurzweilige und wechselhafte Jahre mehr oder minder gemeinsam – bei Matra geistert das Konzept erst als Rancho-Nachfolger herum, was sich mit dem Ende von Talbot recht grundsätzlich erledigt hat. Beim Debüt 1984 repräsentiert der Espace alles, was französische Techniker unter einem modernen, uneitlen Großraumwagen verstehen, und kann damit im ersten Verkaufsmonat exakt neun Kunden begeistern.

Renault Espace packt 800 Liter in den Kofferraum Nicht nur der Preis von 29.990 Mark – 40 Mark mehr als ein stattlicher, allgemeinverständlicher BMW 520i – für einen Renault Espace 2000 TSE bedarf damals der Erklärung, sondern auch das Konzept. Braucht es das denn, sieben Sitze, die beiden vorderen lassen sich drehen, die hinteren einzeln herausnehmen oder umklappen? Und wie es das braucht! Der Renault Espace I maximiert Raum, in Länge und Breite weist er fast identische Maße auf wie ein Golf VII, packt sich aber als Fünfsitzer schon 800 Liter in den Kofferraum, ohne Fondmöblierung einen ganzen Umzug – auch wegen des komplett ebenen Ladebodens. Er bleibt allen Generationen ebenso erhalten wie charakteristische Designelemente: gegabelte A-Säule, hohe Fenster, große Heckklappe – Pragmatik statt Protz. Viele Grundideen haben über vier Generationen Bestand, dagegen ändert sich mit der Zeit die Technik. So tragen Renault Espace I und II die Motoren längs, werden wie der dritte Espace bei Matra in Romorantin gebaut. Bei ihnen verkleiden Karosserieteile aus Polyester einen verzinkten Stahlrahmen. Generation vier hat eine selbsttragende Stahlkarosserie und läuft – auch schon seit Herbst 2002 – bei Renault in Le Havre vom Band. Als Grand ist der aktuelle 61 Zentimeter länger, zwölf breiter, neun höher sowie 816 kg schwerer als unser Espace 2000 TSE. Der wirkt auch mit 29 Jahren noch erstaunlich rüstig. Die Startautomatik orgelt den Vergasermotor wach, wir hakeln den ersten Gang der kurzwegigen Fünferbox rein, dann rollt der Van sacht an. Er sei hart abgestimmt, fanden wir in Heft 4/1985, in unserer durchdynamisierten Gegenwart wirkt er weich. Die Servolenkung führt ihn etwas unbeteiligt in Kurven. Aber ein Renault Espace eilt nicht über Straßen, er gleitet durch den Raum, während sich die Passagiere auf plüschigen Knautschsesseln lümmeln.

Ein Auto wie kein anderes Auch heute fährt kein anderes Auto wie ein aktueller Renault Espace: mit abgehobener Sitzposition, entkoppelter Lenkung und experimenteller Bedienung. Er federt sanft, kurvt mit stolzer Unsportlichkeit und wirkt selbst als zehn Jahre alter, verwuschelter Familienvan in der Neubausiedlung neben all den grauen Familienkombis wie ein Raumschiff. Seit Ende des Citroën C6 vertritt kein Wagen das Autoverständnis der Grande Nation besser als der Grand Espace, der mit dem Schienensystem für die leicht ausbaubaren Rücksitze Variabilität perfektioniert, was sich auch daran zeigt, dass Mercedes für die Rücksitze der neuen V-Klasse mit demselben Zulieferer zusammenarbeitet wie Renault. Den Renault Espace gibt es nur noch mit zwei Leistungsvarianten des Zweiliter-Turbodiesels, der sich wie die beschauliche Sechsstufen-Automatik ungern hetzen lässt. Der Eile der Expressspur enthoben, tourt er besonnen auf großer Fahrt, weitet mit 7,42 Quadratmetern Glasfläche Aussichten und Horizonte. Ein Espace gibt dem Leben Raum. Doch sollten wir nicht greinen, wenn er sich nach 30 Jahren und 1,26 Millionen Exemplaren neu erfinden will. Umso besser, wenn wir ihn danach nicht gleich wieder verstehen. Unverständnis war meist das sicherste Anzeichen, dass Renault ein großes Auto gelungen ist.

Der Renault Espace: Vom Van zum geräumigen Crossover Wirklich Neues gibt es kaum, als 1991 nach 191.674 Exemplaren die zweite Generation kommt. 18 Zentimeter länger, war der Renault Espace II vor allem geräumiger. Dagegen trägt der Espace III ab 1997 den Motor quer statt längs, dazu kommt der 27 Zentimeter längere Grand Espace. 2015 kommt die fünfte Generation – dann aber als geräumiges Crossover statt als Van.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-05-14

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