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Testbericht

24. März 2014
Die Marke Qoros, eine Neugründung eines israelischen Finanzkonsortiums und des chinesischen Herstellers Chery, hat vor einem Jahr auf dem Genfer Auto Salon ihre ersten Modelle gezeigt, mit denen sie ab 2015 auch den europäischen Markt erobern will. Nach den gescheiterten Versuchen von Landwind und Brilliance, deren Autos wegen eklatanter Sicherheits- und Qualitätsmängel durchfielen, sind die Vorzeichen nun viel günstiger: Als erstes China-Modell schaffte der Qoros 3 Sedan beim Euro-NCAP-Crashtest die Höchstwertung von fünf Sternen, und die Entwickler, die man von namhaften europäischen Herstellern abgeworben hat, versprechen Technik und Design auf hiesigem Niveau.

Qualität als höchste Priorität beim Qoros 3 Sedan Als Basis dient eine modulare Plattform mit Federbein-Vorderachse und Verbundlenker-Hinterachse, die für das mittelfristig geplante Spektrum vom Kleinwagen bis zur oberen Mittelklasse genutzt werden kann. Die Serienfertigung im Werk Changshu begann im letzten Herbst mit der 4,62 Meter langen Stufenheck-Limousine 3 Sedan, die zunächst auf dem Heimatmarkt und seit Kurzem auch in der Slowakei angeboten wird. Mit der Einführung der 18 Zentimeter kürzeren Schrägheck-Variante, die gerade in Genf debütiert, soll die Produktion auf 150.000 Einheiten pro Jahr steigen, doch die Kapazitäten reichen für 350.000. Wichtiger als schnelles Wachstum ist jedoch die Qualität, die bei Qoros höchste Priorität genießt. Das beginnt schon mit der sauberen, wohltuend schlichten Form, für die der frühere Mini-Designchef Gert Volker Hildebrand verantwortlich zeichnet. Auch das Interieur des Viertürers, der nach Firmenangaben "am oberen Ende der Kompaktklasse" rangiert, wirkt hochwertig in Material und Verarbeitung. Der Gesamteindruck entspricht etwa dem eines Skoda Octavia, der zudem sehr ähnliche Maße und Platzverhältnisse bietet.

Ordentliche Platzangebote für Passagiere So schafft der Radstand von 2,69 Metern selbst für die Fondpassagiere eine ordentliche Beinfreiheit, während der Kofferraum deutlich knapper als beim Rivalen ausfällt (450/900 statt 590/1580 Liter). Im Gegenzug sind bereits die einfachsten Versionen mit einem Acht-Zoll-Touchscreen für das Infotainment ausgestattet, dessen Bedienung vom iPhone inspiriert ist. Allerdings rechnet das System etwas langsam und erschwert mit seinen kleinen Icons den intuitiven Zugriff. Für erste Testfahrten in China stand uns die Topversion mit Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe von Getrag, dem 156PS starken 1,6-Liter-Turbomotor und Start-Stopp-Automatik zur Verfügung, der per Anlasserknopf gestartet wird. Kurz nach dem Start sind noch leichte Vibrationen spürbar, doch die eigentliche Schwäche zeigt sich im dichten Stadtverkehr mit zahlreichen Ampeln. Da fängt der Wagen an zu ruckeln, und bei schneller Fahrt mit hohen Drehzahlen wirkt der Vierzylinder ziemlich rau.

Qoros 3 weckt mit seinem Fahrwerk Vertrauen Solange keine Schlaglöcher oder ähnliche Verwerfungen auftreten, bleiben die Insassen vor unangenehmen Schwankungen verschont. Erst auf schlechten Pisten kommt die Federung an ihre Grenzen. Auf kurvigen Straßen weckt das straff abgestimmte Fahrwerk dagegen Vertrauen. Die elektromechanische Lenkung ist zwar etwas gefühlsarm, aber ausreichend präzise, die Bremsanlage zeigt auch nach mehrmaliger Verzögerung kein Fading, und selbst bei abrupten Manövern bleibt der Wagen gut kontrollierbar. Obwohl Verarbeitung, Komfort und Fahreigenschaften weit mehr überzeugen als der Antrieb, kann man dem Qoros 3 Sedan auf Anhieb ein gutes europäisches Niveau bescheinigen. Auch am Preis dürfte es nicht scheitern: Das gefahrene Topmodell wird in der Slowakei für knapp 21.000 Euro angeboten.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-03-24

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