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Testbericht

1. November 2010

Ein VW Golf steht hierzulande an jeder Ecke, und auch an ähnlich gestrickten Alternativen zum Wolfsburger Bestseller herrscht kein Mangel. Da muss ein Hersteller schon eine besondere Strategie entwickeln, um in diesem hart umkämpften Segment als Außenseiter wahrgenommen zu werden. Beispiel Nissan: Dort hat man für treue Almera-Kunden zwar noch den biederen Tiida im Programm, doch den Golf greifen die Japaner mit dem Nissan Qashqai an – einer Kreuzung aus Kompaktlimousine und SUV, die den Publikumsgeschmack überraschend gut getroffen hat.

Nissan Qashqai als Maßstab für den Mitsubishi ASX Wohl auch deshalb, weil sich die Offroad-Zutaten des Nissan Qashqai auf eine bulligere Optik, erhöhte Sitzposition und einen auch abwählbaren, elektronisch geregelten Allradantrieb beschränken. Preisgestaltung, Komfort und Fahrverhalten orientieren sich an der Kompaktklasse. Im Frühjahr hat Nissan mit dem neuen Nissan Qashqai das 2007 eingeführte Erfolgsrezept gezielt verfeinert – gerade rechtzeitig, bevor mit dem Mitsubishi ASX der nächste Mischling dieser Art auf der Matte steht. Seine Entwickler zogen den Nissan Qashqai als Maßstab heran, und sie haben ihn sich genau angesehen: Die Abmessungen der beiden Konkurrenten weichen rundum nur um wenige Zentimeter voneinander ab. Technisch lehnt sich der Mitsubishi ASX am größeren Outlander an, von dem er den Radstand übernimmt. Komplett neu: der selbst entwickelte Turbodiesel. Zu seinen Besonderheiten gehören ein sehr niedriges Verdichtungsverhältnis (14,9:1) und eine variable Steuerung der Einlassventile. Mit 150 PS und 300 Nm ab 2.000 U/min erfüllt er die Erwartungen in dieser Leistungsklasse, beim Normverbrauch (5,7 L/100 km) verspricht er hohe Effizienz – nicht zuletzt dank serienmäßiger Kombination mit einer Start-Stopp-Automatik. Dieselmotor des Mitsubishi ASX präsentiert sich drehfreudig Doch in der Praxis trübt dieses System ein wenig den sonst guten Eindruck des Dieselmotors. Es lässt sich nach dem Ampelstopp einen Tick zu viel Zeit, um den 1,8-Liter wieder zum Leben zu erwecken. Darüber hinaus gönnt sich der kultivierte Vierzylinder des Mitsubishi ASX nur eine kleine Anfahrschwäche, bevor er munter und drehfreudig, aber ohne das Trommelfell zu strapazieren zur Sache geht. Auch nach dem Besuch an der Tankstelle bleibt die Freude erhalten. Trotz meist flotter Fahrweise reichen dem Mitsubishi ASX im Durchschnitt weniger als acht Liter für 100 Kilometer. Beim Nissan Qashqai muss man im Vergleich zum Mitsubishi ASX mit einem knappen Liter mehr rechnen. Doch dafür liefert sein zwei Liter großer, ebenfalls 150 PS starker Diesel nicht nur subjektiv mehr Temperament: Mit exakt zehn Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 erreicht der Nissan Qashqai die Werksangabe, während der Mitsubishi ASX – nominell ebenso flott – mit 11,6 Sekunden die Vorgabe deutlich verfehlt.

Mitsubishi ASX mit schwachen Bremsen Im Alltag wird zum Beschleunigen das Gaspedal jedoch nur selten durchgetreten, ausreichend Schub liefern sowohl Mitsubishi ASX als auch Nissan Qashqai im Fahrbericht schon bei weniger Last. Dennoch fühlen sich ambitionierte Autofahrer im Nissan Qashqai etwas besser aufgehoben. Bei zügiger Kurvenfahrt erreicht er zwar nicht ganz die Agilität manch konventioneller Kompaktlimousine, kommt einer solchen in puncto Lenkgefühl, Rückmeldung und Untersteuerneigung jedoch etwas näher als der weicher abgestimmte Mitsubishi ASX. Ein Plus an Komfort kann der Mitsubishi ASX damit nicht verbuchen. Sein Fahrwerk lässt mehr Seitenneigung zu, und die Dämpfer haben besonders bei kräftigen Fahrbahnunebenheiten Mühe, stärkere Karosseriebewegungen wirkungsvoll zu unterbinden. Dazu mischen sich unschöne Poltergeräusche. Solche Nachlässigkeiten sind allerdings eher zu akzeptieren als die schwachen Ergebnisse des Mitsubishi ASX bei der Bremsenprüfung. Gut 40 Meter Anhalteweg aus 100 km/h, die sich bei Beladung auf über 42 Meter verlängern, sind für ein modernes Auto zu viel. Nissan Qashqai ist komfortabler als der Mitsubishi ASX Der Nissan Qashqai, obwohl ebenfalls nicht frei von Fading, kommt unter allen Umständen eine halbe Wagenlänge früher zum Stehen. Auch beim Komfort verschafft sich der Nissan Qashqai einen Vorteil gegenüber dem Mitsubishi ASX, meistert holprige Straßen spür- und hörbar ruhiger. Auf Autobahn-Querfugen gerät er allerdings hin und wieder ins Stuckern. Konstruktionsbedingter Vorteil und nicht zu unterschätzender Kaufgrund für Autos dieser Gattung ist die erhabene Sitzposition und der bequeme Ein- und Ausstieg. Im Nissan Qashqai wünschen sich große Fahrer jedoch Sitze mit etwas mehr Oberschenkelauflage und die Möglichkeit, sie absenken zu können – speziell in Verbindung mit dem Panoramadach fällt die Kopffreiheit nicht üppig aus. Im Fond tritt dieses Problem weniger stark auf. An Schenkelauflage mangelt es dort zwar ebenfalls, nicht aber an Beinfreiheit.

Im Mitsubishi ASX ist es eher umgekehrt: Hinten schränkt das Glasdach die Kopffreiheit spürbar ein, vorn gibt es damit kein Problem. Ansonsten gilt für das Platzangebot wie für den Gepäckraum: hier wie dort ausreichend geräumig, die Unterschiede sind kaum der Rede wert. Gleiches gilt für das Cockpit. Solider Kunststoff dominiert das Ambiente, die drei Allrad-Fahrmodi werden per Drehschalter in der Mittelkonsole angewählt. Auch die Bedienung gibt keine Rätsel auf – abgesehen vom Multimedia-System des Mitsubishi ASX, das nicht so einfach und logisch aufgebaut ist wie die Lösung im Nissan Qashqai für geringe 700 Euro Aufpreis. Mitsubishi ASX und Nissan Qashqai kosten 30.990 Euro Mitsubishi koppelt es serienmäßig an die Topausstattung Instyle, die an Extras kaum noch Wünsche offen lässt. Auch hier marschieren ASX und Qashqai (in der Ausstattungsversion Tekna) im Gleichschritt: Ob Panorama-Glasdach, Soundsystem, beheizte Ledersitze, Einparksensoren am Heck, Klimaautomatik, schlüsselloser Zugang oder Xenon-Scheinwerfer – alles an Bord. Mitsubishi packt im ASX neben dem Navi-System sogar noch eine elektrische Verstellung für den Fahrersitz hinzu. Eine derart umfangreiche Serienausstattung hat jedoch ihren Preis – beide stehen mit jeweils exakt 30.990 Euro in der Liste. Die Höhe der Betriebskosten sollte man ebenfalls nicht unterschätzen, das nötige Budget (Mitsubishi ASX: 708 Euro, Nissan Qashqai: 677 Euro) orientiert sich hier eher an der SUV- als an der Kompaktklasse. Beide Kontrahenten liegen nicht weit auseinander, aber am Ende hat der Nissan die Nase vorn. Wem beide zu teuer sind: Nissan bietet vom Qashqai derzeit ein 1.600 Euro günstigeres Sondermodell mit noch besserer Ausstattung an, und Mitsubishi liefert den Diesel im ASX als 4WD mit reduzierter, aber immer noch ordentlicher Ausstattung als Invite schon ab 25.790 Euro. Oder man verzichtet wie über 80 Prozent aller deutschen Nissan Qashqai-Kunden auf den Allradantrieb und spart so 1.800 (Mitsubishi ASX) beziehungsweise 2.150 Euro (Nissan Qashqai). Dann erreichen beide das Preisniveau eines VW Golf mit 140-PS-TDI – der sich ebenfalls mit Frontantrieb begnügt.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-11-01

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