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Testbericht

5. November 2016
Es kommt auch bei uns Autotestern nicht jeden Tag vor, dass ein Wagen vor der Tür steht, der nicht so recht in die gewöhnliche Klassenzuordnung passen will. Der Audi Q2 ist so einer, er balanciert über die Schnittstelle zwischen Kleinwagen, Kompakt-SUV und Lifestyle-Familienauto, entzieht sich so vordergründiger Einordnung.Also bitten wir zum ersten Vergleichstest den ebenfalls recht neuen Kompakt-SUV Seat Ateca und den Lifestyle-Kombi Mini Clubman. Das sollte passen, um den Audi richtig einzusortieren. Schließlich denken auch Autokäufer häufig eher in Preis- als in Größenklassen. Wobei die Interessenten in diesem Fall ganz gut betucht sein sollten. Die Testwagen, jeweils ausgerüstet mit kräftigen Dieselmotoren, automatisch schaltenden Getrieben sowie Allradantrieb, kosten um die 35.000 Euro. Was ja nicht wenig ist für Autos, deren Raumangebot irgendwo zwischen VW Polo und Kia Soul liegt. Eine Ausnahme macht da der Seat Ateca, doch dazu später mehr.Womit wir beim Mini Clubman wären, der ja selten wegen seines überragenden Raumangebots, sondern vermutlich eher wegen des Designs und des geglückten Image-Transfers vom Ur-Mini her gekauft wird. Der blaue Testwagen ist ein Cooper SD All4, als solcher serienmäßig mit Achtgangautomatik ausgerüstet und 190 PS stark. Das kostet dann nicht weniger als 33.500 Euro.

Agil und kurvenfreudig
Viel Geld für einen Mini, so scheint es, doch in diesem Fall gibt es auch richtig viel Auto fürs Geld. Der Kleinste in diesem Vergleich ist der Mini schon mal nicht, denn er ist rund sechs Zentimeter länger als der Q2, und sein maximaler Laderaum fasst 200 Liter mehr. Für alltägliche Transportaufgaben ist der Mini jedenfalls besser gerüstet als der kleinere Audi – sieht man einmal von der für den Clubman stilechten, jedoch unpraktischen Doppelklapptür im Heck ab. Was die Passagiermitnahme angeht, stellt er sich ebenfalls ganz gut an.Knie- und Kopffreiheit gibt es hinten ordentlich, und auch vorn ist mehr Platz als im Q2. Im Fond stört höchstens die sehr straff gepolsterte Sitzbank, denn der Zugang durch die beiden hinteren Türen gestaltet sich sogar für Erwachsene ausreichend bequem. Zumindest solange sie einigermaßen beweglich sind, denn die Sitzhöhe über der Fahrbahn ist im Mini um immerhin zehn Zentimeter geringer als im Audi, im Vergleich zum Seat sind es sogar über zwölf Zentimeter.Das hört vermutlich kein Marketingmann eines großen Autoherstellers gern, doch die üppige Sitzhöhe ist für viele, vor allem ältere Kunden ein echtes Kaufkriterium. Allerdings: So schön das hohe Sitzen auch ist, der Fahrdynamik bekommt es nicht, weshalb der Clubman deutlich agiler durch Kurven huscht als Q2 und Ateca. Das ist nicht nur auf den Messgeräten der Testabteilung beim Standardslalom und dem doppelten Spurwechsel abzulesen, bei denen der Mini die beiden Konkurrenten ziemlich abledert, es lässt sich ebenso hinterm Lenkrad erfahren.Spontanes Einlenken, wenig Karosseriebewegung um die Längsachse und zackige Richtungswechsel zeichnen den Mini aus. Der übrigens in diesem Kapitel noch mehr Punkte sammelte, wenn seine Lenkung nicht tendenziell nervös und hektisch reagierte. Das geht bei Audi und Seat harmonischer, auch wenn die deutlich langsamer unterwegs sind.Insbesondere gilt das für den Seat, der ja mit seiner ausladenden Karosserie und dem üppigen Platzangebot ein ausgewachsener SUV ist.

Groß und bequem
Zum Test kommt der Seat als 2.0 TDI mit 190 PS, zu dem serienmäßig der Allradantrieb und das Doppelkupplungsgetriebe sowie die Topausstattung Xcellence gehören. Fast 36.000 Euro stehen in so einem Fall auf dem Preiszettel, da wird so mancher langjährige Seat-Kunde stutzig. Allerdings kostet ein vergleichbar motorisierter VW Tiguan fast 4.000 Euro mehr, das mag den Interessenten trösten.So bietet der Ateca also ebenfalls recht viel Auto fürs Geld, denn zum üppigen Raumangebot und dem kräftigen, kultivierten Dieselantrieb kommt ein komfortbetontes Fahrwerk, das vor allem die alltäglichen kleinen Fahrbahngemeinheiten vorbildlich wegsteckt – und das sogar ohne Adaptivdämpfer. Nicht mehr ganz so gut klappt das, wenn die Zuladung höher und die Amplituden der Unebenheiten größer werden, dann wankt der Ateca ähnlich wie ein Schiff auf schwerer See und gibt so manchen Fahrbahnstoß deutlich spürbar an die Insassen weiter.Und da wir gerade von den Schwächen des Seat sprechen: Bremsen kann er nicht so gut wie Audi und Mini. So benötigt er aus 100 km/h 3,7 Meter mehr Bremsweg als der Audi, beim Bremsen aus 160 km/h beträgt der Unterschied sogar sieben Meter, das entspricht, Sie kennen das, liebe Leser, einer Restgeschwindigkeit von beinahe 43 km/h.Die Größe und das Gewicht des Seat machen sich ebenso beim Treibstoffkonsum bemerkbar. Er benötigt etwas mehr Diesel als Mini und Audi, im Testmittel waren es 0,2 Liter mehr. Beim heutigen Preisniveau macht das bei jährlich 15.000 Kilometern weniger als 50 Euro aus, wohl kein kaufentscheidendes Kriterium.

Komfortabel und hochwertig
Allzu zimperlich sollten die Audi-Q2-Interessenten beim Preis nicht sein, der kleine Crossover-SUV kommt als 2.0 TDI mit dem 150-PS-Diesel, S tronic und Quattro-Antrieb mit 34.000 Euro auf praktisch den gleichen Preis wie Clubman und Ateca, die freilich je 40 PS stärker sind. Dass der Audi deutlich milder motorisiert ist, merkt man bei jedem Gasgeben, er müht sich stärker ab, schaltet sich hektischer durch die Gänge, während Mini und Seat scheinbar mühelos davonziehen.Apropos Getriebe: Beim Doppelkuppler im Zweiliter-Diesel-Q2 handelt es sich um die aktuellste Version mit zwei im Ölbad laufenden Lamellenkupplungen und zwei Ölpumpen. Das ist im normalen Fahrbetrieb nicht zu merken, soll sich aber durch bessere Effizienz und Haltbarkeit auszahlen. Im Test agiert das Getriebe ebenso schnell wie ruck- und fehlerfrei. Das gilt auch für den Quattro-Antrieb, der wie die S tronic 2000 Euro Aufpreis kostet, doch außer für bessere Traktion nebenbei für feineren Federungskomfort sorgt, weil in den Allrad-Varianten des Q2 statt der Verbundlenker-Hinterachse eine Mehrlenkerachse verbaut ist.Zwar wirkt der Audi beim ersten Kennenlernen etwas straff, doch gewinnt das Komforterlebnis von Kilometer zu Kilometer, weil das Fahrwerk (hier mit Adaptivdämpfern für 580 Euro Aufpreis) vor allem bei gröberen Anregungen deutlich geschmeidiger reagiert als jene im Seat und Mini. Das gilt sogar dann, wenn die Zuladung (maximal 465 kg) ausgereizt wird.Ach ja, Gewicht: Alle drei Autos wiegen so um die 1.600 kg, Q2 und Clubman etwas weniger, der Ateca etwas mehr. Da erscheinen die 190 PS der beiden stärkeren Modelle in diesem Test gar nicht mehr so übertrieben, der Audi mit 150 PS gar gerade mal ausreichend motorisiert, dabei beschleunigt er unter neun Sekunden auf 100 km/h und ist über 200 km/h schnell.Was er sonst zu bieten hat? Eine saubere, gediegene Verarbeitung, Infotainment auf der Höhe der Zeit und ein angenehm zurückhaltendes Auftreten, an dem auch die silberne C-Säulen-Verkleidung nichts ändert. Und mit 150-PS-Benziner gibt es ihn bereits für weniger als 25.000 Euro.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-11-05

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