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Testbericht

4. Februar 2015
Die Göttin Fortuna zeigt sich bekanntlich gerne launisch – manchmal aber trifft das Glück doch den Richtigen. In diesem Fall Martin Gstrein, 34 Jahre jung und Koch in einem zauberhaften Tiroler Gasthof. Der Österreicher kann bereits auf eine eindrucksvolle Klassikerkarriere zurückblicken: "Die Leidenschaft begann mit einem 1965er Volkswagen, der mich wiederum zu einem 1951er Brezelkäfer führte", erzählt Martin Gstrein.Danach sollte es ein wenig flotter vorangehen: Auf den ersten Porsche 911 SC folgte ein 964, dann ein 993, dann wieder ein Carrera 3.2 und ein SC, zwischendurch gab es auch einen 356. Doch der gebürtige Ötztaler suchte etwas Selteneres, Ausgefalleneres - und wurde bei einem Händler um die Ecke fündig, über den der Erstbesitzer einen 1979er Porsche 911 SC-L 3.1 veräußern wollte. Doch was ist das überhaupt, ein Porsche 911 SC-L 3.1? "In meinem Freundeskreis kannte niemand so ein Auto, also dachte ich: genau mein Ding", sagt Martin Gstrein und ergänzt: "Außerdem hatte der Wagen Sportsitze und diese wunderbaren Zusatzscheinwerfer von Cibié."

Alle Dokumente von dem seltenen Elfer vorhanden
Den Ausschlag aber gab der sehr gute, vollständig originale Zustand des Wagens mit gut 180.000 Kilometern Laufleistung - und die vollständige Dokumentation einschließlich aller Rechnungen aus der Hand des Erstbesitzers, eines Apothekers aus Gräfeling bei München. Dieser hatte das Porsche 911 SC Coupé, 3,0 Liter, 180PS, in Grand-Prix-Weiß am 20. Dezember 1978 beim Porsche-Händler Sepp Greger in Dachau bestellt. Grundpreis: 38.348,21 Mark netto.Dazu wünschte sich der Apotheker elf Extras, darunter Sperrdifferenzial, Leichtmetallfelgen, Sportsitze und Lederlenkrad. Endpreis inklusive Lieferpauschale (Selbstabholer) und 12 (!) Prozent Mehrwertsteuer: 49.513,12 Mark, zahlbar bei Abholung Mitte Juni. So weit, so gut - dazu aber bestellte der Gräfelinger am 28. Mai 1979, also noch vor der Auslieferung des Porsche 911, bei Sepp Greger eine Leistungssteigerung im Werk von 180 auf 210PS, Preis: 6.900 Mark.

Leistungssteigerung auf 210PS
Das Interessante daran: Diesen Leistungssteigerungskit gab es offiziell erst ab 1981. "Allerdings waren Sonderwünsche bei Porsche schon immer üblich", erklärt Dieter Landenberger, Chef des Porsche-Archivs: "Schon für den frühen 356 mit 1300 cm3 hielt man eine von Fuhrmann entwickelte Nockenwelle bereit, die fünf PS brachte - was damals bei Clubrennen einen klaren Vorteil ergab."Der Kit für den Porsche 911 SC indes war deutlich aufwendiger: Die Zylinder des Turbo mit 97 mm Bohrung samt Mahle-Kolben ergaben bei unverändert 70,4 mm Hub 3122 cm3 Hubraum, dazu kamen eine höhere Verdichtung, Änderungen an der Einspritzanlage sowie ein größerer Ölkühler. Ergebnis: 210PS, so viel wie der Ur-Carrera von 1973, aber schon bei 5.800 Touren. Der Kit muss wohl schon 1978 im Umlauf gewesen sein, denn dazu gab es eine saubere Leistungskurve für die Bedienungsanleitung sowie den Hinweis, auf jeden Fall 98 Oktan zu tanken.

Porsche-Werksunterlagen vernichtet
Und natürlich wusste ein ehemaliger Rennfahrer wie Sepp Greger, was es im Werk für feine Teile gab, und informierte entsprechende Kunden. Wie viele Porsche 911 SC auf 210PS erstarkt sind, ist unbekannt. "Die damaligen Dokumente sind leider vernichtet worden", bedauert Landenberger. Viele können es nicht gewesen sein, schließlich gab es ab Modelljahr 1984 den 3,2-Liter.Vollends einzigartig wird der Porsche 911 SC-L auf diesen Seiten durch die Lackierung, die der Erstbesitzer einen Tag nach der Abholung bei Walter Maurer in Auftrag gab, dazu ließ er bei Sepp Greger unter anderem die Cibié- Scheinwerfer und Zusatzinstrumente montieren. Was macht man nun mit einem so seltenen Stück? "Gut behandeln", meint Martin Gstrein: "Bislang bin ich etwa 2.500 Kilometer damit gefahren, am liebsten genieße ich seinen Anblick in der Garage."Fortuna hat offenbar gut gewählt: Martin Gstrein wird auf den Porsche 911 SC-L 3.1 aufpassen und ihn für die Nachwelt erhalten.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-02-04

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