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Testbericht

11. Juli 2010

Mit aufregend geformten Sportwagen-Studien zogen Frankreichs Volumenhersteller in der Vergangenheit auf Messen regelmäßig die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Doch mit ebensolcher Regelmäßigkeit wurden die Hoffnungen der frankophilen Fans auf eine Serienfertigung enttäuscht, die Exponate wanderten stets ohne Umweg ins Museum. Peugeot, in der jüngeren Automobilgeschichte ausschließlich im Rennsport mit Ambitionen in diesem Segment, beendet nun die Durststrecke: Der auf der IAA 2007 als Concept-Car präsentierte Peugeot RCZ steht jetzt nahezu unverändert bei den Händlern, und die Nachfrage übertrifft bereits die Erwartungen.

Peugeot RCZ ist kein unerreichbar teurer Kleinwagen Kein Wunder, schließlich ist der Zweitürer kein unerreichbar teurer Traumwagen. Die Preise für den Peugeot RCZ beginnen bei 26.450 Euro für die Version mit dem 156 PS starken 1,6-Liter-Turbobenziner, wie sie zum Fahrbericht bereitsteht. Trotz der rassigen Form, die nur im Frontbereich an die technikspendende Peugeot 308-Baureihe erinnert, muss man nicht auf Alltagstauglichkeit verzichten. In dem appetitlichen, mit einem automatisch ausfahrbaren Spoiler bestückten Heck versteckt sich ein gut nutzbarer 321-Liter-Gepäckraum. Rücksitze mit einzeln vorklappbaren Lehnen gibt es auch, doch die taugen in der Praxis nur als Stauraum. Im Cockpit kauert das gewölbte Dach über den Passagieren und schränkt zusammen mit den breiten A-Säulen die sonst gute Übersicht ein. Auch mit der Position hinter dem abgeflachten Lenkrad kann sich nicht jeder anfreunden, doch der Blick auf die sauber gezeichneten Instrumente und die hübsche Analoguhr versöhnt mit der Tatsache, dass sich das Cockpit eng an das der Peugeot 308-Limousine anlehnt. Beim Fahrberichtspartner Renault Mégane Coupé ist das Kosten-Diktat der Großserie noch offensichtlicher. Mégane Coupé ist rund 2.500 Euro günstiger als der RCZ Obwohl Renault mit Alpine eine ruhmreiche Sportwagen-Vergangenheit vorweisen kann, müssen sich Dynamiker hier seit Jahren mit scharf gemachten Kompaktablegern zufriedengeben. Allerdings formt Renault den Rücken des zweitürigen Renault Mégane so gekonnt, dass der Zusatz Coupé durchaus seine Berechtigung hat, wenngleich die Sicht nach schräg hinten miserabel ausfällt. Von vorn sorgen nur auffällig geformte Lufteinlässe für eine optische Abgrenzung zur Limousine. Vorteile dieser Vorgehensweise: Der ordentlich dimensionierte und erweiterbare Gepäckraum kapituliert dank großer Heckklappe nicht vor sperrigeren Gegenständen. Zudem können im mühsam zugänglichen Fond auch Erwachsene mitfahren. Und der Preis des Renault Mégane liegt mit 23.950 Euro für die 130-PS-Turboversion 2.500 Euro unter dem des Peugeot RCZ - bei wesentlich umfangreicherer Ausstattung. Navigationssystem, Zugang und Start ohne Schlüssel oder eine Lederpolsterung müssen beim Renault Mégane nicht mehr extra bezahlt werden. Allerdings verströmt das Cockpit im Vergleich weder ein sportliches noch ein besonders hochwertiges Flair. Bei der Funktionalität gibt es ebenfalls Nachholbedarf. RCZ mit 156 Turbo-PS flott motorisiert Das tief montierte, mit kleinen Tasten bestückte Radio, die außerhalb des Sichtfeldes hinter dem Schalthebel platzierte Navi-Bedienung und der analog-digitale Instrumenten-Mischmasch gehen bestenfalls als gewöhnungsbedürftig durch. Immerhin gelingt Sportwagen-Interessenten damit die Flucht vor der Langeweile, denn Dynamik und Fahrspaß sind nicht zu knapp bemessen. Mit 156 Turbo-PS aus 1,6 Liter Hubraum ist der etwas über 1,3 Tonnen schwere Peugeot RCZ zwar nicht üppig, aber flott motorisiert. Satten Punch darf man von der Zwangsbeatmung allerdings nicht erwarten. Dafür glänzt der Vierzylinder im Fahrbericht mit gleichmäßig-kraftvoller Leistungsentfaltung: Er dreht zügig, wenngleich ohne akustischen Reiz Richtung roten Bereich und erreicht nach flinken acht Sekunden Tempo 100. Dabei flutscht der Schalthebel mit ein wenig Druck exakt durch die Gassen des Sechsganggetriebes. Auf kurvenreichen Strecken zeigt der wieselflinke Peugeot RCZ, dass er nicht nur wie ein Sportwagen aussieht. Willig und präzise folgt er jedem Lenkeinschlag, schiebt kaum über die angetriebenen Vorderräder und lässt sich auch durch Lastwechsel nicht aus der Ruhe bringen. Kaum Differenzen bei den Fahrleistungen Gut ausgeformte Sitze und eine ausreichend exakte, nicht ganz stoßfreie Lenkung unterstützen den Piloten beim Fahren einer sauberen Linie. Natürlich bringt die straffe Abstimmung beim Komfort gewisse Einbußen mit sich, die aber in diesem Segment tolerabel sind. Der Renault gibt sich in diesem Punkt verbindlicher, doch wer deshalb Zweifel an den querdynamischen Fähigkeiten hegt, wird im Landstraßengeschlängel eines Besseren belehrt. Auch das Renault Mégane Coupé bewegt sich im Fahrbericht ausgesprochen agil und kann dem Peugeot RCZ ohne große Mühe folgen. Allerdings könnten die Lenkung mehr Rückmeldung, die leichtgängige Schaltung mehr Präzision und die Sitze mehr Seitenhalt bieten. Zudem neigt der Renault Mégane im Extremfall stärker zum Eindrehen. Der nur 1,4 Liter kleine Turbo geht dagegen ähnlich unspektakulär zur Sache wie der Peugeot-Motor, wobei die Differenzen bei den Fahrleistungen im Alltag weniger spürbar sind als auf der Messstrecke. Bei der Elastizität im fünften Gang egalisiert der Renault gar sein PS-Defizit dank einer kürzeren Übersetzung, jedoch um den Preis eines spürbar höheren Verbrauchs. Mit 9,3 gegenüber 8,5 Liter pro 100 Kilometer konsumiert er im Durchschnitt fast einen Liter mehr. Davon abgesehen ist der Renault Mégane zwar nicht das sportlichere, aber das viel günstigere Auto. Wem das angesichts des rassigen Peugeot RCZ-Appeals nicht reicht: Zu dessen Basispreis gibt es den Renault Mégane bereits mit 250 PS - unter Sportlern auch ein zugkräftiges Argument.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-07-11

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