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Testbericht

19. März 2017
Rückblickend macht das Leben ja mitunter den Eindruck, es sei eine zusammenhängende Geschichte. Dabei kommt es auf so viele Zufälle an. Dass es die Erde gibt, informierten Wissenschaftler jüngst, sei ein enormer Zufall. So einer, als tobe ein Hurrikan über einen Schrottplatz und wirbele die Teile so durcheinander, dass am Ende eine Boeing 747 dasteht. Oder im Kleinen bei uns allen: bei der einen nur einen falschen Witz gemacht, bei der anderen zufällig den Mut gehabt, auf einen – Sie wissen schon, zwinkerzwinker – Kaffee mit hochgekommen. Etwas vereinfacht: Deswegen stehst du nun neben Gepäckbergen zwischen einer munteren Kinderschar vor einem Kofferraum – einem immer vollen.Nur so hast du gelernt, dass ein Familienauto nicht zu groß sein kann. Für alle, die das nicht nur befolgen wollen, sondern finanziell auch können, gibt es seit sieben Jahrzehnten den VW-Bus. Seit 1985 und Generation T3 ist der Multivan dabei. Seither heißt es – wie beim Porsche 911 –, wann immer ein günstiger Konkurrent kommt, nun werde es aber eng für den Multivan. Mal sehen, wie es wird, mit Peugeot Traveller und VW Multivan. Beide mit 150 PS und Gepäcklagern im Kubikmeterbereich.

Seit 14 Jahren die selbe Plattform
Der Traveller basiert auf der Universalplattform des PSA-Konzerns – wie Peugeot 308, 3008, 5008 oder Citroën C4 Picasso. Sie heißt EMP2 für Effiziente Modulare Plattform. Ziemlich das Gegenteil der Multivan-Basis: Die entwickelten die VW-Techniker exklusiv für den Bus – nicht modular und nur dann annähernd effizient, wenn sie über Jahre genutzt wird. 14 sind es schon, denn in seinem Fundament entspricht der 2015 präsentierte T6 dem T5 von 2003.Was dem VW einen Vorteil bei der Raumeffizienz einbringt. Anders als der ganz neue Traveller muss der Multivan wegen der alten Basis nicht die härteren Vorschriften zum Fußgängerschutz einhalten. Rund zehn Zentimeter Baulänge braucht der Peugeot allein für die sicherere Front auf, daher kann er sich trotz üppigerer Außenlänge und viel längerem Radstand keinen Vorteil beim Raumangebot verschaffen. Er bietet mehr Platz für die Passagiere, der VW mehr fürs Gepäck. Vor allem lässt sich der viele Raum im T6 variabler nutzen.Der Test-Multivan kommt in der mittleren Ausstattung Trendline noch immer geizig ausgerüstet und nur mit der Dreierbank im Fond. Die zwei bequemen Einzelsitze für Reihe zwei kosten 1.125 Euro extra, lassen sich drehen, verschieben, klappen und wie die Rückbank herausnehmen. Also theoretisch. Praktisch eher nicht, und wenn VW betont, der Ausbau sei seit der Modellpflege erleichtert, ist das so zu verstehen, wie wenn Baumärkte Zement mit "Jetzt im handlichen 50-Kilo-Sack" anpreisen. Jedenfalls lässt sich die Dreiercouch auf Schienen verschieben und an jeder Stelle arretieren. Zudem kann sie für kuschelige Stunden zu so was wie einem Bett geklappt werden.

Hohe Aufpreise für Extras
Dagegen pflegt der Traveller in der Basisversion Active einen weniger romantischen Einrichtungsstil. Serienmäßig möbliert eine Dreierbank den weiträumigen Fond, eine zweite Bank kostet 1.300 Euro. Wer Einzelsitze möchte, bekommt die erst beim 8.550 Euro teureren Allure, und dann nur für weitere 2.850 Euro. Auch beim Peugeot kostet die nicht so nötige linke Schiebetür extra (550 Euro).Beim Traveller rollt die Rückbank ebenfalls auf Schienen, sogar asymmetrisch geteilt und leichtgängiger. Doch sie lässt sich nur an zwei Stellen arretieren und wieder aufklappen. Sehr praktisch für das kleine Gepäck zwischendurch ist die separat öffnende Heckscheibe, die Schiebetüren öffnen sensorgesteuert, wenn man unter den Schwellern herumfüßelt. An das große Variabilitätstalent des Multivan reicht der Traveller zwar nicht heran, er überbietet ihn aber optional mit Massagesitzen, Head-up-Display und einer umfangreicheren Assistenzabteilung. Die ist beim VW dürftiger besetzt, und wie der Traveller sollte er besser bremsen.

Traveller mit Lieferwagen-Charakter
Vorwärts geht es beim VW Multivan mit dem Zweiliter-Turbodiesel, im Testwagen verbandelt mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Es sortiert seine Gänge eilig, treffsicher und fugenlos, treibt den schon leer 2,2 Tonnen schweren Multivan in Kooperation mit dem 150 PS starken Diesel vehem ..., na ja, ordentlich voran. Kultivierter und leiser zudem, als das dem ebenfalls zwei Liter großen Turbodiesel im Traveller gelingt. Man mag über seine rustikalere Material- und Verarbeitungsgüte hinwegsehen, doch das viel höhere Geräuschniveau lässt sich nicht überhören.Das liegt auch an den Manieren des Selbstzünders. Der hangelt sich bis 1.500 Touren durch eine Laderlethargie, zieht den Traveller danach umso druckvoller voran – zu druckvoll mitunter für die Traktionsreserven. Um 3.000/min wechselt sein Ton dann ins Lieferwagige. Zeit also für einen Gangwechsel, wobei das eine durchaus schmeichelhafte Bezeichnung für einen Vorgang ist, bei dem es gilt, die nächste Übersetzung über den knubbeligen Schalthebel hineinzuhakeln. Das ändert nichts an den erheblich fixeren Fahrleistungen und dem deutlich niedrigeren Verbrauch des 299 Kilo leichteren Peugeot Traveller.

Keine Handling-Talente
So, nun müssen wir wohl noch was zum Thema Handling sagen. Aber, oh schauen Sie doch mal, da drüben ... Nicht drauf reingefallen? Na gut. Also: Beide biegen sicher um Kurven, werden früh vom ESP eingebremst. Der VW stützt sich davor schwer auf dem kurvenäußeren Vorderrad ab, lässt aber in der direkteren Lenkung etwas spüren, das man mit der Idee von Rückmeldung in Verbindung bringen könnte. Beim Peugeot fehlt es daran schon den kleineren Modellen der EMP2-Basis. Beim Traveller geht schüchterne Präzision einher mit überaus diskreter Rückmeldung.Auch beim Fahrwerks-Set-up zeigt sich, dass es große Kompromisse fordert, eine Kompakt-Plattform für einen Groß-Van zu nutzen. Weil die Verbundlenker-Hinterachse auf 1,4 Tonnen Last ausgelegt ist, geht es dahin mit dem Komfort. Über kurze Wellen rumpelt der Peugeot harsch, gibt lange herb weiter. Immerhin lässt er das Nachschwingen sein, das Passagieren im VW eine gewisse Seetüchtigkeit abverlangt. Insgesamt aber federt der Multivan viel sorgsamer.Teurer als der Peugeot ist der VW aber auch. 4.600 Euro kostet der Peugeot Traveller ausstattungsbereinigt weniger. Das relativiert sich etwas, weil so ein VW Multivan gebraucht stattliche Preise erreicht. So gewinnt er keineswegs zufällig – oder um Mark Twain zu zitieren: "Um einen guten Zufall herbeizuführen, bedarf es großer Vorbereitung." Wird also noch dauern, bis einer den Multivan zu Fall bringt.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-03-19

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