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Testbericht

4. Juni 2010

Nehmen wir den Kritikern gleich mal den Wind aus den Segeltüchern ihrer Stoff-Verdecke: Es stimmt, Blechdach-Cabrios sehen häufig nicht besonders filigran aus. Und ja, vor allem von hinten leiden die Proportionen unter dem pummeligen Popo. Ein Hardtop faltet eben nicht so kompakt wie ein Stück Stoff. Doch vor allem Laternenparker sehen im vandalismus- und waschanlagenfesten Dach oft die einzige Möglichkeit, überhaupt ein Cabrio als Erstauto zu fahren.

Das Peugeot-Hardtop öffnet auch während der Fahrt Wenn es dann noch wie beim Peugeot 308 CC vier Personen und über 400 Liter Gepäck befördert, lässt sich das wuchtige Heck verschmerzen. Selbst bei offenem Dach bleibt mit über 220 Liter noch genügend Platz fürs Wochenend-Gepäck übrig. Von der reichen Erfahrung der Franzosen, die das Klappdach mit dem Peugeot 206 CC schon vor zehn Jahren demokratisiert haben, kündet neben der kurzen Öffnungszeit von 20 Sekunden die Tatsache, dass es sich als eines der wenigen Hardtops auch während der Fahrt betätigen lässt - allerdings nur bis zum gehobenen Jogging-Tempo von zwölf km/h. Die Konstruktion hat aber Nachteile: Da sie nur aus zwei Teilen besteht, reicht die flache Windschutzscheibe sehr weit nach hinten. Dadurch leidet nicht nur das Offenfahr-Gefühl, beim schwungvollen Ein- und Ausstieg teilt der Scheiben- Rahmen gern schmerzhafte Erinnerungen aus. Da auch die Heckscheibe sehr flach steht, sitzen die hinteren Mitfahrer wie unter einer Glasvitrine. Die steile Lehne degradiert die Rückbank überdies zum Kurzstrecken-Möbel. Nicht nur beim Dach macht der VW Eos den reiferen Eindruck Das dreiteilige Dach im VW Eos wirkt daneben deutlich ausgeklügelter. Zwar klappt es nur im Stehen und nimmt sich dafür fünf Sekunden länger Zeit. Dafür sorgt sein großes Glaselement schon geschlossen für einen freundlich-hellen Innenraum. Zudem lässt es sich wie ein Schiebedach separat öffnen, falls es für komplettes Oben-ohne noch nicht warm genug sein sollte. Nicht nur beim Dach macht der VW Eos den reiferen Eindruck: Auch in Sachen Materialanmutung setzt der Golf-Ableger mit seinem beflockten Handschuhfach, übersichtlicher Instrumentierung oder Details wie dem Motorhaubenlift statt simplem Klemmstab die Maßstäbe. Praktisch auch, dass er dank serienmäßiger Rückbank-Durchlade längeres Transportgut verdaut. Da sich Lenkrad und Vordersitze in weiten Bereichen verstellen lassen, finden VW Eos-Fahrer unterschiedlichster Statur eine aufrechte, aber bequeme Position, von der aus sich die Karosserie problemlos überblicken lässt. Beide Cabrios verschonen ihre Insassen vor heftigen Orkan-Böen Der Peugeot-Vorderwagen entzieht sich hingegen völlig den Blicken des Fahrers. Nach hinten stehen dicke Pfosten im Weg. Zudem will die Lehne der ebenfalls bequemen Vordersitze am besten im Stand eingestellt werden, da deren fummelige Entriegelung bei geschlossener Tür kaum zu ertasten ist. Jetzt aber endlich Dach runter und los. Auch ohne zusätzlich montierte Windschotts verschonen beide Cabrios ihre Insassen vor allzu heftigen Orkan-Böen. Auf Wunsch verlängert beim Peugeot 308 CC ab Variante Premium sogar ein Nackenfön die Open-Air-Saison - für 710 Euro Aufpreis. Einen Sturm vermag auch der 120-PS-Basismotor nicht zu entfachen, der mit dem 1,5-Tonner kräftig zu schleppen hat. Die kurze Übersetzung des hakeligen Fünfganggetriebes ermöglicht immerhin Fahrleistungen der Kategorie unspektakulär, aber ausreichend. Durch die hohen Drehzahlen (bei 130 km/h liegen schon 4.000/min an) brummt der 1,6-Liter auf der Autobahn jedoch unangenehm vor sich hin. VW Eos mit agilem Handling und präziser Lenkung Obwohl nur zwei PS stärker, hat der 1,4-Liter von VW weit weniger Mühe. Von einem Turbolader mit 0,8 bar unter Druck gesetzt, tritt der TSI schon bei niedrigen Drehzahlen motiviert an und dreht leichtfüßig hoch. Dank langem sechstem Gang und dezenten Verbrennungsgeräuschen bleibt der VW Eos selbst bei höherem Tempo so leise, dass bei geschlossenem Hardtop nur leichte Windgeräusche unangenehm auffallen. Auch querdynamisch überzeugt der VW mit agilem Handling und präziser Lenkung. Da er sich in Kurven kaum zur Seite neigt und längere Wellen für wenig Unruhe sorgen, lässt es sich verschmerzen, dass Querfugen einen Tick zu deutlich anklopfen. Auf die 1.045 Euro teuren aktiven Dämpfer kann angesichts der gekonnten Abstimmung jedenfalls verzichtet werden. Der VW Eos ist sparsamer, der Peugeot 308 CC günstiger Der Peugeot 308 CC schluckt zwar Querfugen und Frostaufbrüche etwas gelassener, wirkt dafür jedoch in Kurven schwerfälliger und untersteuert früher. Nicht zuletzt trägt die gefühlsarme Lenkung dazu bei, dass es seine Fahrer lieber ruhiger angehen lassen. Sollte er es dann doch mal übertreiben, helfen die ESP-Systeme beider Kandidaten mit feinfühligen Eingriffen ums Eck. Auch die Bremswerte sind über jeden Zweifel erhaben. Bei den Cabrio-Eigenschaften hat der Peugeot dennoch keine Chance gegen den VW - angesichts der langen Klappdach- Erfahrung etwas enttäuschend. Anders sieht es bei den Kosten aus, wo der Eos nur den geringeren Spritverbrauch für sich verbuchen kann. Sein Blue Motion Technology-Paket (425 Euro) spart vor allem in der Stadt, da es den Motor im Stand ausknipst. Dafür belastet der Peugeot 308 CC das Konto bei der Anschaffung mit gut 2.000 Euro weniger. Zudem ärgerlich, dass sich VW beim ansonsten gut ausgestatteten Cabrio (Klimaanlage, 16-Zoll-Alufelgen und Nebelscheinwerfer Serie) Radio und Lederlenkrad extra bezahlen lässt. Der Peugeot 308 CC hat nicht nur beide Positionen bereits in der Basis an Bord, er kommt auch beim monatlichen Unterhalt etwas günstiger.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-06-04

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