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Testbericht

23. Juli 2009

So schnell gibt sich der Verbrennungsmotor also nicht geschlagen. Wer dem klassischen Antrieb im momentanen Hybrid- und Elektro-Hype bereits ein Plätzchen auf dem Autotechnik-Friedhof reserviert hat, dürfte angesichts dieser Zahlen stutzig werden: Mit 3,9 Liter Diesel fährt der Passat Blue TDI auf der auto motor und sport-Normrunde 100 Kilometer weit. Da guckt selbst der neue Polo TDI erstmal nur neidisch.

Der Verbrauch des Opel Insignia Ecoflex liegt bei 4,5L/100km Die 4,5 Liter für den Opel Insignia Ecoflex beeindrucken angesichts seiner 160 PS kaum weniger und unterbieten sogar kompakte und deutlich schwächere Benzin-Hybride wie den Honda Insight. Auch im Stadtverkehr oder bei moderatem Autobahntempo liegen die Verbräuche der beiden in Bereichen, die vor kurzem als undenkbar galten. Umso verblüffender, da die Extremwerte ohne besondere Kniffe wie Start-Stopp-Systeme oder Bremsenergie-Rückgewinnung zustande kommen. Eine Schaltanzeige animiert zu frühen Gangwechseln So basiert das Diät-Programm beim Opel Insignia ( zum Opel Insignia-Testbericht ) ganz konventionell auf längerer Getriebeübersetzung, rollwiderstandsoptimierten Reifen und einer verbesserten Aerodynamik, die mit Verkleidungen am Unterboden und Kühlergrill sowie Tieferlegung um zehn Millimeter den cW-Wert auf 0,26 senkt. Den Fahrtwind weniger zu verwirbeln, macht sich vor allem bei höherem Tempo bezahlt: Bei Verdopplung der Geschwindigkeit bedarf es der achtfachen Motorleistung, um sich durch die Luftmoleküle zu schieben. Das 350 Euro teure Ecoflex-Paket animiert außerdem per Schaltanzeige im Zentraldisplay zu frühen Gangwechseln. Der VW Passat Blue TDI erfüllt dank SCR-Katalysator bereits die Euro-6-Norm Leichtlaufreifen und Schaltanzeige bietet auch der VW Passat ( zum VW Passat-Dauertest ). Der auf dem Zweiliter-Common-Rail mit 140 PS basierende Blue TDI setzt jedoch auf einen zusätzlichen SCR-Katalysator (Selective Catalytic Reduktion), in dem unerwünschte Stickoxide aus dem Abgas in harmloseren Stickstoff und Wasser umgewandelt werden. Für die chemische Reaktion bedarf es winziger Mengen Harnstoff, die aus einem Extratank unter dem Gepäckraumboden gepumpt und in das Abgasrohr gesprüht werden. Dank 17 Liter Volumen kann der Behälter für den synthetischen Harnstoff im Zuge der regelmäßigen Service-Arbeiten aufgefüllt werden. Damit schafft der Passat nicht nur bereits heute die erst 2014 in Kraft tretende Euro 6-Norm, auch kann das Motorsteuergerät auf weniger Verbrauch programmiert werden, ohne dass die Schadstoffemissionen aus dem Ruder geraten. Der Opel Insignia Ecoflex kann den Passat trotz Leistungsplus nicht abhängen Von der Spritspartechnik ist während der Fahrt herzlich wenig zu spüren: Mit Turbo-Elan krempeln beide schon ab 1.500/min die Ärmel hoch und beschleunigen mühelos auf über 200 km/h. Beim Insignia gestattet das Motormanagement zudem einen 15-sekündigen Drehmoment-Boost auf 380 Nm. Dem VW kann er damit jedoch nicht davonfahren, da dieser sein Kraft-Manko mit 138 Kilo weniger Hüftspeck wettmacht. Die ellenlange Übersetzung in den oberen Gängen kostet den Insignia zudem Punkte bei der Elastizitätsbewertung und zwingt etwas häufiger zum Zurückschalten. Dafür dreht er selbst bei 180 km/h nur mit rund 2.500/min vor sich hin, was sich positiv auf das Geräuschniveau auswirkt. Denn wirklich leise ist der Sparmotor von Opel nicht, was umso mehr auffällt, da Wind- und Fahrwerksgeräusche wirkungsvoll ausgefiltert werden.

Die Sitze des Opel Insignia Ecoflex gehören zu den besten ihrer Klasse Trotz ihres Kleinwagen-Konsums transportieren die beiden Limousinen der 4,80-Meter-Klasse bei Bedarf fünf Personen und jede Menge Gepäck. Wie bereits bei früheren Testwagen fällt jedoch die Zuladung des Insignia etwas knapp aus. Zudem wünschen sich Erwachsene in seinem Fond mehr Kopffreiheit. Dafür gehören die (optionalen) Premium-Vordersitze zum Besten, was die Mittelklasse zu bieten hat. Mit viel Seitenhalt, ausziehbarer Sitzfläche und toller Wirbelsäulen-Unterstützung würden sie sich Rückengeplagte am liebsten ins Wohnzimmer stellen. Der VW Passat Blue TDI strahlt beim Fahren mehr Ruhe aus Den üppigen Seitenhalt nehmen Fahrer spätestens dann dankbar zur Kenntnis, wenn sie den Insignia mit der leichtgängigen und direkt ausgelegten Lenkung über kurviges Terrain zirkeln. Die reduzierten Federwege und seine serienmäßigen 17-Zoll-Räder lassen den 1,6-Tonner jedoch kernig abrollen, tiefere Asphaltschäden dringen gar heftig bis ins Lenkrad durch. Wird der Kurvenradius zu eng, schiebt der schwere Insignia erst etwas kopflastig geradeaus, bevor ihn sein ESP einbremst. Auf seinen 16-Zöllern schlägt der Passat zwar nicht ganz so zackig Haken, dafür strahlt er dank geschmeidiger Federung, stoßfreier Lenkung und besser gedämmten Motorgeräuschen mehr Ruhe aus. Übermütige Fahrmanöver oder plötzliche Schreckmomente entschärft er zudem mit verblüffend neutraler Abstimmung und feinfühligen ESP-Eingriffen. Ebenfalls beruhigend, dass beide Kandidaten bei einer Vollbremsung aus 100 km/h nach nur 39 Metern stehen und selbst nach dem zehnten Stopp unter voller Beladung nicht nachlassen - angesichts der rollwiderstandsreduzierten Reifen keine Selbstverständlichkeit. Die Basisversion des VW Passat Blue TDI fällt zu schlicht aus Dafür kommt der VW in seiner Basisvariante Trendline schon mehr als schlicht daher. Angesichts von fast 30.000 Euro Grundpreis verwundert es etwa, so selbstverständliche Details wie Ablagetaschen an den Vordersitzlehnen oder eine Mittelarmlehne auf der Optionsliste ausfindig zu machen. Der Insignia kostet als Edition zwar etwas mehr, wirkt mit seiner Serienausstattung (unter anderem Bildschirm-Navigation samt Europa-Kartenmaterial, Tempomat oder 17-Zoll- Alufelgen) im Vergleich so feudal wie ein Mehrgänge-Menü neben einer Mensa-Mahlzeit. Und da die Euro 6-Norm erst ab 2014 greift, verbucht der besonders schadstoffarme Passat zwar ein gutes Umweltgewissen, aber keinen Steuerbonus und bleibt unterm Strich die teurere Alternative.

Beide Fahrzeuge beweisen wie viel Sparpotenzial im Verbrennungsmotor steckt Mehr als das Kostenkapitel entscheidet der Opel jedoch nicht für sich, da der VW nur bei der Ausstattung patzt und mit seiner Reife unspektakulär Punkt um Punkt sammelt. Blue TDI und Ecoflex zeigen zudem eindrucksvoll, wie viel Sparpotenzial noch immer im Verbrennungsmotor schlummert und warum Turbodiesel in Europa so beliebt sind. Alternative Antriebe werden sich bis zu einer Wachablösung also noch ganz schön strecken müssen.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-07-23

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