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Testbericht

6. August 2007

Jenseits von 350 km/h wird Nardo eine einzige Kurve, Spurhalten ein harter Kampf und Tempobolzen im knappen Schein des Fernlichts eine Mutprobe. Bei Kilometer sechs gibt es erste kleinere Opfer. Der rechte Seitenblinker des Ruf-Porsche verliert den Kampf gegen den brutalen Winddruck, und 870 Biturbo-Newtonmeter zerstäuben das Plastikteil in feines Granulat. Es ist 01:40 Uhr, das Thermometer zeigt immer noch über 20 Grad, als das babyblaue Geschoss in die Boxengasse einrollt und die strahlenden Augen der Ruf-Crew die Xenonlichter verblassen lassen: 361 km/h.

Eine gigantische Show liefert auch der Mercedes SLR McLaren 722: Begleitet von infernalischem Brüllen lodert aus den Sidepipes des V8-Heroen hellblaues Feuer und hinterlässt einen blauen Schweif auf den Kameras der Nardo-Truppe. Wieder bekommt der Pilot wenig davon mit. Um seinen Kopf schwirrt das stechmückenartige Sirren des Kompressors, in seinen Händen bockt und schlägt der Jubiläums-722 wie ein Rennpferd kurz vor dem Durchgehen. Wer nicht fest zupackt, wird sofort entmachtet. Der Tacho der 650 PS starken Luxus-Rakete zeigt weit über 340 km/h - doch dies trügt. Auf der Anzeige des Garmin-GPS-Geräts glimmen auch beim zweiten Versuch nicht mehr als 328 km/h.

Z06 mit exakt 314,4 km/h 

Der Corvette Z06 reichte es auf dem Highspeed-Kurs in Ehra-Lessien im Herbst letzten Jahres nur zu 315 statt den versprochenen 320 km/h. Doch der Siebenliter-Smallblock-Koloss brabbelt den Herzschlag der erwartungsvollen Corvette-Crew auf Touren, als er auf die oberste der vier Nardo-Fahrspuren rollt. Nach einer ersten Einfahrrunde fliegt der amerikanische Hurrikan vorbei, treiben seine Stößelstangen den Achtzylinder mit Subbass-Gebrüll in die 7.000er. Im Cockpit herrscht jedoch kein Kampf Mensch - Maschine. Es fühlt sich mehr an wie ein Jumbojet in zarten Turbulenzen, so cool liegt der leichte Alu-Karbon-Sprinter, während der Tacho im fünften Gang weit über 330 km/h zeigt. Aber das GPS ist unerbittlich: exakt 314,4 km/h - für nur 86.150 Euro.

Der Stier schnaubt sich auf 314

Der Lamborghini Gallardo Superleggera verspricht 0,6 km/h mehr. Um 137 Kilogramm leichter und zehn PS stärker als das Basismodell ist er athletisch gestählt. Gegen den Verbrennungs-Heavy- Metal seines Exhibitionisten-V10 klingen viele Konkurrenten wie Hausfrauenrock von Bon Jovi. Helles Feuer lodert aus seinen beiden Endrohren, die so infernalisch und böse dröhnen, als seien sie automobile Trompeten von Jericho und wollten Nardo einreißen. Gehörter Speed: mindestens 330. Am Ende verfehlt der wilde Gelbe aus Sant’ Agata mit 314 km/h um einen Kilometer denkbar knapp seine Werksangabe. Dann schnattert der Porsche GT3 unbekümmert auf die Strecke.

GT3 schlägt sich wacker

Mit 415 PS scheinbar hoffnungslos dem Club der Über-500-PS-Boliden unterlegen, ist sein Tempoziel niedrig gesetzt: 310 km/h. Doch der schwäbische Renngaul dreht sich die kurzhubige Seele aus dem Aluminium-Block und steht extrem gut im Futter. Giftiger, heller, kreischender als die V-Motor-Fraktion erboxt sich sein 3,6-Liter-Sechszylinder den Respekt des Publikums und des Fahrers. Nicht so ruhig wie die Corvette, aber auch lange nicht so zappelig wie der SLR, erklettert sich der GT3 Kilometer für Kilometer mehr Tempo, steigt über die 310 km/h und endet bei Strich 316.

BMW M6 kommt ungebändigt

Der BMW M6 hat wenig zu verlieren, sein V10 ist normalerweise bei 250 km/h elektronisch gebändigt. Nur für Nardo hat die M-GmbH-Mannschaft seine Ketten abgenommen. Doch der erste Turn ernüchtert trotzdem. Spürbar langsamer und tonal wie fahrerisch unspektakulärer rauscht der M6 mit schüchternem Röhren an der Konkurrenz vorbei: nur 294 km/h. Eine Stunde später und vier Grad kälter darf der M6 abermals ran, und der Fahrer stürmt mit Vollgas, 8.100/min und auf ultrakomfortablen Sportsesseln in den 300er-Club. 309 km/h - das verdient Anerkennung.

Audi hatte sich mit dem R8 nicht getraut, teilzunehmen. Die rote Laterne für den Luxus-BMW gibt’s nur beim Topspeed. Von null auf 100 km/h schlägt der M6 zumindest den GT3. Die schnellste Runde legt der Lambo hin. Der Stier rotzt beim Zwischengas, röchelt auf den Geraden und liegt auf Zug gefahren so sauber und präzise wie kein Zweiter. Aus den Kurven heraus schießt er katapultartig und deklassiert seine Konkurrenten klar: 54,94 Sekunden und der Beweis, dass Leistung nicht alles ist.

Zum dritten Mal auch Leser dabei

Live dabei waren dieses Jahr auch zwölf auto motor und sport-Leser, die auf eigener Achse ins heiße Süditalien anreisten.  Harald Buchrucker, ein Nardo-Wiederholungstäter, zoomte sich in seiner leistungsgesteigerten Corvette Z06 auf 324 km/h - Jürgen Holzer kam dagegen in seiner Corvette "nur" auf 308 km/h, da das Getriebe drohte zu überhitzen. Fredi Kuhmann schaffte mit seinem Lamborghini Murciélago 315 km/h und Martin Stoevesandt steuerte den schnellsten Kombi, einen Mercedes E 55 AMG T mit 312 km/h. Der BMW-Alpina B7 von Friedrich-Wilhelm Goebel war die Messlatte und mit 325 km/h das schnellste Leser-Auto beim 2007-Nardo-Event.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2007-08-06

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