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Testbericht

8. Juni 2010

Zu Zeiten des Empire hätte Britannien Österreich nicht ernst genommen. Nicht als Weltmacht - wegen des Verzichts auf eine Hochseeflotte, den der Mangel an Meeresanschluss keineswegs entschuldigt. Und nicht als Autonation. Spätestens der Mini Countryman hat diese Sichtweise geändert.

Mini Countryman hat die Statur der Kompaktklasse Heute baut der Konzern in Graz den Mini Countryman - den ersten Viertürer (nein, die Rollverschlüsse des Moke-Zelts gelten nicht), ersten Serien-Allradler und das erstes Auto über vier Meter Länge der Marke. Drei Gründe für Mini-Fundis, sich aufzuregen: Was das noch mit dem Mini-Gedanken zu tun habe, ein Auto 106 Zentimeter länger, 38 breiter und 22 höher als das Urmodell, dessen Konzept Sir Alec Issigonis vor über 60 Jahren auf einen Zettel kritzelte. Dabei ist die Antwort so leicht: Der Mini golft. Als Mini Countryman besitzt er die Statur der Kompaktklasse. Im Laufe der Jahre hat sich der normale Mini durch sein beharrliches Kleinbleiben ja immer weiter von seinen potenziellen Kunden entfernt. Die haben sich mit der Zeit so sperrige Hobbys wie Surfbretter oder Familien zugelegt, die sich selbst mit Drücken oder gutem Zureden nicht mal in einen Clubman zwängen lassen. Countryman sieht nach Mini aus, wirkt aber maxi Auftritt der Mini-Designabteilung: Den Auftrag, ein Auto ohne große Sentimentalität bezüglich historischer Vorbilder zu entwerfen, nimmt sie mit der gleichen Begeisterung und Erfolgsgarantie an wie es italienische Autofahrer täten, würde man sie bitten, ihren Straßenverkehr noch chaotischer zu gestalten. Jetzt steht er da, der Mini Countryman, sieht nach Mini aus, wirkt aber maxi. 4,11 Meter mögen für ein Auto nicht viel sein, für einen Mini ist das eine neue Dimension. Sie wird von den Proportionen gut verwaltet. An das Profil mit den hinteren Türen wird man sich aber ebenso gewöhnen müssen wie an die brachialen Kotflügelverschalungen und das dralle Heck. Umgewöhnung im positiven Sinn fordert bereits im Fahrbericht der Einstieg. Bisher ein gern höflich übergangenes Thema, gelingt das im Countryman nun leicht, ohne Quetschen und Klettern. Die Marke bejubelt die Vorzüge der "Viertürigkeit", als sei diese mit dem Countryman erfunden worden.

So viel Platz wie im Countryman gab es in einem Mini noch nie Hinter den Portalen bietet der Countryman als erster Mini eine Sitzposition, in der Erwachsene nicht Gefahr laufen, sich dauernd die Brille mit den Knien von der Nase zu hauen, sie stoßen nicht einmal mit den Knien gegen die Vordersitzlehnen. So viel Platz in einem Mini - da wird sich die Klaustrophobie von nun an einen neuen Verbündeten suchen müssen. Von den beiden Möblierungsvarianten im Fond des Mini Countryman - Dreierbank oder zwei Einzelsitze - erweist sich die Bank im Fahrbericht als die praktischere Lösung, weil auch sie 13 Zentimeter längs verrückt werden kann. Und wegen des üppigen Raumangebots drei Erwachsene hinten genügend Platz finden. Nur in der Zweierkombi reicht die so genannte Center-Rail bis nach hinten. Auf der Schiene lassen sich Halter für Becher, Mobiltelefone, Sonnenbrillen, MP3-Player und Was-weiß-ich noch einklinken. Liegen die Rücksitze flach, sind es stolze 1.170 Liter Kofferraumvolumen Eine bedeutsamere Errungenschaft findet sich im Heck des Mini Countryman: ein Kofferraum. Erstmals in der Geschichte des Mini verdient der seinen Namen, fasst das Ladeabteil doch 350 Liter - so viel wie ein Golf -, liegen die Rücksitze flach, sind es sogar 1.170. 76 Zeilen, wir feiern die Kofferraumkapazität, und das soll ein echter Mini sein? Für den Fahrer wirkt er erst einmal nicht so: zu hoch (plus sieben Zentimeter Sitzhöhe), zu viel Platz drinnen, zu viel Auto drumrum. Immerhin bietet das Cockpit im bekannt verspielten Stil das typische Mini-Gefühl. Genau darauf kommt es auch beim Fahren an. Für den Countryman überarbeiteten die Techniker das gewohnte Fahrwerk - McPhersons vorn, Mehrlenker- Hinterachse - mit größeren Federwegen und strammeren Stabilisatoren. Direkteinspritzer mit vollvariabler Ventilsteuerung schiebt energisch voran Damit soll der Mini Countryman nicht nur die Meute der anderen SUV freundlich wedelnd übertreffen, sondern fast die Handling-Qualitäten der kleineren Modelle erreichen. Gegenüber den frontgetriebenen Varianten haben die Allradversionen namens ALL4 den Vorteil, dass ihnen dabei die auf hohe Fahrdynamik ausgelegte und binnen 0,1 Sekunden auf Schlupfunterschiede reagierende elektronische Kraftverteilung hilft. ALL4 gibt es nur optional und ausschließlich für den 112 PS starken Cooper D und den Cooper S mit 184 PS. Die anderen Modelle treiben die Vorderräder an: der One D (90 PS), der One (98 PS) und der Cooper (122 PS). Dann mal Schlüsselflatschen rein, Start-Taste drücken und los. Unter der hohen Haube des ersten Prototyps in Form des Mini Cooper S Countryman ALL4 steckt der kultivierte und jüngst erstarkte 1,6-Liter-Turbo. Der Direkteinspritzer mit vollvariabler Ventilsteuerung schiebt den Anderthalbtonner im Fahrbericht energisch voran - laut Mini aus dem Stand auf Tempo 100 nur 0,8 Sekunden langsamer als im normalen Cooper S.

Mehrgewicht von rund 300 Kilogramm ist nicht zu überspielen In Kurven hält sich der Mini Countryman an die Familientradition, lässt sich mit seiner sehr ausgewogenen und präzisen Lenkung neutral leiten. In engen Kehren schiebt er im Fahrbericht stärker über die Vorderräder, doch der Allradantrieb drückt ihn dann traktionsstark wieder raus und vermeidet das Gezerre an der Lenkung, wie es im Cooper S beim Beschleunigen auftritt. Doch sein Mehrgewicht von rund 300 Kilogramm kann der Softroader nicht überspielen. Leichtgewichtigkeit und eben nicht Viertürigkeit ist ein entscheidender Aspekt der Mini-Handling- Legende. Damit wir uns recht verstehen: Für einen Kompakt-SUV wuselt der Countryman bezirzend um Biegungen. Verglichen mit seinen kurvengierigen Geschwistern hemmen den Mini Countryman aber seine üppigere Figur und die längeren Federwege, die eine stärkere Seitenneigung mit sich bringen - aber auch den besseren Federungskomfort. Noch was, worüber sich Traditionalisten aufregen können. Für die anderen Fans der Marke ist der Countryman ein Familienauto, wie sie es sich wünschen: groß geworden - Mini geblieben.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-06-08

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