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Testbericht

6. April 2014
Da ist man schnell überfordert: Seitenlang geht es in den Preislisten um die Farben der Spiegelgehäuse, der Dächer oder Teilen davon. Um Dekorstreifen (beim Audi sogar möglich in der feinsinnigen Kombination von mattweiß auf glänzend weißem Lack), Interieuroberflächen etwa in Hazy Grey (Cooper), Stoffdessins mit dem schönen Namen Herzklopfen (A1) oder einen LED-Ring um das "Centre-Instrument" (Cooper). Der pulsiert unter anderem zum Laut-Leise des CD-Radios in changierenden Farben und bringt so Saturday Night Fever in den Montagmorgen. Ganz klar: Normalo-Kleinwagen geht anders. Denn seit Audi 2010 mit dem A1 den ersten ernsthaften Konkurrenten des New Mini an den Start rollte, sind die zwei ziemlich beste Feinde in Sachen Fahrspaß, Individualisierung und welpenhafter Verspieltheit. Nun wuchs der Mini, macht dadurch (einen Teil) seines Mankos gegenüber dem Audi A1 1.4 TFSI wett und legt gleichzeitig die Frage nahe, wie viel Größe die Mini-Idee verträgt. Größe an sich ist ja nicht immer ein Vorteil, wenn es ums Kleinsein geht, lehrte uns schon der große Kabarettist Heinrich Pachl, als er den sehr überschaubaren internationalen Erfolg der DDR-Elektronikindustrie ergründete. Die habe doch schließlich den größten Mikrochip der Welt gebaut.

Nur drei Zylinder beim Mini Cooper? Ja, die reichen Nun ja, um fast zehn Zentimeter gewachsen ist der Mini schon, doch zum kugeligen Audi A1 hält er noch immer 13 Zentimeter Respektabstand. Und schlimmer als die Größe des Autos, an dem die serienmäßigen 15-Zoll-Rädchen mit 175er-Reifen so dünn erscheinen wie die Beinchen von Pinocchio, dürfte den ganz harten Fans wohl das neue Format der Heckleuchten erscheinen. Aber egal, rein in die Spaß-Guerilleros, die diesmal nicht die ganz großen Motoren unter der Haube haben: 140PS leistet der 1,4-Liter des Audi mit Siebengang-S-tronic (Aufpreis 1.600 Euro), der sich wohl auch wegen der Zylinderabschaltung etwas sparsamer zeigt als der neue Dreizylinder-Turbo des Mini mit 136PS. Der zerstreut schnell alle Befürchtungen, nun halte kalter Verzicht Einzug in den Cooper. Wach hängt er am Gas, stemmt sich druckvoll aus dem Drehzahlkeller und dreht fast so unbeschwert wie der Audi-Vierzylinder, der jenseits der 5.000er-Marke ins Dröhnen gerät. Auch der Klang, trommelig und kehlig wie nach einem Abend mit zu vielen Pints Lager und filterlosen Zigaretten, geht in Ordnung. An Leistung fehlt es nicht. Wegfahren kann keiner dem anderen, sehr wohl aber dem bürgerlichen Rest, selbst wenn der etwas stärker ist. Denn mit ihren quirligen Wesen, der animierenden Sitzposition in sehr guten Sportsitzen (960 Euro Aufpreis beim Cooper) und vor allem ihrer ansteckenden Agilität fordern die zwei geradezu zum Landstraßenräubern auf.

Oh, eine Kurve. Wie schön! Obwohl die Gewichtsverteilung hier wie da frontlastig geriet, genügen schon kleine Zucker am Lenkrad. Prompt drehen die Nasen in die gewünschte Richtung und nehmen das kurze Stück Restauto entschlossen mit. Der Mini Cooper, gesegnet mit der nochmals feinfühligeren und weniger von Antriebseinflüssen belasteten Lenkung, rollt dabei spürbar stärker um die Längsachse als sein Vorgänger. Und da das ESP ihm relativ viel Leine lässt, drückt er bei wildem Übermut schon mal mit dem Heck. Der Audi A1 1.4 TFSI lässt sich mit weniger fahrerischem Einsatz schnell bewegen, wirkt dadurch aber nicht so ungestüm wie dieser Kulleraugen-Rabauke, der bei den Bremwegmessungen allerdings Meter und Punkte liegen lässt. Dafür versöhnt der Mini Cooper mit bisher unbekanntem Komforttalent. Über Querrillen stolpert er wie der breiter bereifte Audi A1 etwas hüftsteif, doch mit zunehmendem Tempo liefert er weniger detaillierte Straßenzustandsberichte als der Audi A1 1.4 TFSI. Dieser stößt und stuckert selbst auf augenscheinlich ebener Autobahn spürbar stärker. Mini goes Komfort also, und nicht unerwartet wuchs nun auch das Raumangebot. Der Einstieg nach hinten ist zwar mühevoller als beim Audi A1, doch dann sitzt es sich im Mini Cooper komfortabler mit jenem Quäntchen mehr an Kopffreiheit, das den Unterschied macht.

Neue Optionen für den Mini Cooper Aber wer Mini Cooper oder Audi A1 kauft, sitzt ja vorn. Und hier ist sich der englische Spaßmacher treu geblieben: Perfektion im Detail (der Verarbeitung wie auch der Funktionalität) sollte man nicht erwarten. Das zeigen etwa die klemmige Sitzlehnenverstellung und der fitzelige Halbmond-Drehzahlmesser. Das neue iDrive-Bediensystem mit Dreh-Drück-Steller und all die Möglichkeiten, die Mutter BMW in petto hat, bringen den Mini aber ein sehr großes Stück nach vorn. Auch der nun angebotene Abstandsregeltempomat oder ein preiswertes Head-up-Display zählen zu den zeitgemäßen Neuerungen. Braucht sicher nicht jeder, sorgt aber für positive Unterscheidung zum Audi A1 1.4 TFSI, der sich seine weitgehend referenztaugliche Verarbeitung und seine vielleicht weniger hippe, aber eingängige Bedienbarkeit einige Euro teurer bezahlen lässt. Sein größerer Ernst auch im Abarbeiten von Basics sichert dem Audi den knappen Vorsprung für den Sieg. Den Stoffbezug "Herzklopfen" trüge der New Mini aber mit mehr Berechtigung.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-04-06

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