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Testbericht

28. März 2011

Wenn sie irgendwann einmal in ferner Zukunft bei Ausgrabungen auf gut erhaltene Exemplare des neuen Mercedes SLK stoßen, werden automobil gebildete Archäologen wissend den Kopf wiegen und murmeln: ah, Nummer drei, die SLS-Epoche. Und sie werden den Klappdach-Zweisitzer ins Museum neben Nummer eins stellen (klassisch-dezent, Erster mit Variodach ab 1996) und mit Nummer zwei vergleichen (Formel 1-Nase, Warmluftschal, ab 2004), um schließlich festzustellen: Sooo doll unterscheiden sich Generation zwei und drei nicht voneinander.

Der Knaller war ohnehin die Nummer eins: Klappdach für – fast – alle, noch vier Jahre, bevor der kleine Peugeot 206 CC Blech-Origami betrieb. Generation zwei stopfte dann Lästermäuler, von wegen Feminin-Cabrio, Sekretärinnenauto und so. Mit bis zu 360 PS im 55 AMG konnte der Mercedes SLK nämlich ganz schön zuschlagen. Diesel und AMG folgen noch Beim Neuen will Mercedes mit dem Ende des Jahres folgenden Mercedes SLK 63 AMG sogar nochmals nachlegen. Ihn begleitet dann der erste Diesel im Mercedes SLK, der kräftige Biturbo-Vierzylinder 250 CDI. Politisch korrekt stellt man aber schon vom Start weg die Schonung der Ressourcen über Leistungsexzesse. Dabei bleibt die Spitzenleistung gleich, nur der Weg dahin ist neu. Besonders effizient werden die Vierzylinder-Benziner rangehen. 1,8 Liter groß, direkteinspritzend, turbogeladen, von zwei Ausgleichswellen ruhiggestellt und mittels Soundgenerator im Ladeluftschlauch per Ansaugbrummen emotionalisiert. 184 respektive 204 PS reichen, um jederzeit Herr der Lage zu sein, Spitzengeschwindigkeitem um 240 km/h inklusive. Viel mehr Topspeed schafft auch der 306 PS starke, vorläufige Top-Mercedes SLK nicht, dessen 3,5-Liter-Triebwerk komplett unters Ingenieurs-Messer kam. Statt per Saugrohr spritzt der 60-Grad-V6 direkt ein. Mit Hochdruck strahlgeführt und von Piezo-Elementen dosiert, soll der Sprit effizienter als bisher in die Brennräume gelangen.

Der V6 schiebt kräftig an Wir glauben es gern, denn der serienmäßig mit der Siebengangautomatik gekoppelte Mercedes SLK 350 spricht sauber an, zieht stämmig durch, dreht flüssig hoch. Und klingt obenheraus dabei sogar ein bisschen verrucht – ein Verdienst der komplett neuen Ansaug- und Abgasanlage sowie des Resonanzsaugrohrs. Nicht hören kann man im Fahrbericht die speziell geregelten Nebenaggregate und das intelligente Generatormanagement, die den Verbrauch weiter senken sollen. Wir halten. Stille. Die elegant arbeitende Start-Stopp-Technik ist im Mercedes SLK Serie, genauso wie Leichtbau mit Hilfe von Aluminium und Kunststoff. 1.540 Kilogramm Leergewicht verspricht Daimler. Wer sich der Optionsliste hingibt, dürfte neben weiteren Kilos auch einige Euro zu den 52.301 Grundpreis des Mercedes SLK 350 (SLK 200 ab 38.675 Euro) addieren. Aufmerksamkeitsassistent, Tempomat, Stereo mit USB sowie manuelle Klimaanlage sind Serie, Abstandsregeltempomat, Airscarf, Ambientebeleuchtung, Keyless-Go, Panoramadach und Windschott gibt es gegen Aufpreis. Doch Mercedes wäre nicht Mercedes, wenn sie sich nicht wieder was ausgedacht hätten. Was beim E-Cabrio der Spoiler am Frontscheibenrahmen (Aircap), ist beim Mercedes SLKdas neue Windschott (Airguide) mit drehbaren Elementen aus Kunststoff, die die vorbeizischende Luft fein modulieren sollen.

Variodach mit Variationen Trotzdem keine Lust auf Sonnenbrand, gute Landluft und Feinstaub? Okay, Dach zu (wie gehabt nur im Stand und per Knopfdruck in 20 Sekunden) und Magic Sky Control genießen. Der neue Mercedes SLK bietet die Wahl zwischen dem Basisdach aus Magnesium und Kunststoff, dem Panorama-Variodach mit getöntem Glas für 476 Euro und einer auf Knopfdruck verdunkelnden Variante (2.368 Euro). Eigner selbsttönender Sonnenbrillen kennen sowas. Nun kann auch der Mercedes SLK das Tageslicht ausknipsen, benutzt dazu das Prinzip eines Platten-Kondensators: Wird eine elektrische Spannung an die Glaskonstruktion angelegt, richten sich Teilchen im Glasaufbau so aus, dass Licht die Scheibe durchdringen kann. Ohne Strom orientieren sich die Partikel nach dem Zufallsprinzip, das Licht wird teilweise blockiert und die Scheibe dunkel. Was schade ist, denn der Mercedes SLK-Innenraum mit den neuen Sitzen kann sich sehen lassen. Er trägt die Handschrift von Interieur-Designer Hartmut Sinkwitz – ohne schwulstiges Gehabe, solide und sachlich. Runde Instrumente, runde Lüftungsdüsen, klare Kante, schlüssige Bedienung. Eine Linie, wie wir sie schon vom SLS kennen. Es gibt schlechtere Vorbilder. Beim Handling lässt der Mercedes SLK nichts anbrennen, gibt Kommandos über die hydraulische Lenkung präzise weiter, tastet den Asphalt sauber ab, ohne jedes Körnchen über die neuen, angenehm stützenden Sportsitze weiterzugeben. Kultivierte Sportlichkeit – mehr als ein Slogan. Zumal Ambitionierte statt des Stahlfahrwerks eine straffe Sportversion mit Tieferlegung oder das Dynamik-Paket ordern können. Dann fährt der Mercedes SLK mit adaptiven Dämpfern, Direktlenkung mit unterschiedlich verzahnter Lenkstange und einer so genannten Torque Vectoring Brake noch mehr Richtung Sport. Die elektronische Kurvenhilfe gibt im Grenzbereich über gezieltes Anbremsen des kurveninneren Hinterrades eine Eindrehbewegung vor, der Mercedes SLK sticht noch williger in enge Kurven, ohne seinem Piloten mit einer Pirouette zu drohen. Beim Gepäckraum verlangt der rund drei Zentimeter längere und breitere Neue wieder leichte Kompromissbereitschaft. Bei geschlossenem Dach schluckt er mit ordentlichen 335 Litern 35 mehr als bisher, offen sind es 225 Liter. Klares Fazit: Der neue Mercedes SLK mit SLS-Anmutung ist vielleicht der beste kleine SL, den Daimler je gemacht hat. Mal sehen ob das die Archäologen auch so empfinden.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-03-28

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