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Testbericht

Christian Bangemann, 1. Mai 2008

Von SL wie super leicht hat sich Mercedes schon lange verabschiedet, wie der jüngste SL 350 mit üppigen 1,8 Tonnen eindrücklich beweist. Da kommt die Leistungsspritze für den 3,5-Liter-V6 geraderecht, wobei die Mercedes-Techniker zu bewährten Mitteln griffen: Erhöhung der Verdichtung, geänderte Nockenwellen, überarbeiteter Ansaugtrakt und Feinarbeit am Zylinderkopf. Das Resultat sind 44 zusätzliche PS, das maximale Drehmoment von 360 Nm fällt bei 4.900/min an. Der alte 3,5-Liter-V6 musste seine Kurbelwelle für 350 Nm lediglich gemächliche 2.400/min rotieren lassen. Ist der Neue deshalb eine Drehorgel ohne Kick von unten raus?

 

V6 schiebt gut voran

Auf den Punch eines V8 wartet man vergebens, aber ein Mangel an Kraft herrscht im SL 350 nicht. Ein Druck aufs Gaspedal, und der SL schiebt standesgemäß voran, begleitet von einer verhalten metallisch klingenden Fanfare aus den beiden Endrohren. Obwohl der Testwagen die Werksangabe für den Standard-Sprint von null auf 100 km/h um eine halbe Sekunde verfehlt, wirkt der SL bei dieser Übung, die er in 6,7 Sekunden absolviert, keinesfalls müde. Was zum einen daran liegt, dass der Motor sämig und mühelos an Drehzahl zulegt, und zum anderen, dass Siebenstufen-Automatik und V6 miteinander harmonieren. Es kommt nur sehr selten vor, dass nicht automatisch der passende Gang eingelegt ist.

Die Schaltpaddel für 297 Euro wird man nur auf sehr eng gewundenen Straßen bemühen oder wenn man aktiv den vernehmlich brotzelnden Zwischengasstoß auslösen möchte, für den die Motorsteuerung beim Herunterschalten sorgt. Im Testmittel inhaliert der V6 12,2 L/100 km, auf der zurückhaltend gefahrenen Normrunde braucht der Zweisitzer gar nur 8,4 L/100 km - da sage noch einer, dass alle Sportler trinksüchtig wären. Ein gelungener Motor allein macht freilich noch keinen Sportwagen aus, doch bei Lenkung und Fahrwerk waren zur Modellpflege nur moderate Eingriffe nötig.

Mercedes-Trumpf: der Komfort

Komfort und verbindliche Anbindung an die Straße gingen beim SL seit seiner Vorstellung 2001 Hand in Hand. Tatsächlich lässt sich der Federungskomfort mit dem einer großen Limousine vergleichen. Einschränkungen bringen kleine Rippen und Dellen in der Straßenoberfläche, dann sprechen die Dämpfer etwas steif an. Lange Wellen schluckt er dagegen souverän. Erfreulicherweise geht die Geschmeidigkeit nicht mit Torkeln und Wiegen einher - selbst dann nicht, wenn der Wagen wie im Test auf das ABC-Fahrwerk verzichtet. Sicher, so spielerisch und präzise wie ein Lotus lässt sich der SL nicht um die Ecken werfen, aber der Fahrspaß ist erheblich.

Nach all dem Lob gibt es, neben der Preispolitik, ein paar Punkte zu kritisieren. Die Übersichtlichkeit ist vor allem bei geschlossenem Dach eher dürftig, der Platz hinter den Sitzen als Ablage schlecht nutzbar. Und dann sind da noch diese halbstarken Beulen in der Motorhaube, die übrigens bei den wirklich starken AMG-Versionen nicht zu finden sind. Tatsächlich haben sie keine Funktion. Sie geben dem SL einen Mehr-Schein-als-Sein-Auftritt. Nötig hat er ihn nicht.

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Testwertung
5.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-05-01

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