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Testbericht

27. April 2014
Maximales Drehmoment: 620Nm. Spitze: 250km/h. Null auf 100km/h in weniger als sieben Sekunden. Klingt das nach Basismodell? Angesichts der eben aufgezählten Autoritäts-Daten des Mercedes S 350 Bluetec nicht wirklich, oder? Gleiches gilt für den Audi A8 3.0 TDI Clean Diesel mit seinen kaum weniger beeindruckenden 580Nm. Beide Dieselmodelle mögen zwar die günstigste Möglichkeit darstellen, die teuerste Limousine der jeweiligen Marke zu fahren. Doch statt dröger Basis liefern sie eindeutig pralle Auto-Feinkost.

Basismotoren bieten viel Drehmoment Gleichermaßen auf eine falsche Fährte locken übrigens die Anhängsel Bluetec und Clean Diesel. Wer hier Öko-Fadheit erwartet, muss nur kurz Gas geben und wird in der S-Klasse wie auch im A8 vom Rausch des Drehmoments übermannt – es kann Uneingeweihte durchaus überwältigen und ein flaues Gefühl bescheren. So viel zum Thema Basismotor. Dass der Audi etwas besser beschleunigt als die Mercedes S-Klasse, liegt an seinem niedrigeren Gewicht und ist nicht mehr als eine Randnotiz wert. Beide Luxusliner setzen Geschwindigkeitswünsche augenblicklich in die Realität um. Der Mercedes S 350 Bluetec wirkt dabei auffällig unangestrengt, lässt seinen Dreiliter-V6 nur dezent säuseln, wogegen der ebenso große Audi-TDI unter Volllast schon mal angriffslustig knurren darf.

Audi A8 gibt sich fahragiler Damit unterstreicht der A8 seinen aktiven Charakter. Er meldet sich zu Wort, bringt sich ins Geschehen ein und involviert seine Passagiere mehr: die Fahrgäste, weil sie deutlich mehr Details vom Zustand der Straße, dem anliegenden Tempo und dem Fahrtwind erfahren als im Mercedes. Und den Fahrer, weil der Audi Kurven mit leistungsorientiertem Ernst angeht: versammelt und komprimiert. Dabei schrumpft er gefühlt um eine Fahrzeugklasse. Wer eine vor allem agile Luxuslimousine sucht, der dürfte mit dem Audi glücklich werden – auf der Landstraße wie auch im Winterurlaub, denn serienmäßig werden alle vier Räder angetrieben, was einen nicht zu verachtenden Traktionsvorteil bringt.

Würdevolles Schweben in der Mercedes S-Klasse Auf der Autobahn fehlt ihm aber der beharrliche Geradeauslauf der Mercedes S-Klasse. Zudem wirkt der A8 hier pragmatischer und verliert dadurch einen Teil des Reizes der Luxusklasse: das Schwelgerische. Keine Frage: Lange Strecken lassen sich im Audi sehr angenehm bewältigen, und Klagen über den Fahrkomfort dürfte es kaum geben. Alleine es fehlt das Gefühl, in einer ganz eigenen Klasse unterwegs zu sein. Das würdevolle Schweben einer Chauffeurslimousine bietet eben nur die Mercedes S-Klasse. Ihre Luftfederung nimmt vielen Unebenheiten nicht nur die Spitze – sondern gleich die Existenz. Mit dem Schließen der Tür sperrt man praktisch jegliche Belästigung aus. Wie auch immer sich Frau Holles Federbetten anfühlen mögen – dank flauschiger Komfortkopfstützen als Teil des Memory-Pakets (893 Euro) erhält man zumindest eine plausible Vorstellung davon. Ebenso sucht die akustische Dämmung ihresgleichen; dabei ist es weniger der messbare Wert an Lautstärke als vielmehr das subjektive Empfinden, dass alle störenden Frequenzen ausgesiebt werden und nur die angenehmen hindurchdürfen. Das strahlt genau jene Souveränität aus, welche die Luxus- über die Oberklasse stellt. Genauso wie die Tatsache, dass die Siebengangautomatik im Mercedes S 350 die hohen Gänge lange hält und Gasgeben nicht mit hektischem Zurückschalten beantwortet. Schließlich wirken Motoren speziell dann muskulös, wenn sie ihr Drehmoment niedertourig ausspielen.

Audi A8 und Mercedes S-Klasse bemerkenswert sparsam Angesichts ihres Leistungsvermögens lassen sich beide Zweitonner bemerkenswert sparsam bewegen – der Audi kann 100 Kilometer mit knapp unter, die Mercedes S-Klasse mit etwas über 6,5 Litern Diesel abspulen. Im Testmittel bleiben beide unter neun Litern, obwohl sie gemäß ihrer Bestimmung auf Fernstraßen zügig bewegt wurden. Kraftstoffkosten spielen deshalb bei den Luxusdieseln nur eine untergeordnete Rolle – mehr schon der finanzielle Aufwand für den Unterhalt. Dass die Mercedes S-Klasse hier teurer ist, gleicht sie durch ihren etwas besseren Wiederverkaufswert aus. Größer sind die Unterschiede beim Basispreis von 80.920 Euro (Audi: 74.500 Euro). Hier folgt sie dem Selbstverständnis des schwäbischen Hauses, wonach ein Mercedes nie günstig, aber immer seinen Preis wert sein sollte. Dass sich der Unterschied in der Kostenwertung für den A8 kaum positiv niederschlägt, liegt an den teuren Optionssitzen, die er mitbringt. Diese werden beim Sitzkomfort bewertet und fließen folglich in den Vergleichspreis ein; das sorgt für Pari im Kostenkapitel.

Mercedes S-Klasse punktet bei Sicherheit und Komfort So brilliert der Audi A8 nur bei den Fahreigenschaften. Der Mercedes S 350 aber holt in der Eigenschaftswertung vier von fünf Kapiteln, darunter das für die Sicherheit. Nahezu alles, was derzeit machbar und sinnvoll erscheint, einen Unfall zu verhindern oder ihm die Schwere zu nehmen, ist entweder serienmäßig oder gegen Aufpreis zu haben. Doch der entscheidende Unterschied zeigt sich beim Fahrkomfort: Die Mercedes S-Klasse erreicht konkurrenzlose 98 von 100 möglichen Punkten. Hier kommt er dem Urprinzip der Luxuslimousine so nahe wie wenig andere. Das ist automobile Feinkost auf höchstem Niveau, und schon deshalb klingt das Wort Basismodell unpassend. Der Mercedes S 350 ist vielmehr die preiswerteste Form, höchsten Luxus zu genießen.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-04-27

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