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Testbericht

28. Februar 2013
Es schwingt schon etwas Ironie der Geschichte mit, wenn ein früher erfolgreicher Leichtathlet mit leuchtenden Augen über einen Schwerathleten doziert. Axel Harries war in den 80er Jahren deutscher Meister und Olympiateilnehmer über 800-Meter und jetzt steht er im Wüstensand Dubais, trägt ein weiß-rotes-Tuch um den Kopf, transpiriert etwas und kriegt sich als Chef der Mercedes-G-Klasse-Familie kaum noch ein beim Schwärmen über die seriennahe Studie Mercedes G63 AMG 6x6. Der Quasi-Black Series der G-Familie Der Pickup ist fast 4 Tonnen schwer, hat 3 Achsen und steht massig und kantig wie ein Granitblock da. Man neigt daher im ersten Moment unweigerlich dazu die Aussagen Harries in die Marketingtüte zu stecken. So richtig derbe durchzuckt es einen als der Breisgauer plötzlich "quasi der Black Series der G-Familie" in die Runde wirft. Mag ja sein, dass da vorne unter der Haube ein 544PS starker V8-Biturbo von AMG stampft, aber ein Elefant wird auch nicht zur Gazelle, egal wieviel Kraft in seinen Beinen steckt. So suhlt man sich erst mal in Vorurteilen, hakt im Kopf alle ökologisch kritischen Punkte ab – CO2 hat er, wahrscheinlich ´ne Menge, Gewicht und Luftwiederstand sowieso - steigt ins Führerhaus, wirft den tief brabbelnden V8 an, lenkt von der Straße auf die erste Düne ein und denkt sich noch bestätigend "Lenkt aber sehr Lkw-ig", um sofort erschrocken Abbitte zu leisten. Was ist das denn? Das dreiachsige Monstrum nagelt auf Gasbefehl den Hinterkopf auf die AMG-Sportsitze und drischt durch den feinen Wüstensand als hätte Mercedes irgendeine neue Klebe-Verbindung zwischen Sand und Gummi entdeckt. Die 37-Zoll großen All-Terrain-Räder fahren den Mercedes G63 6x6 nicht die Dünen hoch, sie katapultieren das Geländemonstrum empor. So mächtig, dass auf der Kuppe das Gas schon wieder gelupft sein sollte, will man nicht unweigerlich in den Luftraum der Vereinigten Arabischen Emirate eintreten. Mercedes G63 6x6 mit 46 Zentimeter Bodenfreiheit Man will? Gut, dann fangen einen 6 gewaltige Öhlins-Spezialdämpfer sanft wieder auf. Sie hängen an komplett neukonstruierten Portalachsen wie sie in ähnlicher Form schon dem Mercedes Unimog zu überragender Geländegängigkeit verhelfen. Portal heißt, dass die Antriebsachse nicht in der Radmitte anbaut, sondern über ein Untersetzungsgetriebe nach oben versetzt ist. Das bringt nicht nur gewaltige 46 Zentimeter Bodenfreiheit und einen Meter Watttiefe, sondern ermöglicht über identische Anlenkpunkte auch weiterhin den Einsatz der Original-G-Klasse-Achse. "Die Basis für gute Agilität" wie Harries erklärt. Soweit man davon beim einer G-Klasse sprechen kann. Nebenbei entlastet die Untersetzung des Mercedes G63 6x6 noch die Krafteinwirkung auf die Antriebswellen, da sich das volle Antriebsmoment erst am Rad einstellt. So viel zur Theorie, kommen wir wieder zum Spaß: Lupft man also statt auf der Düne den geschwungenen Weg hinunter das Gas, setzt etwas unartig lastwechselnd das Heck des Mercedes G63 6x6zum Überholen an. Jetzt darf gerne das rechte Pedal zur Gänze durchgedrückt werden und ein brüllender Sternenkreuzer so schwer wie zwei S-Klassen und mit einem Radstand fast so lang wie eine komplette A-Klasse, wirft breitseits mit Sand wie ein Tagebau-Bagger. So driftet man im Mercedes G63 6x6 beschwingt ökologisch inkorrekt durch die Wüste und ist sich sicher, dass das einsetzende Grinsen später wahrscheinlich chirurgisch entfernt werden muss. In seiner emotionalen Faszination ist es das sechs-mal-Sex der Fahrerlebnisse. Ex-Leichtathlet Harries dagegen überrascht mit nüchterner Analyse: "Die 30:40:30 Basis-Kraftverteilung versetzt 70 Prozent der Kraft nach hinten, was natürlich das Querstellen vereinfacht. Der Fahrer kann das mit fünf 100-Prozent-Differentialsperren auf Knopfdruck aber anpassen." Luftdruck der Reifen kann per Knopfdruck angepasst werden Was Harries noch nicht erwähnt, ist dass diese eindrucksvolle Sandkasten-Übung nur funktioniert, weil innerhalb von 20 Sekunden der Luftdruck der Reifen durch Knopfdruck angepasst werden kann. Dafür sitzen vier 20-Liter-Druckbehälter und ein Kompressor seitlich unter den hinteren Radhäusern des Mercedes G63 6x6. Auf Sand erreicht man gute Traktion nur mit großer Auflagefläche, das heißt breiter Reifenlatsch durch niedrigen Luftdruck. Mit nur 0,5 bar walken sich die Spezialpneus in das Steinmehl. Damit bei solch extremen Übungen der Reifen nicht herunterspringt, verspannt ein Gummiring den Reifen an der sogenannten Beadlock-Felge (bead englisch für Wulst). Die möglichen Extrem-Verschränkungen lassen übrigens jeden Kraftfahrzeugmeister erschrocken Ersatzteilpreise kalkulieren. Derart weich aufgepumpt scheint der Merccedes G63 6x6 über manch fiese Verwerfungen quasi dahinzuschweben. Ab und zu gibt es aber Schläge von der hinteren Antriebsachse und den Endanschlägen. "Da müssen wir noch etwas Feinarbeit leisten" verspricht der mitgereiste Testfahrer aus Graz, wo die G-Klasse letztes Jahr 9.000 mal vom Band lief und damit den absoluten Höhepunkt ihrer Verkaufshistorie erreichte. Er ist eben noch ein Prototyp, der laut Harries bei entsprechender Resonanz schon im Herbst in Serie gehen könnte. Beim Preis des Mercedes G63 6x6 windet sich der Wirtschaftsingenieur etwas: "Naja teuer, wir haben schon bei der normalen Mercedes G-Klasse einen sehr hohen Manufaktur- und Facharbeiter-Anteil.“ Wir tippen auf circa 350.000 Euro und ernten keine große Widerrede. Mercedes G63 AMG 6x6 wird bis zu 160km/h schnell "Der G ist beliebt wie nie zuvor und mit dem Mercedes G63 AMG 6x6 wollten wir einfach mal zeigen was im Gelände möglich ist. Schließlich haben wir einen so schönen großen Baukasten aus dem wir auswählen können", lenkt Harries wieder auf die Technik. Die ursprüngliche Idee stammt vom australischen Militär, das 2.000 Mercedes G-Klassen mit drei angetriebenen Achsen geordert hat. Jedoch ohne Portalachsen und mit einem Turbodieselmotor, da vor allem die Erhöhung der Zuladung des ausschließlich als Pickup erhältlichen 6x6 im Vordergrund stand. Und natürlich ohne den luxuriösen Innenraum. Da der Mercedes G63 AMG 6x6 direkt auf solvente Kundschaft in Ländern wie Russland, USA oder den arabischen Emiraten zielt, präsentiert sich das AMG-Interieur in voller Edelholz-Leder-Luxuspracht mit voller Einzelsitz-Ausstattung im Fond – Rearseat-Entertainment und ähnliches Media-Gedöns inklusive. Wie schnell läuft das 5,87-Meter-Traktionstier aka Mercedes G63 6x6 eigentlich? "Maximal 160km/h, aber über die Beschleunigung machen wir noch keine Angabe" lächelt Harries. Na dann verraten wir wenigstens seine Bestzeit über 800 Meter: 1:45,8 Minuten - echt schnell für einen 1,94-Hünen.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-02-28

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