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Testbericht

22. August 2009

Der klassische Textbeginn für den Bericht über ein Mercedes -Coupé passt nicht. Die Bemerkung nämlich, dass es Mercedes-Kunden gibt, die für zwei Türen weniger ein erkleckliches Sümmchen mehr zu zahlen bereit sind. Denn der Blick in die Preis-Broschüre enthüllt Verblüffendes: Das neue Mercedes E-Coupé kostet gleich viel wie der Mercedes E-Viertürer in der Basisversion. Sind die Daimler-Kalkulatoren zu Wohltätern der Menschheit geworden?

Viel Mercedes C mit einer Portion E Natürlich nicht. Die Preisgestaltung hat einen realen Hintergrund. Man hätte, wenn das Marketing nicht anderer Meinung gewesen wäre, das Coupé wie seinen Vorgänger Mercedes CLK nennen können. Denn es steckt viel Mercedes C-Klasse drin, aber auf der anderen Seite auch eine Portion Mercedes E-Klasse, weil sich die Technik der beiden Baureihen seit dem Start der aktuellen Generationen angenähert hat. Die Federbein-Vorderachse, die im E-Modell eine Vierlenker-Konstruktion ablöste, gab es vorher in der Mercedes C-Klasse. Der Coupé-Radstand als wichtigstes Maß entspricht exakt dem der Mercedes C-Limousine. In den sonstigen Abmessungen liegt das Coupé zumindest näher am C als am E. Die Karosserie ist mit größeren Überhängen gut zehn Zentimeter länger als die des kleineren Viertürers. Was aber noch keinen Viersitzer mit Verwöhnaroma macht. Der Beinraum vor den sehr bequem geformten Rücksitzen wird knapp, wenn die Vornsitzenden ihre eigene Bequemlichkeit vornan stellen. Aber wer sich daran stört, ist ohnehin kein Coupé-Typ. Der setzt andere Prioritäten. Das Mercedes E-Coupé will ein Mitglied der E-Familie sein Die elegante Erscheinung ist wichtig - und Zweitürer haben da nun einmal einen Vorteil. Das Mercedes-Coupé zeigt stilistisch deutlich, dass es Mitglied der E-Familie sein will. Dazu trägt nicht nur die Form der Scheinwerfer bei, sondern auch die geschwungene Kante vor den hinteren Radhäusern. Die soll, so die Designer, an den Ponton-Mercedes aus den Fünfzigern erinnern, was freilich nicht nur nach Jahren ziemlich weit hergeholt ist. Kein neues Stilmerkmal sind die rahmenlosen Seitenscheiben und die fehlende B-Säule. Diese Bauart sorgt für einen sehr luftig wirkenden Dachpavillon - vor allem, wenn die Seitenscheiben versenkt sind. Nun fährt man heute - von bassgeschüttelten Youngstern einmal abgesehen - wenig mit offenem Fenster, sondern mit Klimaanlage. Aber einen Versuch ist es wert. Neues Mercedes Coupé mit einem cW-Wert von nur 0,25 Das Cruisen durch den Frühling bekommt eine neue Qualität, es ist ein bisschen wie in einem Cabrio, ohne dass die Sonne die Kopfhaut anröstet. Daneben zeigt sich, wieviel aerodynamische Feinarbeit Mercedes in das Coupé gesteckt hat, das mit einem cW-Wert von nur 0,25 das strömungsgünstigste Serienauto der Welt dastellt: Die offenen Fenster verursachen nur einen dezenten Wind im Cockpit. Und das freundliche Klopfen des Sicherheitsgurts auf der Schulter hört sofort auf, wenn nicht nur die vordere, sondern beide Scheiben auf Tauchstation gehen. Wieder hochgefahren verursachen sie keine ungebührlichen Windgeräusche und unterstreichen damit die Qualität der Karosserie. Wer bei über 220 km/h den Fensterschalter betätigt, stellt fest, dass sich die rahmenlose Scheibe selbst dann noch problemlos in ihre Führungen fädelt. Mercedes C-Klasse mit sehr bequemen Sitzen Was noch? Sehr bequeme Sitze, die eine schmeichelhaft weiche Polsterung mit nachdrücklicher Körperunterstützung vereinen. Das Raumgefühl präsentiert sich, eine logische Folge der Abmessungen, eher im Mercedes C- als im E-Bereich, was nichts daran ändert, dass zwei Personen ein großzügig bemessenes, komfortables Ambiente vorfinden. Die Mercedes E-Gene zeigen sich in der üppigen Sicherheitsausstattung mit insgesamt sieben Airbags, aber auch in den Assistenz- Systemen. Der Aufmerksamkeits-Assistent, der einen übermüdeten und Lenkfehler begehenden Fahrer zu erkennen vermag, gehört ebenso dazu wie der Bremsassistent Plus, der zusammen mit der Presafe-Bremse (Option) bei akuter Unfallgefahr selbstständig eine Vollbremsung einleitet. Auf dem Komfortsektor gilt es die ebenfalls aufpreisige Thermotronic-Klimaanlage aus der E-Klasse zu erwähnen, die eine individuelle Abstimmung der Luftströmung erlaubt und in der Praxis keine Wünsche offen lässt.

Das Fahrwerk des Mercedes E- Coupé ist etwas straffer als bei der Limousine Damit ist man schon sehr nahe am sattsam gelobten Mercedes E-Klasse -Komfort. Aber weil das Coupé für eine dynamischere Kundschaft gedacht ist, geht die Sänften-Abstimmung des Fahrwerks nicht so weit. Die Luftfederung für extrem komfortbewusste Herrschaften wird erst gar nicht angeboten. Das mit variablen Stoßdämpfern versehene Fahrwerk ist zwar etwas straffer als die Limousine abgestimmt, vermeidet es aber stets, Fahrbahnstöße in unziemlicher Form an die Insassen weiterzugeben. Das darf als gelungener Kompromiss gelten, weil das Fahrverhalten davon profitiert. Das Mercedes Coupé fühlt sich eine Spur agiler und direkter an als die Limousine. Sportliches Fahren auf kurvenreichen Strecken macht damit mehr Spaß, auch wenn hier kein konsequent auf Fahrdynamik ausgelegtes Auto entstanden ist, sondern ein typischer Mercedes, der flink unterwegs sein kann, aber nicht dazu herausfordert. Es dominiert, passend zur Markenphilosophie, das Gefühl hoher Sicherheit. Selbst extreme Fahrmanöver wie bei den Fahrdynamik-Tests nehmen dem Coupé nichts von seiner Gutmütigkeit. Lenkverhalten, ESP-Abstimmung und standfeste Bremsen ergeben ein Wohlfühl-Paket, das die Mercedes-Werbung einst mit "Ihr guter Stern auf allen Straßen" beschrieben hat.

Mercedes E 250 CDI bietet mehr als der Benziner Dazu passt ein kultiviert laufender Sechszylindermotor. Der Direkteinspritzer mit 3,5 Liter Hubraum genügt mit seinem ruhigen Lauf auch hohen Ansprüchen. Aber die rasante Entwicklung, welche die Dieselmotoren gemacht haben, bleibt im Hinterkopf. Denn den mächtigen Durchzug, den der ebenfalls für das Mercedes Coupé lieferbare Vierzylinder-Diesel 250 CDI zu bieten hat, liefert der Benziner nicht - er braucht Drehzahl, um Temperament zu entwickeln. Er bleibt erste Wahl, wenn der Komfort an oberster Stelle steht. Zumal er mit der ausgezeichneten Siebengang-Automatik kombiniert ist. Sparsam fährt man im mittleren Drehzahl- und Lastbereich Man kann ihn sehr sparsam fahren, wenn man im mittleren Drehzahl- und Lastbereich bleibt, in dem das Triebwerk mageres Gemisch bezieht. Wird die Leistung abgefordert, bleibt von der auf den Wagenflanken proklamierten Blue Efficiency nicht mehr viel übrig. Im Testdurchschnitt ergeben sich 10,5 Liter/100 km. Was die Zahl der auto motor und sport-Sterne nicht verringert. Vor diesem Hintergrund wird auch die Diskussion obsolet, ob nun C oder E der legitime Vater ist. Zumal die Mehrzahl der Kunden ein sehr preisgünstiges Extra wählt: Entfall der Modellbezeichnung auf dem Kofferraumdeckel.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-08-22

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